40-jährige Freundschaft zwischen Dimona und Andernach wurde im Historischen Rathaus gefeiert
„In Saint Amand hatte alles begonnen“
Andernach. „In meiner fast 22-jährigen Amtszeit, dies sage ich aus tiefster Überzeugung, waren für mich die Begegnungen mit unseren Freunden aus Dimona die schönsten“, schloss Andernachs Oberbürgermeister seine Festrede anlässlich der Feier zum 40-jährigen Jubiläum der Städtepartnerschaft Dimona-Andernach. Politische Vertreter, Mitglieder des Freundschaftskreises Dimona-Andernach sowie 21 Gäste aus der Stadt Dimona dankten ihm dieses „Geständnis“ mit Applaus. Die fröhliche Atmosphäre im alten Saal des Historischen Rathauses hatte zuvor auch ihren nachdenklichen Moment, als Achim Hütten feststellte, das deutsch-israelische Verhältnis wäre nicht vergleichbar mit irgendeinem anderen Verhältnis diplomatischer Beziehungen in dieser Welt. Es sei geprägt von der Verantwortung Deutschlands für die Shoa, dem systematischen Mord an sechs Millionen Juden. Es dürfe nie einen Schlussstrich unter diese Geschichte geben, denn die Anerkennung des Existenzrechtes Israels sei, seit der Gründung der Bundesrepublik, grundlegend für die deutsche Außenpolitik. Hütten fuhr fort: „Es bleibt unsere Aufgabe und die Aufgabe der nachfolgenden Generationen, Antisemitismus und Rassismus auf jeder Ebene schon im Ansatz zu bekämpfen.“
In Saint Amand hatte alles begonnen
Die Stadt Dimona an der Ostgrenze des Negev, 35 km Luftlinie vom Toten Meer, wurde 1955 von Französisch sprechenden marokkanischen Einwanderern gegründet und gilt heute als ein herausragendes Industriezentrum mit rund 33.000 Einwohnern. Die Möglichkeit der Kommunikation in französischer Sprache war seinerzeit eine gute Basis für das Gedeihen der Partnerschaft zwischen Dimona und dem französischen St. Amand Les Eaux. Mit dieser Stadt pflegte Andernach bereits seit 1959 eine Partnerschaft. 1966 kam es dort zu ersten Kontakten zwischen Bürgern aus Dimona und Andernach, die im Jahr 1968 durch einen Besuch des damaligen Stadtdirektors von Dimona, Josef Galon, eine weitere Vertiefung erfuhren. Vier Jahre später wurde der ehemalige Oberbürgermeister Walter Steffens zur Verleihung der Ehrenbürgerrechte an die israelische Politikerin und spätere Ministerpräsidentin Golda Meir nach Dimona eingeladen. Diese erneute Begegnung war zugleich der Auftakt zu gegenseitigen Besuchen und dem Wachsen von Freundschaften zwischen Bürgern beider Städte. Bis zur Begründung der offiziellen Partnerschaft zwischen Andernach und der Stadt Dimona vor 40 Jahren, am 28. Oktober 1975, mussten jedoch zunächst auf beiden Seiten zahlreiche Widerstände abgebaut werden. Es war die erste Partnerschaft zwischen einer deutschen und einer israelischen Stadt. Der ebenfalls unter den Gästen anwesende ehemalige Oberbürgermeister, Dr. Gerold Küffmann, unterzeichnete damals in Dimona die Partnerschafts-Urkunde und ist somit ein offizieller „Gründungsvater“.
„Eine wunderbare Freundschaft“
Die Chronik aus vier Jahrzehnten belegt es und Dimonas Bürgermeister, Beni Biton, beschreibt es in seinem Vorwort zur Jubiläums-Festschrift: „Es wurde eine wunderbare Freundschaft. Brücken für die Völker entstanden, die noch viele Jahre halten werden. Jugendliche aus Dimona und Andernach haben sich gegenseitig besucht. Schüler und Erwachsene sind sich in Austauschgruppen begegnet und der Kreis ist stetig größer geworden.“ In sein Grußwort schloss Beni Biton, wie sein Amtskollege Achim Hütten und Barbara Söhngen, Vorsitzende des Freundschaftskreises Dimona-Andernach, die Pioniere der jahrzehntelangen freundschaftlichen Verbindung ein und gedachte des Andernachers Ferdinand Argenton und Ami Abutbul aus Dimona, die das 40-jährige Jubiläum nicht mehr mitfeiern können. Biton überreichte Achim Hütten abschließend eine Partnerschaftsfahne, die die Wappen der beiden befreundeten Städte trägt.
Für Barbara Söhngen, die schon seit 22 Jahren dem Freundschaftskreis Dimona-Andernach vorsteht, ist Dimona, nach eigenen Worten, zu einem zweiten Zuhause geworden. Viele Bürger der beiden Städte wuchsen in dieser Zeit zu einer großen Familie zusammen. Angesichts dieser Erfahrung warf die Andernacherin die Frage in den Raum: „Warum müssen Menschen erst einmal Irrwege gehen - sich hassen, sich zerstören, sich verletzen und sich weit voneinander entfernt halten - um schließlich einzusehen, dass nur die Hoffnung, verzeihen zu können, der gegenseitige Respekt, das Akzeptieren des Andersseins und das Schätzen der Würde des Menschen, zu einer besseren Zukunft führen?“
Die Festreden wurden jeweils in Neu-Hebräisch, Französisch und Deutsch übersetzt.
Interessante Chronik
Mit Dixieland-Jazz gestalteten Peter und Simon Seibeld sowie Edith und Gerhard Müller die Jubiläumsfeier musikalisch. Erfreut waren die Gäste vom Sonderdruck „Schalom“ aus der Festschrift, die komplett im Herbst erscheinen wird. Diese Chronik gewährt einen interessanten Einblick in die Geschichte der Städtepartnerschaft.
Die israelischen Besucher weilten insgesamt zehn Tage in Deutschland. Ihre Zeit war erfüllt von Begegnungen mit ihren Andernacher Freunden und interessanten Exkursionen. Fahrten nach Mainz, Münster, Köln und München standen auf dem Programm. In Dachau besuchte die Reisegruppe das ehemalige Konzentrationslager.
Oberbürgermeister Dr. Gerold Küffmann und Bürgermeister Armon Laredo unterzeichneten 1975 in Dimona die Partnerschaftsurkunde.
Bürgermeister Beni Biton übermittelte die Grüße der Stadt Dimona und dankte den Pionieren, die die jahrzehntelange Freundschaft zwischen den beiden Städten möglich machten.
