Ältester aktiver Seitenwagenfahrer Europas freut sich auf die neue Rennsaison
„Ich will datt Dinge nochmal rocken“
Horst Maria Kowalski will erneut vorne mitmischen
Plaidt. Nach ihren zahlreichen Erfolgen im vergangen Jahr fiebern „Mr. Sidecar“, Horst Maria Kowalski aus Plaidt, und sein thüringischer Beifahrer Marcel Reimann, jetzt den rund ein Dutzend neuen Rennsport-Herausforderunge entgegen. Im Autodromo Franciacorta, am Zschorlauer Dreieck, auf dem Schottenring, dem Odenwaldring, dem Sachsenring, dem Schleizer Dreieck und dem Eurospeedway Lausitzring gelang es den beiden erfahrenen Sidecar-Piloten im Vorjahr mit ihrer LCR-Suzuki 1000 in Wertungsläufen siebenfach den ersten, zweimal den zweiten und einmal den dritten Platz zu erringen - eine ausgesprochen erfolgreiche Jahresbilanz. Fahrer und Sozius freuen sich wieder auf prickelnde Adrenalinschübe und eine Neuauflage ihrer Erfolgserlebnisse auf populären Strecken Die lebende Motorradsport-Legende Horst Maria Kowalski ist mit seinen 73 Jahren der älteste noch aktive Seitenwagenfahrer Europas und einer der erfolgreichsten. Schon seit vier Jahrzehnten mischt er kräftig mit auf den Rennstrecken der Welt, früher bei internationalen Tourenwagenmeisterschaften, dann als Beifahrer und heute als Fahrer eines Seitenwagens. Mit über 500 Pokalen und weiteren unzähligen Auszeichnungen kann Horst Kowalski, der seit vielen Jahren mit seinem „Sidecar-Racing-Team“ einen eigenen Rennstall führt, auf beachtliche Erfolge verweisen. Sohn Sandro sorgt als Mechatroniker und Teamchef zusammen mit Jürgen Rauch für das „Schätzchen“ mit der Stammnummer 55 - ein weiterentwickeltes Formel 1-Motorradgespann mit 1000 cm³ Hubraum, einem Einspritzmotor, 200 PS und einer Höchstgeschwindigkeit von 290 km/h. In den letzten drei Jahren wurde das Schrauber-Team verkleinert, die Zusammenarbeit optimiert. Wie fit ist Mr. Sidecar? Was meint sein Arzt? „Dem geht es schlechter als mir“, lacht der vitale Senior und bestätigt, dass er für die nächste Saison bereit sei. Auch dem Sidecar ginge es bestens, denn das Team habe im Winter mehr an der Maschine gearbeitet, als die Jahre zuvor. Eine Mannheimer Firma habe neue Felgen geliefert und die Reifen seien erneut von der Andernacher Kaiser Ingenieurbau GmbH gesponsert worden. „Die Maschine wurde im vergangenen Jahr sehr stark in Anspruch genommen. Wir würden uns freuen, wenn sich ein Sponsor für zwei neue Motoren finden würde. Dann könnte ich wieder richtig powern.“ Horst Kowalski hat sich vorgenommen „datt Dinge nochemo ze rocke“ und dies bei wachsender Konkurrenz. Immer mehr F1 - und F2-Gespanne nehmen an den Rennen teil. Beifahrer Marcel Reimann, der im vergangenen Jahr massive Rückenprobleme hatte, ist wieder voll einsatzfähig. „Ich hoffe, dass ich ihn in diesem Jahr nicht wieder aus einem Krankenhausfenster zur Rennstrecke entführen muss“. Ob der Renn-Enthusiast aus der Pellenz noch einen sportlichen Traum hat? Er habe in seinem Rennsport-Leben eigentlich schon alles hinter sich, meint er. Viele prominente und interessante Menschen seien seine Freunde. „Im vergangenen Jahr durfte ich in Marrakesch in der Königsloge sitzen.“ Ein Renn-Kollege, der ehemalige stellvertretende Verteidigungsminister der Tschechischen Republik, Libor Karásek, habe einmal zu ihm gesagt: „Wenn ich dich schlagen möchte, muss ich die gesamte Armee mitbringen.“ Horst Maria Kowalski möchte weiter Rennen fahren, solange es geht und seine Sponsoren mitspielen, die für ihn in den vielen Jahren zu guten Freunden geworden sind. Gemanagt wird er von seinem niederländischen Hauptsponsor Eurol.
Mal nachgefragt: Wie erleben Sie Mr. Sidecar?
Fragt man den Leipziger Motorjournalist, ehemaligen Rennfahrer und dienstältesten Motorsportstreckensprecher Lutz Weidlich, der in über 60 Jahren Eindrücke und Erfahrungen auf zahlreichen Rennstrecken sammeln konnte, nach dem Phänomen „Mr. Sidecar“, zeigt sich dieser fasziniert: „Überall, wo Horst mit seinem großen Truck mit Bild und Aufschrift- Horst-Maria Kowalski Sidecar Racing - erscheint, fällt das nicht nur allen Motorsportfans ins Auge, sondern da weiß man, in wenigen Minuten geht jemand auf die Piste, der dieses rund 200 PS starke Gespann auch mit Vehemenz bewegen kann. Allein, wenn der Sound des Vierzylinder-Suzuki-Motors ertönt und Kowalski am Kurvenausgang Gas gibt, dann brennt er schon eine breite schwarze Reifenspur in den Asphalt. Wenn er mit seinem ehemaligen Renngespann auf den Strecken, wo ich kommentiere, die ersten Runden dreht, gibt es tosenden Beifall von den Zuschauern. Sie mögen seine Art, sich auf der Rennpiste zu präsentieren. Das wird auch in diesem Jahr nicht anders sein. Bemerkenswert bei Horst ist auch seine freundliche, verbindliche Art den neugierigen Fans gegenüber. Er kommt einfach überall gut an. Ich freue mich schon jetzt wieder auf den Sound seines Motors und die Beschleunigungsorgien, die er uns Motorsportfans bietet. Und was die bevorstehenden Rennen mit historischen Rennmaschinen betrifft, so bin ich überzeugt, dass er nicht nur im Mittelfeld dümpelt, sondern erneut ganz vorn mit das Sagen hat.“
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