Historische Tour Unkel
Historische Exkursion durch Unkel mit Fokus auf 14 Nothelfer und Stadtgeschichte
aus Andernach
Unkel. Die kleine Stadt Unkel zwischen Bad Honnef und Linz schmiegt sich entlang des Flusslaufs auf der rechten Rheinseite einem Bogen folgend, der wohl zur Namensgebung führte (uncus, lat.: der Bogen). Sie gehört zu den sehenswerten, touristisch bereits seit dem 19. Jh. besuchten Zielen südlich des Siebengebirges. Bekannt nicht nur als Rotweinstadt, sondern auch als zeitweiliger Wohnsitz bekannter Persönlichkeiten, wie Ferdinand Freiligrath, Konrad Adenauer und Willy Brandt.
Mitglieder des Historischen Vereins Andernachs hatten das Vergnügen, dieses hübsche Städtchen, dessen Ursprung wohl bis in fränkische Zeit zurückreicht, in einer Stadtführung durch ein Mitglied des örtlichen Geschichtsvereins näher kennen zu lernen. Neben gut restaurierten Fachwerkhäusern finden sich noch Reste der mittelalterlichen Stadtmauer, am besten erhalten zur Rheinpromenade hin, da sie in der Preußenzeit wegen der Hochwassergefahr deutlich erhöht worden war. Der Rundgang führte auch zur Pfarrkirche St. Pantaleon, die heute in spätgotischer Form zu sehen ist, mit romanischem Turm, aber wohl deutlich älter sei dürfte. Ziel waren in Bezug zum Jahresthema des Historischen Vereins „Heilige und Heilung“ vor allem die 14 Nothelfer, denen hier eine eigene Kapelle gewidmet ist und deren fast lebensgroße Figuren, 1728/29 von Unkeler Bürgern gestiftet, an den Kapellenwänden befestigt sind. Aus Platzmangel musste der Hl. Christophorus mit einem Platz außerhalb der Kapelle Vorlieb nehmen. Die 14 Nothelfer sind auch Thema eines gotischen Reliefs an der Seitenwand der Kapelle.
Seit der Christianisierung und der Entstehung von Märtyrer- und Heiligenlegenden waren für den gläubigen Menschen diese „Idole“ Ziele der Verehrung. In Notzeiten – und die gab es immer wieder – wie Kriege, Hungersnöte, Pestwellen, persönliche Bedrohung und Krankheiten wurden die 14 Nothelfer zu wichtigen „Ansprechpartnern“, in Vertrauen auf deren Fürsprache oder Heilung, die man im Gebet erflehte. Die Heiligen sind durch Attribute erkennbar, die oft auf ihren Märtyrertod hinweisen. Stellvertretend für die Gruppe der Nothelfer seien hier einige genannt: Die Hl. Barbara, der Überlieferung nach in einem Turm eingesperrt und später enthauptet, ist Patronin der Bergleute, aller Baugewerke und Berufe, die mit Feuer zu tun haben. Der hl. Blasius, Bischof in Armenien, erlitt 316 den Märtyrertod durch Enthauptung und wird noch heute bei Halsleiden angerufen (Blasiussegen). Christophorus, Christusträger, Helfer gegen unvorbereiteten Tod, Rettung aus jeglicher Gefahr, ist auch heute noch – zumindest vielen Autofahrern - vertraut. Der Hl. Georg als Helfer bei Kriegsgefahren, Fieber und Pest, die Hl. Margareta, Patronin der Gebärenden und Pantaleon, als Arzt Kaiser Maximians 305 während der Christenverfolgung unter Diokletian gestorben. Für alle Nöte und Gefahren gab es also Heilige, die man anrufen konnte, so der Volksglaube und auch kirchliche Lehre.
Die Zusammensetzung der 14 Nothelfer ist regional unterschiedlich, denn es gibt noch viele weitere Heilige, deren Beistand man suchte und der ein oder andere das heute noch tut, sei es im kirchlichen Gebet oder vielleicht insgeheim, auch der säkularisierte, aufgeklärte Mensch erwischt sich bisweilen bei einem „Stoßgebet“ in brenzlichen Situationen…. Wenn´s hilft?
Nach einem gemeinsamen Mittagessen konnte jeder Teilnehmer den Nachmittag selbst gestalten, sei es das Willy-Brandt-Forum besuchen oder weitere Erkundungen durch die Stadt unternehmen. Wieder eine gelungene Exkursion des Historischen Vereins, der am 24. 11. 2026 zur Jahreshauptversammlung einlädt.
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Der Historische Verein Andernach zu Besuch in Unkel Foto: privat, Claudia Gesell