Kirchenfenster & Geschichte
Kirchenfenster in Namedy: Bedeutung und Geschichten der Heiligen Darstellungen
aus Andernach
Namedy. Kirchenfenster erzählen Geschichten – Vortrag von Günter Haffke in der Kirche in Namedy
Auf Einladung des Gemeindeteams Namedy und im Rahmen des Jahresmottos des Historischen Vereins Andernach referierte Günter Haffke über die Bedeutung der Fenster von St. Bartholomäus: was erzählen die Darstellungen über katholische Lehre und Legenden zum Thema Wunder/Heilen.
Der Referent verstand es, die Zuhörer auf Entdeckungsreise mitzunehmen und den Botschaften der Darstellungen auf die Spur zu kommen. Als unbedarfter Laie erkennt man zwar die eine oder andere Szene als Geschichte aus der Bibel oder wird durch ein Spruchband auf den dargestellten Heiligen verwiesen, aber selbst für geübte Namedyer Kirchgänger erhellte der Vortrag die Hintergründe und Zusammenhänge der Darstellungen und damit das tiefere Verständnis, ebenso die Rolle der Familie Hohenzollern. So lassen sich z. B. die sieben Sakramente hier wiederfinden: Taufe (Jesus wird von Johannes im Jordan getauft), Firmung (Hohenzollern-Prinzessin wird gefirmt, erkennbar am Wappen der Hohenzollern), Kommunion (Das Abendmahl mit den Aposteln), Buße (Rückkehr des verlorenen Sohnes), Krankensalbung (Der Tod Josephs), Priesterweihe (Jesus sendet die Apostel aus), Ehe (Hochzeit von Albrecht von Hohenzollern mit Ilse Margot von Friedeburg). Geschichten und Zitate aus altem und neuem Testament finden sich in den beiden Fenstern im Chor zum Thema Krieg und Frieden wieder, die Carl-Anton von Hohenzollern zusammen mit Pfarrer Endres während des Ersten Weltkrieges konzipiert hatte und natürlich in der Mitte des Chors die Wunder und Taten des Kirchenpatrons Bartholomäus:
Bartholomäus machte sich nach dem Tod Jesu mit dem Apostel Philippus auf bis ans Ende der - damals bekannten - Welt (vorderer Orient), heilte Kranke und Besessene, bekehrte Königsfamilien und damit Völker, zerstörte die Götzenbilder der anderen Religionen. Schließlich wird er verhaftet, bei lebendigem Leib gehäutet und anschließend enthauptet, die Gebeine landen später nach abenteuerlicher Fahrt übers Meer zunächst auf der Insel Lipari, schließlich im Fürstentum Benevent, danach wohl in Rom. Seine Haut soll sich in Pisa befinden, die Hirnschale seit 1238 im Dom Frankfurt. Bartholomäus wurde bei Hautkrankheiten! angerufen, half aber auch bei Viehseuchen.
Wie aber kam Bartholomäus nach Namedy? Wohl erst im 16. Jahrhundert löste er die Hl. Katharina als Kirchenpatronin der Kirche des Zisterzienserinnen-Klosters in Namedy ab, wobei die Umstände des Patronatswechsels nicht geklärt sind. Vielleicht war es das Todesdatum von Johann Haussmann von Namedy auf Burg Namedy: am Abend des St. Bartholomäus 1496.
Die zahlreichen Zuhörer lauschten den gut recherchierten Ausführungen gebannt und belohnten den langen, aber spannenden Vortrag mit großem Applaus. Beim anschließenden Umtrunk ließen die Besucher den Abend in anregenden Gesprächen ausklingen.
Am 26. September führt die nächste Exkursion des Historischen Vereins nach Unkel (Stadtführung, Kirchenführung).
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Referent Günter Haffke (links); rechts: Ausschnitt Bartholomäus-Fenster (Kirche Namedy) Foto: Karl-Peter Schmelzeisen