Politik | 17.04.2013, 08:43 Uhr

Jagdgenossenschaften sollten sich Gedanken zur Jagdverpachtung machen

Die hohen Schalenwildbestände und die Folgen für den Wald

Eine natürliche Waldentwicklung, mit einer hohen Artenvielfalt, wird nicht zuletzt durch unnatürlich hohe Schalenwildbestände unmöglich gemacht.

Gemeinderäte und Jagdgenossenschaften sollten sich zukünftig Gedanken zur Jagdverpachtung machen. Die Jagd liefert nicht nur ein hochwertiges Lebensmittel, sondern ist eine Dienstleistung für

Landwirte, Waldbesitzer, dem Natur und Umweltschutz und nicht zuletzt für Wildtiere. Die Jagdausübung ist eine wichtige Aufgabe unserer Gesellschaft, die im Sinne der Allgemeinheit zu erfüllen ist. Wie die Jagd ausgeübt werden soll, regelt das Landesjagdgesetz. Dort heißt es zum

Beispiel in §3: ,,Beeinträchtigungen einer ordnungsgemäßen land-, forst- und fischereiwirtschaftlichen Nutzung, insbesondere Wildschäden, sollen vermieden werden.“

Die Wirklichkeit sieht allerdings ganz anders aus. Schäden in Land- und Forstwirtschaft sind fürs Auge unübersehbar und fürs Portemonnaie unüberschaubar geworden. Ersetzt werden Schäden nur dann, wenn sie auch erkannt und angemeldet werden.

Außerdem müssen sie schadensersatzpflichtig im Sinne des Gesetzes sein. Oft ist der Jagdpächter zur Übernahme der Wildschäden verpflichtet. Wenn nicht müssen die Jagdgenossen für alle anfallenden und ersatzpflichtigen Schäden aufkommen.

Dies gilt für Land- und Forstwirtschaft gleichermaßen. Probleme ergeben sich auch im Natur und Umweltschutz. ln Zeiten in denen Schlagworte wie Klimaerwärmung, Hochwasserkatastrophen oder CO2-Ausstoß diskutiert werden ist ein gesundes Ökosystem Wald sehr wichtig.

Eine natürliche Waldentwicklung, mit einer hohen Artenvielfalt, wird nicht zuletzt durch unnatürlich hohe Schalenwildbestände unmöglich gemacht. Leidtragende eines zu hohen Wildbestandes sind auch die Tiere.

Sie leiden Hunger und können schwere, ansteckende Krankheiten bekommen. Diese können sich bei einer hohen Wilddichte schnell verbreiten, wie zum Beispiel Schweinepest oder Tuberkulose. Diskussionen über Wildtierfütterungen sind müßig.

Die Population ist für den vorhandenen, stark zersiedelten und sehr beunruhigten Lebensraum einfach viel zu hoch. Und das nicht erst seit gestern. Zukünftig müssen sich Jagdrechtsinhaber (Verpächter) von dem Gedanken trennen, dass die Jagdpacht eine lukrative Einnahmequelle ist. Regelungen in Jagdpachtverträgen mit Preisdeckelung von Wildschäden können einem Verpächter sehr teuer zu stehen kommen. Dauerhaft können die Wildschäden durch hohe Jagdpachteinnahmen nicht ausgeglichen werden. Jagdgenossen und Gemeinderäte sollten sich im Klaren sein, dass sich ein bestehender Trend, dass Jagdreviere schwieriger zu verpachten sind, oder sogar unverpachtet bleiben, fortsetzen kann.

Es besteht dringender Handlungsbedarf für einen Neuanfang, damit nachfolgende Generationen nicht vor einem ökologischen Scherbenhaufen stehen, der auch noch den finanziellen Ruin bedeutet. Politische Entscheidungsträger und Grundeigentümer sollten sich gut informieren und einmal über den Tellerrand hinausschauen. Es gibt einige positive Beispiele mit richtungsweisenden Konzepten wo Grundeigentümer und Jäger erfolgreich zusammenarbeiten.

Nico Lares

Müllenbach

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