Allgemeine Berichte | 08.06.2015

Abschlusspressekonferenz zum Festival Rock am Ring in Mendig - Veranstalter ziehen erste Bilanz:

„Kleine Anfangsschwierigkeiten und ein positives Fazit“

(v.l.n.r.) André Lieberberg, Stadtbürgermeister Hans-Peter Ammel, VG-Bürgermeister Jörg Lempertz, Polizeidirektor Gerd Bertram, Marek Lieberberg, SWR-Programmchef Thomas Jung und Marten Pauls. FRE

Mendig. Am späten Sonntagnachmittag, 7. Juni fand im Media Center auf dem Festivalgelände von Rock am Ring in Mendig eine Abschlusspressekonferenz statt, in deren Verlauf Veranstalter Marek und André Lieberberg, Marten Pauls (Geschäftsführer von Campo Event Engeneering), Polizeidirektor Gerd Bertram sowie VG-Bürgermeister Jörg Lempertz, Stadtbürgermeister Hans-Peter Ammel und Thomas Jung vom SWR eine erste Bilanz aus dem drei Tage währenden Festival zogen.

Zunächst brachte der Veranstalter Marek Lieberberg seine Freude darüber zum Ausdruck, dass Rock am Ring in Mendig „angekommen“ sei, um sodann das Wort an seinen Sohn André zu geben. Dieser sprach von „mentalem Höchststress“ und erläuterte dies mit den Worten: „Ungeachtet des enormen Drucks in den vergangenen zwölf Monaten haben wir den ’Tritt in den Hintern‘ genutzt, um eines der besten Line-Ups überhaupt zu produzieren. Selbstverständlich haben wir uns hier in Mendig das ’Field of Dreams‘ sehr genau angeschaut und bei dieser Gelegenheit mit tausenden Fans gesprochen. Unser Fazit: Wir sind sehr zufrieden mit der Umsetzung. Unser Ziel war es, hier in Mendig ein Crossover-Konzert mit zusätzlicher Erlebniswelt zu initiieren, wie man es aus England und Amerika kennt und dies ist uns auch gelungen. Die Kombination aus Bühnen und zusätzlichen Angeboten, wie Food-Court, Schatten, Sonne und Jahrmarkt - das ist für uns die Zukunft!

Gesamtpaket aus Konzerten und Fun-Meile

Die Eröffnung mit den ’Donots‘ war großartig, und wie an der genussvollen Reaktion des Publikums nicht zu übersehen war, konnte die Spannung durch die Mischung von Konzerterlebnis und Fun-Meile gehalten werden. Auch von den Bands erhielten wir durchweg die Rückmeldungen, dass es ein vollkommen neues Gefühl sei, in Mendig zu spielen. Nicht zuletzt konnten wir mit den neuen Riesenzelten unseren Traum realisieren und die enorme Auslastung in den Zelten, bestätigte uns, dass wir auch hier richtig lagen.“ Marek Lieberberg fügte derweil hinzu: „Der programmatische Höhepunkt unseres neuen Konzepts war ein Gesamtpaket und nicht eine schlichte Aneinanderreihung von Bands.“

Auch SWR-Programmchef Thomas Jung zeigte sich von dem Festival begeistert: „Rock am Ring wurde fantastisch angenommen. Wir hatten zwar Sorge, dass wegen des herrlichen Wetters niemand fernsehen würde, dennoch konnten wir eine Steigerung verzeichnen, da bis zu 2,8 Millionen Menschen die Konzerte am Fernseher verfolgten. Der Ort Mendig dürfte inzwischen in ganz Europa bekannt sein, da die Konzerte auf allen Kanälen, im Internet und im Radio übertragen wurden und überall Steigerungsraten verzeichnet werden konnten.

