Vierte Folge der „Bad Breisiger Abendmusik“ in der Marienkirche
Chorgesang und virtuose Orgelklänge
Bad Breisig. Die vierte Folge der „Bad Breisiger Abendmusik“ in der Marienkirche hatte wieder ihren eigenen Charakter: Diesmal war es ein hochkarätiger Leistungsnachweis des Vokalensembles „Schola Gregoriana“, eines überregionalen Chors von 20 hoch ambitionierten, durch die Gesangspädagogin Andrea Ernst (Sinzig) bestens geschulten Sängerinnen. Geleitet wurde das Konzert unterschiedlicher geistlicher Chorliteratur von Dekanatskantor Sven Scheuren und seiner Ehefrau Carmen Scheuren, die zusammen mit der Gemeindereferentin Christel Fassian-Müller für Programm und Organisation verantwortlich war. Die Gemeindereferentin füllte die Pausen zwischen den musikalischen Beiträgen durch besinnliche Lesungen unter dem Motto „Maria, Hilfe der Christen“ aus. Immerhin war es im Rosenkranzmonat und zudem in einer der Gottesmutter geweihten Kirche.
Diesem Umstand trugen auch viele der ausgewählten Musikbeiträge Rechnung. So begann das Konzert mit dem Gregorianischen Choral „Ave Maria“. Diese Art der mit elementaren Mitteln zur musikalischen Kunst erhobenen liturgischen Gesänge geht auf Papst Gregor und das Konzil von Trient im 16. Jahrhundert zurück. Dass die ursprünglich den Mönchen vorbehaltenen Choräle auch aus weiblichen Kehlen bezaubernd klingen, bewies die „Schola Gregoriana“ ein ums andere Mal. Die Singgemeinschaft beherrscht aber auch polyphones, sogar modernes Liedgut. Ihre Darbietungen waren ein Streifzug durch die Jahrhunderte geistlicher Musik.
Gregorianische Monotonie klingt bei dem Chor ebenso authentisch wie das polyphone Spiritual „The Gift of Love“ von Hal Hopson oder die aus Felix Mendelssohn-Bartholdys Oratorien entliehenen Chöre „Veni Domine“, „Hebe deine Augen auf“ und „Denn in deiner Hand“.
Zurück zur Gregorianik: „Ave Maria Stella“ und das, was später Josef Rheinberger daraus machte - einen wohlklingenden, polyphonen Choral. Die als Begleiterin auf der Bratsche glänzende Musikerin Brigitte Bauer kam bei dem englisch gesungenen Chor „Sing unto God“ von Georg Friedrich Händel besonders zur Geltung, ganz besonders aber bei ihrem solistischen Einsatz mit einer „Allemande“ von Johann Sebastian Bach. Dazwischen brillierte Sopranistin Andrea Ernst mit „Salve Regina“, einer „Hymne an die heilige Jungfrau“ von Otto Nicolai.
Bei aller Großartigkeit von Chor- und Solobeiträgen: Der unbestrittene Höhepunkt der Abendmusik blieb wieder dem Virtuosen auf der so wunderbaren neuen Barockorgel vorbehalten: Sven Scheuren mit seiner zwanzigminütigen „Fantasie über das Lied Rosenkranzkönigin“. Was dieser Ausnahmekünstler an Melodie-Variationen, chromatischen Läufen, an Modulationen und ständig wechselnder Agogik den Registern der West-Orgel auch diesmal wieder entlockte - man kann sich daran kaum satt hören. In einem aus verschiedenen Stilen kreierten Choralblock mit Madrigal, Gregorianik, Spiritual und dem gesungenen Gebet „Ich geb mein Leben“ von Gregor Breier ging das Programm weiter und endete schließlich in dem prächtigen „Salve Regina“ von Karl Josef Müller. Gemeinsam sang die Gemeinde zum Finale das Gebet zur Patin des Gotteshauses: „Rosenkranzkönigin, Jungfrau der Gnade“. Die nächste „Bad Breisiger Abendmusik“ findet am 27. November statt. Das Publikum darf sich freuen auf „Orgel-Meditationen“ mit Kirchenmusikreferent Jörg Stephan Vogel, Essen, und auf die grandiose Barockorgel in der Kirche St. Maria Himmelfahrt. Sie kommt auch wieder zur Geltung bei der neu angesetzten Abendmusik mit dem Orgel-Virtuosen Sven Scheuren aus Anlass des Weihnachtsmarktes am 8. Dezember.
Sopranistin Andrea Ernst sang eine Hymne an die Gottesmutter von Otto Nicolai.
