St. Johannes-Nachbarschaft Miesenheim
Erkundungstour durch Miesenheim
Miesenheim. Die St. Johannes-Nachbarschaft hatte Mitglieder und Interessierte dazu eingeladen „historische Stellen“ von Miesenheim zu erkunden. Fast 60 Personen fanden sich dazu am Startpunkt Ecke Sandweg, Neuwieder Straße ein. Nach kurzer Begrüßung übergab Amtmann Helmut Müller das Wort an Dr. Klaus Schäfer. Der Prähistoriker hatte sich bereit erklärt, die fachliche Führung zu übernehmen. So wurde schon zu Beginn der Blick auf die „Villa“ und deren Erbauer, den Landvermesser Jachmich gelenkt. Sein Lebensmotto, „Ich lass die Neider neiden und die Hasser hassen. Was Gott mir gönnt, müssen sie mir doch lassen“, ist in Stein gemeißelt, noch heute auf einer Außenmauer des Gebäudes zu lesen. Weiterer Anlaufpunkt der Tour war die Nette(korn-)mühle mit dem Mühlbach. Dieser und die Nette waren über Jahrhunderte das Wasserkraftwerk für den Antrieb diverser Mühlen entlang der Nette, unter anderem auch einer Papiermühle. In der Nettestraße, mit den dort noch erhaltenen Fachwerkhäusern, gab es den Hinweis auf die früher hier entsprungene kleine Quelle, den sogenannten „Heckerich“. An der heutigen Grabenstraße, Teil der Sechs-Straßen-Kreuzung, gab es in früherer Zeit ein Tor, das täglich abends geschlossen wurde. Die sogenannte „Oberpforte“. Hier standen auch die St. Kastor-Kapelle und ein riesiger Kastanienbaum. Beide prägten das damalige Ortsbild von Miesenheim. Der Weg führte dann zur St. Kastorkirche und dem dort im Jahre 1922 errichteten Kriegerdenkmal, das an die Miesenheimer Opfer des 1. Weltkrieges erinnert. Auf dem Dorfplatz erläutere Dr. Schäfer die Herkunft des Steins, aus dem der dort befindliche Brunnen entstanden ist. Es handelt sich um einen basaltenen Mühlstein.
Dieser war Teil eines Mühlwerks zum Zerkleinern von Altpapier und Lumpen, dem sogenannten „Kollergang“, der ehemaligen Miesenheimer Papiermühle. Entlang der alten, der „großen Schule“, ging es vorbei am Standort der früheren Synagoge zur „Alten Kirche“. Von der früheren, im 12. Jahrhundert errichteten Miesenheimer Pfarrkirche und dem angrenzenden Friedhof sind heute nur noch der Glockenturm und das Pfarrhaus erhalten. Vom Großbrand, der im Jahre 1777 Miesenheim verwüstete, blieben diese Gebäudeteile weitestgehend verschont. Ab dem Jahr 1891 war dann die neue Pfarrkirche das geistliche Zentrum. Auf dem Gelände der alten Pfarrkirche wurden wir vom heutigen Besitzer, Herrn Dr. Rainer Hart, erwartet Er hatte uns freundlicherweise gestattet, das historische Kleinod in Augenschein zu nehmen. Etwas überrascht von der Anzahl der Interessierten erläuterte uns Dr. Hart seine Pläne und Vorstellungen, die noch vorhandenen Gebäude im Sinne der Denkmalpflege wieder herzurichten und in Teilen auch wieder zugänglich zu machen. Vom Pfarrgarten aus bot sich den Teilnehmern ein herrlicher Ausblick über das Nettetal und auf die angrenzenden Höhen. Diese Aussicht war den meisten völlig neu und wurde begeistert aufgenommen. Der fast schon wieder restaurierte Gewölbekeller unter dem Pfarrhaus entlockte den Besuchern ein begeistertes „Ah und Oh“, was den Besitzer sichtlich freute. Hier endete schließlich die kleine Exkursion. Im Gasthaus Milles-Kaltenborn, bei Sabine und Theo, erfolgte bei einem leckeren Mittagsimbiss noch ein reger Austausch über das Erlebte. Einhellige Meinung zu diesem sonntäglichen Ausflug: „Das war spitze“.
