Neu gegründeter Förderverein „Flüchtlingshilfe Andernach“ nimmt seine Arbeit auf
„Flüchtlingshilfe geht nur miteinander“
Andernach. Am Anfang stand ein persönlicher Sachspendenaufruf in Facebook. Daraus entwickelte sich, getragen von einer Hand voll Bürgerinnen und Bürgern, die private Initiative „Flüchtlingshilfe Andernach“. Diese konnte mit ihren pragmatischen und wirkungsvollen Aktionen und Informationen im sozialen Netzwerk Facebook nach wenigen Monaten bereits mehr als 700 Freunde für sich gewinnen.
In der vergangenen Woche gaben nun rund 30 Interessenten, mehr als von den Initiatoren erwartet, mit der offiziellen Gründung des Fördervereins „Flüchtlingshilfe Andernach“ der Initiative den rechtlichen Unterbau. So kann die einstige Interessengemeinschaft nun auch offiziell tätig werden, zum Beispiel bei der Ausstellung von Spendenbescheinigungen.
Bekannt wurde die „Flüchtlingshilfe Andernach“ vor allem durch ihren Aufruf, Willkommenspakete für Flüchtlinge mit Dingen des täglichen Bedarfs zu packen. Dieser praktische Willkommengruß soll vor allem Neuankömmlingen den Einstieg in den neuen Lebensabschnitt erleichtern. Etwa 200 Pakete, bedarfsgerecht gepackt für Frauen, Männer, Jugendliche und Kinder, brachten hilfsbereite Menschen bereits vorbei und wurden bzw. werden dem Jugendamt der Stadt jeweils nach Anforderung übergeben.
Enge Vernetzung mit anderen Organisationen
Katja Büchner, Mitbegründerin der Initiative, machte in ihren einführenden Worten bei der Gründungsversammlung des Fördervereins im Restaurant „Taverne Olympos“ deutlich, dass die Mitarbeiter der Flüchtlingshilfe eng mit dem Haus der Familie, der Stadtverwaltung, mit Vereinen und kirchlichen Einrichtungen sowie anderen Helferinnen und Helfern zusammenarbeiten und sich mit diesen Stellen austauschen wollen. „Wir sehen uns nicht als Konkurrenz zum Haus der Familie, im Gegenteil“, so Büchner, die mit dem Verein schwerpunktmäßig zu angebotsfreien Zeiten, in den Abendstunden und an den Wochenenden, für die Asylbewerber da sein möchte. „Wir wollen keine Doppelveranstaltung machen - das kostet Energie, ist nicht notwendig und führt zu Unmut. In der Flüchtlingshilfe geht es nur miteinander“. Die Flüchtlingshilfe Andernach würde es begrüßen, wenn auf den Internetseiten der Stadt sämtliche, an der Migrationsarbeit beteiligte Stellen erkennbar wären und so eine effektive Vernetzung unterstützt würde.
Seiner Satzung gemäß hat sich der Verein zum Ziel gesetzt, die Lebensbedingungen der Flüchtlinge in und um die Stadt nachhaltig zu verbessern, Vorurteile und Diskriminierungen gegenüber diesen Menschen abzubauen und sie in allen Belangen betreuen. In Andernach leben derzeit insgesamt rund 500 Flüchtlinge. Ulrike Linhsen berichtete über die Arbeit und die Erfahrungen der Flüchtlingshilfe Maifeld, zu der die Andernacherin intensive Kontakte pflegt. Michael Kock, Flüchtlingskoordinator des Kreises Mayen-Koblenz, betonte die Bedeutung von Netzwerkstrukturen im Zusammenhang mit der Flüchtlingsarbeit und begrüßte das Engagement und die demokratischen Strukturen der privaten Flüchtlingshilfen: „Die Kommunen führen die Leute in die Wohnung. Geben ihnen Geld. Aber das ist ja nicht alles zum Leben. Sie brauchen Menschen, die auf sie zugehen, die nicht nur die Türen öffnen, sondern auch die Herzen.“
Die Gründungsversammlung wählte nach Abwicklung der gesetzlichen Regularien folgende Personen in den Vorstand des Fördervereins „Flüchtlingshilfe Andernach“: Katja Klingbeil (erste Vorsitzende), Katja Büchner (zweite Vorsitzende), Hassan Khaled (Schatzmeister), Mario Klingbeil (Schriftführer), Christina Wunder, Aynur Denis und Bernd Gehring (Beisitzer).
Umfassender Aufgabenkatalog
Der Vorstand und die Mitglieder des Vereins – viele Beitrittserklärungen wurden bereits abgegeben – haben sich einiges in ihren Aufgabenkatalog geschrieben. So sollen die Tätigkeiten neben dem persönlichen Umgang mit Flüchtlingsfamilien zum Beispiel die Beschaffung von Sach- und Hilfsmitteln, die Erstellung internationaler Informationsblätter, die Durchführung von Veranstaltungen und Aktionen sowie die Begleitung zu Arztterminen und Behördengängen umfassen.
Rüdiger Schäfer von der Initiative „Ich bin dabei!“ informierte die Versammlung noch über migrationsunterstützende Projekte der Andernacher Ehrenamtsinitiative des Landes Rheinland-Pfalz. Tiefe Betroffenheit wurde spürbar, als zum Abschluss Souzan Ajou aus dem syrischen Aleppo Bilder ihrer zerbombten Heimat zeigte und die dramatische Flucht mit ihrer Familie schilderte.
Die Syrerin Souzan Ajou bewegte mit ihrem Bericht über die Flucht ihrer Familie.
Die Mitbegründerin des Fördervereins und zweite Vorsitzende, Katja Büchner, bei der Begrüßung der Gründungsversammlung.
