Politik | 27.05.2014

Europawahl im Kreis Ahrweiler

Bundestrend spiegelt sich hier wider

CDU stärkste Kraft - FDP erlebt Absturz - ordentliche Wahlbeteiligung von 55 Prozent

Bundestrend spiegelt sich hier wider

Kreis AW. Der Kreis Ahrweiler hat gewählt - und lässt Raum für so manche politische Überraschung: Die CDU mit Verlusten, trotzdem noch souverän stärkste Kraft, die SPD mit Zugewinnen, der erneute Absturz der FDP und schließlich der Achtungserfolg der europakritischen AfD. Der Landes- und Bundestrend spiegelt sich auch in den Ergebnissen zur Europa-Wahl im Kreis Ahrweiler wider. Blick Aktuell fasst alle wichtigen Zahlen zusammen.

Wahlbeteiligung höher als 2009

Um Punkt 18 Uhr schlossen am Sonntag die Wahllokale im Kreis. Viele Bürger hatten bei Kommunal- und Europawahl per Briefwahl ihre Stimme abgegeben. Mit einer Wahlbeteiligung von 57.4 Prozent übertrifft der Kreis Ahrweiler den Wert der letzten Europawahl 2009 um drei Prozentpunkte. Knapp über 100.000 Bürgerinnen und Bürger waren aufgerufen, ihre Stimme abzugeben. Bis 18 Uhr gingen auch viele Erstwähler an die Urne. Wahrscheinlich ist, dass die gleichzeitig stattfindende Kommunalwahl viele Bürger dazu animierte, auch bei der Wahl des Europäischen Parlaments von ihrem Stimmrecht Gebrauch zu machen.

CDU mit Verlusten, Zugewinne im Adenauer Land

Sie ist die alte und neue stärkste Kraft bei den Europa-Wahlen: Mit 45,5 Prozent für die CDU geben die Wähler im Kreis ein klares Votum für eine konservative Linie auf EU-Ebene ab. Durch die Bank erzielt die CDU mit Spitzenkandidat Werner Langen aus Oberfell an der Mosel Ergebnisse um die 40 Prozent. Aus der Reihe tanzen die Städte der Rheinschiene sowie das Adenauer Land: Während die CDU in Sinzig und Remagen die 40-Prozent-Marke knapp verfehlt, verbucht sie in Adenau und Altenahr Ergebnisse gar über 50 Prozent. Die meiste Rückendeckung der Wähler erhielt die CDU in Adenau - starke 55,4 Prozent. Hier werden offenkundig die Diskussionen um den Nürburgring ausschlaggebend für das schlechte Abschneiden der SPD gewesen sein. Die Sozialdemokraten mussten stark Federn lassen: In Adenau gaben nur 17,5 Prozent der Wahlberechtigten der SPD ihre Stimme, in Altenahr waren es 18,9 Prozent.

FDP droht auch im Kreis die Bedeutungslosigkeit

Auch im Kreis hat die FDP mit Problemen zu kämpfen: Immerhin 4,7 Prozent der Wähler im Kreis Ahrweiler votierten für die FDP. Im Vergleich zum Bundestrend sind das rund zwei Prozent mehr. Gegenüber den Ergebnissen der letzten EU-Wahl krachten die Liberalen um satte 8,1 Prozent nach unten. Damals erreichten die Liberalen noch beachtliche 12 Prozent. Während sich die Partei im Schnitt bei rund vier bis fünf Prozent einpendelt, erreicht sie in der Verbandsgemeinde Brohltal mit nur 3,6 Prozent das schlechteste Ergebnis im Landkreis.

SPD mit einem satten Plus

Entsprechend dem Bundestrend konnte die SPD auch im Landkreis Ahrweiler zulegen: 24,3 Prozent der Stimmen entsprechen einem Plus von 7,1 Prozent im Vergleich zur EU-Wahl vor fünf Jahren. Die Sozialdemokraten mit EU-Spitzenkandidat Martin Schulz aus Aachen erreichten in Remagen ihr bestes Ergebnis im Kreis - 28,6 Prozent der Wähler gaben der SPD hier ihre Stimme. Nachwirkungen der Debatte um den Nürburgring lassen sich aus dem Ergebnis der Sozialdemokraten im Adenauer Land interpretieren. Hier erreichte die SPD gerade einmal 17,5 Prozent, dafür legte die CDU zu. Auch in der Verbandsgemeinde Altenahr traf die SPD auf weniger Sympathien als im Vergleich zu anderen Orten im Kreis - 18,6 Prozent der Wähler machten hier ihr Kreuzchen bei rot.

Grüne bei knapp acht Prozent, Linke bei drei

Die Grünen liegen im Kreis AW bei knapp acht Prozent, ein verkraftbares Minus von einem Prozentpunkt im Vergleich zur EU-Wahl 2009. Hervorstechend: In Remagen stehen die Grünen bei 11,1 Prozent; in Sinzig sind es 10,6. Die Linken knacken im Kreis derweil die ehemalige Drei-Prozent-Hürde. Ihr bestes Ergebnis erzielte die Linke in Bad Breisig, wo 4,1 Prozent der Wahlberechtigten links wählten. Die Piraten - bei der EU-Wahl 2009 noch 0,7 Prozent - verbessern sich um 0,5 Prozentpunkte auf 1,2 Prozent. Unter den kleinen Parteien sticht die Tierschutzpartei heraus: Mit 1,4 Prozent der Stimmen übertrifft sie gar das Ergebnis der Piraten. Letztere drohen auch im Kreis Ahrweiler zunehmend in der Bedeutungslosigkeit zu versinken.

AfD aus dem Stand bei 7,2 Prozent

Für einen Paukenschlag bei der Europa-Wahl im Kreis Ahrweiler sorgte die euroskeptische Alternative für Deutschland (AfD). Aus dem Stand erreichte die Partei 7,2 Prozent der Stimmen. In der Kreisstadt Bad Neuenahr-Ahrweiler sowie in der Grafschaft knackte die AfD die Acht-Prozent-Marke (jeweils 8,3 Prozent), ein starkes Ergebnis mit 7,7 Prozent erreichte die Alternative für Deutschland auch in Bad Breisig. Im Brohltal und in Remagen liegt sie bei 6,6 Prozent und das schlechteste Ergebnis kommt aus der Verbandsgemeinde Altenahr - hier votierten nur 5,8 Prozent für die euroskeptische Haltung der AfD mit Spitzenkandidat Bernd Lucke. Die Ergebnisse der AfD spiegeln den Trend auf Landes- und EU-Ebene wider.

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