Kleine Anfangsschwierigkeiten und ein positives Fazit

Zwar gab es am Anfang noch einige technische Probleme, aber die Kollegen des SWR haben es gemeistert“, so Thomas Jung, der sich bei allen Kollegen und dem MLK-Team für die gute Zusammenarbeit bedankte. Marek Lieberberg bedankte sich bei der Gelegenheit auch bei den Einsatzkräften, „die in jeder Situation ruhig und besonnen handelten“. Auch die Präsenz der Polizei wurde laut Marek Lieberberg von den Festivalbesuchern positiv aufgenommen. Polizeidirektor Gerd Bertram versprach, den Dank an die Einsatzkräfte weiter zu geben und unterstrich, dass die Anreise der Besucher ohne nennenswerte Probleme verlaufen sei. Wörtlich: „Das Verkehrskonzept ist aufgegangen, das Parken auf den dafür vorgesehenen Plätzen verlief ohne Probleme und die Sperrung der B 256 erwies sich als sehr gut und hat den gesamten Verkehrsfluss erleichtert.“ Weiter berichtete Polizeidirektor Bertram: „ Während der Zeit des Festivals gab es nur vier Verkehrsunfälle und seit Mittwoch, dem 3. Juni insgesamt 231 Strafanzeigen, davon drei wegen Körperverletzung, was extrem wenig ist, 10 Sachbeschädigungen sowie Taschendiebstähle und weitere kleine Delikte.“ Der Polizeidirektor schloss sein durchweg positives Resümee mit dem Hinweis, dass er gespannt auf die Abreise der Fans sei, wobei die Nähe der Autobahnen sich positiv auswirke.

Mendig war ein guter Gastgeber

Ebenso positiv war das Resümee von VG-Bürgermeister Jörg Lempertz, der fast rund um die Uhr auf dem Festivalgelände zugegen war: „Für Mendig ist ein Traum wahr geworden und wir haben diesen Traum gelebt. In unzähligen Stunden haben wir uns auf diese riesige Aufgabe vorbereitet. Jetzt, wo wir fast am Ende dieser großartigen Veranstaltung sind, kann ich als Vertreter der Verbandsgemeinde Mendig eine positive Bilanz ziehen. Wir haben in den wesentlichen Punkten der Planung einen reibungslosen und sehr zufriedenstellenden Verlauf erreichen können. Die Fans waren augenscheinlich begeistert - sie haben die neue Location angenommen, was uns nicht nur für den Veranstalter freut, auch uns macht es stolz, dass die Stadt Mendig für so viele Menschen jetzt weit mehr ist, als eine Abfahrt auf der A 61. Ich möchte mich bei allen Gästen bedanken, ihr wart entspannt, ruhig, freundlich und friedlich - bessere Gäste kann man sich als Gastgeber kaum wünschen! Jedoch möchte ich mich vor allem bei denen bedanken, die das alles möglich gemacht haben: Meinen Mitarbeitern, den zahlreichen Helfern und den Einsatzkräften aus der Region, die mit unermüdlichem Einsatzwillen und Durchhaltevermögen bereits im Vorfeld daran gearbeitet haben, dass Sicherheit und Ordnung aufrechterhalten bleiben und die während des Festivals mehr als einmal bewiesen haben, dass Schlaf völlig überbewertet wird… Vielen Dank Euch allen! Wir glauben, dass wir uns als gute Gastgeber gezeigt haben und ich kann sagen, dass wir eine Riesenfreude daran hatten, für Rock am Ring eine neue Heimat zu sein. Wir haben Festivalluft und Festival-Lust geschnuppert und hoffen, dass wir im kommenden Jahr wieder sagen können: Mendig rockt!“

Ein phänomenaler Unterschied

Mit einem Augenzwinkern bilanzierte Stadtbürgermeister Hans-Peter Ammel: „Nach meiner Heirat, bzw. Vater und Opa werden war dies hier die spannendste Zeit meines Lebens. Wir wussten nicht, was auf uns zukommt, aber wir haben es gemeistert. Mendig ist im Olymp der internationalen Festivals angekommen. Für einen Bürgermeister bedeutet dies Gänsehaut pur! Als Stadtbürgermeister hat man selbstverständlich auch die Innenstadt im Auge. So gab es zwar einige Unkenrufe, aber es hat sich gezeigt, dass die Befürchtungen sich nicht bewahrheitet haben.

