Allgemeine Berichte | 19.12.2012

Farbe, Rausch und kreativer Strom

Vier Künstler bespielten mit „Rotwein Weinrot“ den Jugend- und Kulturbahnhof

Vier Künstler, ein Thema:Der Lebenssaft Wein verbindet die Arbeiten von Wolfgang Kutzner (v. l.), Tim Hippmann, Anne Stilper und Rainer Hess. HG

Bad Breisig. Ein Titel wie eine Verheißung: „Rotwein Weinrot“ war die Ausstellung überschrieben, die Anne Stilper, Rainer Hess, Tim Hippmann und Wolfgang Kutzner im Jugend- und Kulturbahnhof zeigten. Zweimal liefen unter diesem Motto, das als Vorstellung ins Blut geht und zu Kopfe steigt, bereits Präsentationen an der Ahr, bevor die Künstler es nun erneut zur Marke ihrer rund 120 neuen Arbeiten am Rhein machten. Die Farbe, der Rausch, Kunst als kreativer Strom, der die Sinne wach ruft und Gedanken freisetzt - all das wurde spürbar in der vielfältig ausgeloteten Bilderschau. Dazu passte, dass Doris Eckert bei der Vernissage am Monochord, einer indischen Harfe, für meditativen Klang sorgte. Rot sehen -- das fällt dem Mayschosser Künstler und Weinbauer Hess leicht. Impressionen am Rebhang einsaugend, den Stimmungen in der Natur und dem Widerhall im Seelengrund nachspürend, verwandelt er alles in Farbe und Strukturen und vermalt sogar echten Wein. Wichtiger aber ist bei seinen von Rot dominierten Arbeiten die Bewegung. Sie bringt zwischen fest und flüssig, konzentriert und raumgreifend, innere und äußere Welten zusammen. Da stocken imaginäre Topografien zu rot-weiß-schwarzen „Weinlandschaften“, benebelt ungarischer „Cimbora“ einen rosa Dunstraum und löst „Seoul II“ auf großer Leinwand ein unaufhörliches Rinnen aus. Letzteres lässt sich unschwer assoziieren mit dem Fluss des Lebens. Tränen und Glücksgeriesel bahnen sich über Konflikt-Sedimente, über verhärtete Zonen und verblichene Gefühls-Areale ihren Weg, beschreiben die biografische Leinwand ständig neu. Ihre besondere Wirkung verdanken die Arbeiten von Hess nicht zuletzt seiner speziellen fortwährend ausdifferenzierten Mischtechnik. Kutzner aus Staffel im Kesselinger Tal befeuerte die Ausstellung mit glutvoller Farbfeldmalerei, etwa dem spannenden Hochformat „Barrique“ und Kompositionen, deren faszinierende Rot-Grün-Farbskala er von der pompejanischem Mysterienvilla abgeleitet hat. Seit Jahren beschäftigt ihn die antike Wandmalerei, die er auf ganz eigene Art immer wieder in Szene setzt. Wie dies neben großformatigen Wandgestaltungen und auftrumpfend farbigen Gestaltungen auch verhalten und ungemein sensibel gelingen kann, zeigt das kleine in Acryl auf Holz gemalte Bild „Vino 2011“. Zwischen hell-dunklem Grau-Gesprenkel mit lila Tupfen, ein Farbfond, aus dem eisblumenartige Dekore erwachsen, sind halb versteckte Eroten auszumachen, die sich, scheinbar losgelöst von Zeit und Raum, dort tummeln. Erstmals befruchten zwei getrennte Werkgruppen einander: Figuren dringen ins geometrische Gefüge der Farbflächenbilder ein. In der „Bacchantischen Szene“, einer wie mit flüssig Blut gemalten Papierarbeit, geben sich die Protagonisten lustvoll dem Trunke und der Lebensgier hin. Rot-schwarz getuschte Zeichnungen komprimieren dagegen den Überschwang auf wenige gleichwohl poetisch grundierte Linien. Anne Stilper und Tim Hippmann bedienen innerhalb des Weinthemas nostalgische Sehnsucht. Die Werke entstehen in einem selbstentwickelten Druckverfahren auf beschichteten Holzblöcken. Für die originellen künstlerischen Bild- und Schriftmontagen greift das Design- und Künstlerduo mit seiner Agentur DAC -- Design am Chiemsee ins große Motivreservoir alter Postkarten und gemeinfreien Bildmaterials. Nicht allein gekonnte Farbregie und geschickt komponierte Text- und Bildelemente überzeugen. Es sind vor allem jene der Versatzstücke-Kombination entspringenden Botschaften, welche frappieren und erheitern. Etwa, wenn zum lateinischen Spruch „Aquam foras, vinum intro!“ (Wasser raus, Wein rein) ein moppeligerBacchusknabe von Renaissancemaler Guido Reni in schöner Gleichzeitigkeit selbstvergessen trinkt und pieselt. Andere Liebhaber des vergorenen Regensaftes erwärmten sich für Traubendrucke in unterschiedlichen Farbfassungen, amüsierten sich über den „Flaschenöffner“, ein Mann, welcher verdrießlich bemüht ist, seinen Finger aus dem Flaschenhals zu drehen oder dekorativ gesetzte Sinnsprüche. An denen war kein Mangel. Zu lesen war etwa „Am Rausch ist nicht der Wein schuld, sondern der Trinker“ sowie /“///Rotwein//ist für alte //Knaben//eine von den besten Gaben“. Beherzigenswert, weil aktuell wie eh und je ist ohne Frage auch Goethes Einsicht „Das Leben ist zu kurz um schlechten Wein zu trinken“. HG

