Allgemeine Berichte | 23.09.2016

Frauenkreis der evangelischen Kirche in Andernach

Jüdisches Leben im heutigen Amerika

Pfarrer Wolfgang Hüllstrung war zu Gast mit einem packenden Erfahrungsbericht

Pfarrer Wolfgang Hüllstrung wusste dem Publikum Interessantes über das amerikanische Judentum zu berichten.  privat

Andernach. Freude und Vertrautheit war vom ersten Moment an zu spüren, als Pfarrer Wolfgang Hüllstrung den Gemeindesaal an der Kreuzkirche betrat, hatte er doch ein paar Jahre das Gemeindeleben in Andernach bereichert und im Jahr 2009 in der Christuskirche seine Ordination gefeiert. Fast allen Zuhörern war er aus dieser Zeit bekannt, und seine aus eigener Anschauung gewonnenen Erfahrungen war er bereit, in einem Vortrag über das Judentum im heutigen Amerika mitzuteilen. Ergänzt durch eingestreute Gespräche mit dem Publikum war das Interesse ungebrochen, und man bedauerte, wie rasch die zu Verfügung stehende Zeit verrann. Neben seiner Amtsstelle als Pfarrer und Mitarbeiter des Superintendenten Rolf Stahl ist er Vorsitzender der Christlich-Jüdischen Gesellschaft für Brüderlichkeit e.V. in Koblenz. Er nahm die Möglichkeit wahr, ein Studiensemester zum interreligiösen Dialog an der Universität in Providence, der Hauptstadt des kleinsten Bundesstaats von Amerika, Rhode Island, zu absolvieren. Ins Schwärmen gerät er, wenn er die Schönheit des Landes beschreibt, die geprägt ist von Seen und Wäldern, aber gleichermaßen beeindruckend ist, wie die freiheitlichen demokratischen Werte respektvoll gelebt werden.

Man kann sich abschotten, aber auch öffnen, jede Art Koexistenz erscheint möglich. Es ergab sich in der Osterzeit, innerhalb einer reformierten liberalen Familie das Ritual des Passahfestes mitzufeiern, das an den Auszug aus Ägypten erinnert und unter streng koscheren Auflagen zelebriert wird.

In Amerika leben genau so viele Juden wie im Staat Israel. Die 6,3 Millionen jüdischen Bürger entsprechen drei bis vier Prozent der amerikanischen Gesamtbevölkerung, wobei sich rund zwei Drittel aktiv an der Gestaltung des Gemeindelebens in den Synagogen der Suburbs beteiligt. In den Vororten hat man sein Wohnhaus, und dort findet das eigentliche Leben statt, die City ist der Ort für Arbeit, Business und Shopping. Im Christentum gibt es unterschiedlich geprägte Konfessionen, das gilt ebenso für islamische und jüdische Glaubensrichtungen. Das Judentum spaltet sich auf in orthodoxe und nicht-orthodoxe Glaubensgruppierungen. Auf der wortgetreuen Einhaltung der Tora beharren die Ultra-Orthodoxen, noch mehr die Chassiden. Zu einer weltoffeneren Richtung gehören die Konservativen, die sich wiederum von den noch fortschrittlicheren Reformierten abgrenzen, die sogar Rabbinerinnen einsetzen, evangelische Pfarrer im Gottesdienst predigen lassen, eine kritische Betrachtung der Tora zulassen, aber auch Luther- und Bonhoeffer-Texte einsetzen. Über Offenheit und Begegnung haben so manche Holocaust-Überlebende eine neue Einstellung zu Deutschland gewonnen, sodass sie das Land ihrer Kindheit wieder besuchen können, denn sehr viele Juden haben in irgendeiner Weise deutsche Wurzeln.

Mit großem Beifall bedankte sich der evangelische Frauenkreis bei Hüllstrung und ließ den Abend mit Getränken und Käsehäppchen ausklingen, die Frau Kottenberg anlässlich ihres 80. Geburtstags gespendet hatte.

Pfarrer Wolfgang Hüllstrung wusste dem Publikum Interessantes über das amerikanische Judentum zu berichten. Foto: privat

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