Marek Lieberberg, der sich selber als „Neu-Mendiger“ bezeichnete, schwärme geradezu von der Bereitschaft der Mendiger Bevölkerung, sich auf das Festival einzulassen. So etwas habe er in dieser Form noch nicht erlebt. Der Unterschied zum Nürburgring sei phänomenal. Während die Zuneigung und die Unterstützung der Mendiger von Anfang an da war, war die Zuneigung am Nürburgring erst zu spüren, nachdem man dort weggegangen sei. Die „Verpflanzung“ eines Events wie Rock am Ring sei ein Kraftakt und er habe noch nie so viel gearbeitet, wie in der Vorbereitungsphase für Mendig. Einiges sei zwar noch justierungsbedürftig und man werde sich den entsprechenden Fragen annehmen, so Marek Lieberberg.

30 Hektar Zusatzflächen wurden kurzfristig aquiriert

Marten Pauls sprach in seinem Fazit vom „Developing the field of dreams“ und führte aus: „Über tausend Mitarbeiter waren und sind an der Umsetzung des Festivals beteiligt. Mein Dank geht an alle Beteiligten, insbesondere an die Verbandsgemeinde Mendig und viele weitere Behörden, die zwar kritisch, aber immer höflich und konstruktiv behilflich waren.“ Der Geschäftsführer von Campo Event Engeneering zeigt jedoch Verständnis dafür, dass einige Behördenmitarbeiter ob der Zahlen zuweilen schlucken mussten, bevor sie unterschrieben, da es bei einem solchen Festival mitunter Dinge gebe, die für eine normale Behörde nicht gerade alltäglich seien. Weiter wies Marten Pauls darauf hin, dass die Fans sich mit ihren Zelten sehr großzügig ausgebreitet hatten, und deshalb kurzfristig ca. 30 Hektar umfassende Zusatzflächen akquiriert werden mussten, wobei die Landwirte sich als sehr entgegenkommend und flexibel erwiesen. Als äußerst positiv seien von den Festivalbesuchern die kurzen Wege vom Camping- zum Festivalbereich gewertet worden. Ca. 60.000 Besucher bei den ersten Konzerten am Freitagnachmittag (05.06.) seien ein Beweis dafür, dass auch dieses Novum greife. Nicht zuletzt habe die positive Zusammenarbeit mit den Behörden bei dem Gewitter in der Nacht von Freitag auf Samstag gezeigt, dass die zuvor bis ins kleinste Detail ausgearbeitete Sicherheitskonzeption wirksam und sinnvoll war, so Marten Pauls, der zusammenfasste: „Alles, was wir in diesem Jahr gelernt haben, wird in die Konzeption der kommenden Jahre einfließen.“

Nach dem Festival ist vor dem Festival

Als elementar bezeichnete Marek Lieberberg das Verhalten der Polizei während des Unwetters, „die uns besonnen zur Seite stand. Die Veranstaltung wurde nicht abgebrochen, sondern unterbrochen. Alles wurde in Ruhe abgewickelt und während die Besucher im Alterna Tent Schutz suchten, habe ich persönlich noch die letzten ’Unerschütterlichen‘ aufgefordert, sich in Sicherheit zu bringen.“ Zu den Beschwerden wegen Lärmbelästigung, die aus dem ca. 30 Kilometer entfernten Koblenz kamen, sagte Marek Lieberberg: „Das war völliger Unsinn, zumal aus Mendig keine einzige Beschwerde vorlag, dagegen in Koblenz zur gleichen Zeit ein Techno-Festival stattfand.“ Abschließend sagte der erfolgreiche Festivalveranstalter: Wir haben die feste Absicht, weiter in Mendig zu arbeiten - alles ist auf Mendig 2016 ausgerichtet!“

André Lieberberg fasste zusammen: „Schon gestern (Samstag) war klar, wie gut alles funktioniert hat und wie gut alles angenommen wurde, sowohl bei den Fans, als auch bei den Musik-Gruppen. Obwohl es bereits im ersten Jahr gut läuft, haben wir das Ziel, es noch besser zu machen.