Das Haus des Winzers“ von Wolfgang Kutzner lebt von der Vielfalt malerischer Akzente.

Das Haus des Winzers“ von Wolfgang Kutzner lebt von der Vielfalt malerischer Akzente.

Farbe, Rausch und kreativer Strom

Farbe, Rausch und kreativer Strom

Farbe, Rausch und kreativer Strom

Vier Künstler, ein Thema:Der Lebenssaft Wein verbindet die Arbeiten von Wolfgang Kutzner (v. l.), Tim Hippmann, Anne Stilper und Rainer Hess. Fotos: HG

BLICK aktuell bei Google bevorzugen
Erhalte mehr Inhalte von uns in deinen Google-Suchergebnissen.
Täglich exklusive Inhalte
Täglich exklusive Inhalte

Das digitale Magazin für Rhein, Ahr und Eifel — jeden Tag eine neue Ausgabe, optimiert fürs Smartphone.

  • 30 Tage gratis
  • Neue Ausgabe jeden Tag
  • Für unterwegs gemacht
Heutige Ausgabe lesen
Blick aktuell
Regio MAGAZIN

Dauerauftrag 2026
Mülltonnen -Reinigung, bis auf Widerruf
2+1 Aktion
150 Jahre Zeitungstradition
150 Jahre Zeitungstradition
150 Jahre Zeitungsgeschichte
Empfohlene Artikel
4

Mehr und mehr pendelt das Leben zwischen angeschaltet und abgeschaltet, online und offline hin und her. Das Smartphone ist immer griffbereit, der nächste Klick nur einen Augenblick entfernt. Doch wer scheinbar ständig verbunden ist, gerät leicht in Gefahr, das Naheliegende zu übersehen: die reale Begegnung, den Menschen nebenan in der Familie, in der Bahn, auf der Straße.

Weiterlesen

4

Dedenbach. Die Gymnastik-Riege Dedenbach lädt am 30.07.2026 von 10:30 – 13:30 Uhr alle Mitglieder und Interessierte zu einem Koch-Workshop in der Eifelgoldhalle ein. Im Mittelpunkt steht die pflanzenbasierte Ernährung mit Gemüse, Obst, Hülsenfrüchten, Nüssen, Saaten, Getreide und Pflanzenölen, um die es in dem Impulsvortrag geht. Der Referentin Gitte Daube, Gesundheitsberaterin (IHK) ist es eine Herzensangelegenheit...

Weiterlesen

Weitere Artikel
Ein weiterer wunderschöner Sommerabend am Vallendarer Rheinufer.
2233

Sundowner am Rheinufer

Volles Rheinufer und beste Stimmung

Vallendar. Aufgrund der hochsommerlichen Temperaturen ließen es viele Gäste etwas entspannter angehen, doch mit den angenehmeren Abendstunden füllte sich das Rheinufer am 9. Juli zusehends, und bald entstand wieder die besondere Atmosphäre, die den Sundowner der Bemoosten ausmacht.

Von Große Karnevalsgesellschaft Die Bemoosten aus Vallendar

Weiterlesen