Dr. Mathias Jung faszinierte ein weiteres Mal seine Zuhörer
Das Geheimnis der Partnerwahl gelüftet
Bad Breisig. Der Psychotherapeut Dr. Mathias Jung aus Lahnstein, Autor zahlreicher Bücher über die Psyche des Menschen, ist in Bad Breisig kein Unbekannter mehr. In einer Reihe von Vortragsveranstaltungen - immer organisiert vom Bad Breisiger „Forum Kultur“ - hat er sich einen Kreis von höchst interessierten Zuhörern gesichert. Seine faszinierende Rhetorik, verbunden mit tief schürfendem Wissen, konnte er wieder einmal in der bis auf den letzten Platz - überwiegend von weiblichen Zuhörerinnen - besetzten evangelischen Christuskirche in der Quellenstadt darbieten. Für das „Forum Kultur“ begrüßte Bernd Lang den Referenten. Das Thema von Dr. Jung war diesmal: „Das Geheimnis der Partnerwahl“. Wer angesichts dieses Themas erwartet hatte, Rezepte für das Auswählen eines passenden Partners zu finden, wurde am Ende enttäuscht. Dr. Jung widmete sich zunächst - allerdings in gewohnt unterhaltender, oft ironischer, auch lustiger Form - tiefenpsychologischer Fragen wie: Was überhaupt ist Liebe unter Menschen? Wie kommt es zur gegenseitigen Liebe? Muss man Liebe lernen?
Warum heiratet wer wen?
Eine interessante Analyse, für die der Referent auch Vordenker wie den spanischen Kulturphilosophen Ortega Y Gasset mit dessen Thesen einband. Faszinierend, von einem Psychologen zu hören, was man im Grunde schon zu Wissen weiß: Wie sich die Psyche von Mann und Frau unterscheidet z.B. was die Liebe und ihre Folgen angeht. Und was eine Heirat bedeutet. Dr. Jung: „Immer wenn wir heiraten, übernehmen wir ein versiegeltes Schreiben, dessen Inhalt wir erst erfahren, wenn wir auf hoher See sind!“ Ein ausgiebig belachte, dennoch ernüchternde Erkenntnis. Sie führt zu der Frage: Warum heiratet wer wen? Wegen geographischer Nähe? Wegen gleichen Bildungsgrades? Aus praktischen Gründen? Früher einmal heiratete der Mann „von oben nach unten“, die Frau „von unten nach oben“. Wie vieles, so hat sich auch das gewandelt: Heute heiratet man bevorzugt „auf gleicher Augenhöhe“.
Fallbeispiele erörtert
Es war Zeit für eine Fülle von Fallbeispielen: unterschiedliche Entwicklungen bei Paaren total verschiedener Vita. Was passiert, wenn er vital und sportlich, sie uninteressiert und nur Mutterfreuden aufgeschlossen ist? Solche und eine Menge ähnlicher Beispiele lotet der Referent tiefenpsychologisch aus. Gibt es die „Blitzschlag-Liebe“ - und wo führt sie hin? Wie ist es begreiflich, dass ein fest seiner Frau verbundener Mann plötzlich einer Frau verfällt, die ihm gerade über den Weg gelaufen ist - oder umgekehrt? Was lieben wir an dem Partner? „Im Grunde genommen projizieren wir unsere Vorstellungen auf ihn, wir „stülpen ihm unsere Erwartungen über den Kopf“.“ Dabei spielen Selbstgefälligkeit ebenso eine Rolle wie Minderwertigkeitskomplexe - alles gibt es, sowohl bei dem einen als auch bei dem anderen Geschlecht. Und beides gibt Probleme in der Beziehung.
Alltags-Entwicklungen sind sehr verschieden und bieten Stoff für viele unterschiedliche Beispiele, die von Dr. Jung in einer Art Psychoanalyse „durchforstet“ werden. Er schildert die Dinge aus wissenschaftlicher Erfahrung. Höchst interessant. In vielen Beispielen findet man sich selbst wieder. Oder: Man kennt so einen Fall im Verwandten- und Freundeskreis. Aber lernt man daraus? Zunächst nimmt man die Verwicklungen zur Kenntnis, ist amüsiert, vielleicht auch nachdenklich. Aber daraus den Schluss ziehen, nach welchen Prinzipien man einen passenderen Partner für die eigene spezielle Situation erwählen soll - da hilft die Bestandsaufnahme recht wenig. Aber: Der Vortragskunst von Dr. Jung zuhören zu dürfen, ist schon ein sprach-ästhetischer Genuss.
Dr. Mathias Jung bei seinem Vortrag.
Vor vollen Zuhörerrängen referierte Dr. Mathias Jung über Geheimnisse der Partnerwahl.Fotos: FA