Auf die Frage eines Pressevertreters, wie die sozialen Netzwerke zur Verbesserung beitragen könnten, antwortete Marek Lieberberg: „Alle Anfragen wurden registriert und ernst genommen.“ André Lieberberg fügte hinzu: „Zwei Personen sind kontinuierlich mit sozialen Medien beschäftigt, man muss Beschwerden ernst nehmen, aber man muss lernen herauszufinden, ob es sich um wirkliche Probleme handelt, oder um Menschen, die sich einfach mal beschweren wollen. Außerdem darf man sich die Kritik nicht allzu sehr zu Herzen nehmen.“

Zur Frage nach Problemen mit dem Handy-Empfang sagte Marten Pauls, man habe neun zusätzliche Mobilfunkmasten angebracht, wobei die Netzbetreiber darüber zu entscheiden hatten, inwieweit sie diese ausstatteten. Marek Lieberberg ergänzte: „Wir hatten keine Probleme mit dem Empfang, wir hätten es gehört, wenn es Probleme gegeben hätte. Dennoch werden wir dem nachgehen.“

Rock am Ring in Mendig 2016

Auf die Frage, ob das Festival im kommenden Jahr wieder in Mendig stattfinde und ob dann die 100.000 Besucherzahl geknackt werde, antwortete Marek Lieberberg: „Es gibt eine vertragliche Absprache mit dem Pächter für fünf Jahre plus. Unsere enormen Investitionen würden sich für ein Jahr nicht rechnen. Fest steht: Wir wollen hier bleiben, wir werden hier bleiben und wir müssen hier bleiben, denn wir sind glücklich, in Mendig eine neue Heimat gefunden zu haben. Es gibt derzeit keine Begehrlichkeiten, die Kapazitäten zu erhöhen. Wenn der Vorverkauf sich gut entwickelt, kann man das überlegen, aber geplant ist dies zurzeit nicht. Es geht uns nicht um höhere Zahlen, sondern um die Verbesserung der Qualität. Außerdem konnten wir im ersten Jahr auf Anhieb die Zuneigung des Publikums gewinnen und das ist für uns wichtig!“

Zur Frage nach den Headlinern in diesem Jahr und der Planung für 2016 fasste André Lieberberg zusammen: „Bands wie die Toten Hosen und die Foo Fighters zu verpflichten, war einfach super und die Verpflichtung von Slipknot und The Prodigy war das Resultat eines langen Austausches, da wir in Konkurrenz standen und die Gagen erhöhen mussten. Jedoch jetzt schon zu sagen, was wir für 2016 als Paket schnüren, wäre verfrüht.“

Abschließend antwortete Marek Lieberberg auf die Frage zur Wirtschaftlichkeit: „Ich glaube nicht an einen Triumph der Zahlen. Wir wussten, dass die Initialkosten enorm sein würden: So stehen dem Aufwand von 18,5 Millionen Euro die Einnahmen von ca. 18 bis 19 Millionen Euro gegenüber. Allein die Sanitärausgaben betrugen zwischen 1,2 und 1,3 Millionen Euro (Das Abwasser wird mit 400 LKW nach Koblenz gebracht). Wir hoffen, dass wir im nächsten Jahr vieles besser machen können, aber auch das wird wieder Geld kosten und wir liegen mit unseren Eintrittspreisen weit unter denen anderer Festivals.“

(v.l.n.r.) André Lieberberg, Stadtbürgermeister Hans-Peter Ammel, VG-Bürgermeister Jörg Lempertz, Polizeidirektor Gerd Bertram, Marek Lieberberg, SWR-Programmchef Thomas Jung und Marten Pauls. Foto: FRE

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