Virtuose Orgelklänge in St. Maria Himmelfahrt
Johann Sebastian Bach meisterlich interpretiert
Bad Breisig. Im Rahmen der „Internationalen Orgelfestwochen“ konnte die Pfarrkirche St. Maria Himmelfahrt in diesem Jahr einen besonderen Beitrag leisten. Zu ihrer ohnehin turnusmäßig anstehenden monatlichen „Abendmusik“ hatte sie mit Dan Zerfaß, dem Domkantor von St. Peter in Worms, den aus einer Reihe von Konzert-Sendungen in Rundfunk und Fernsehen bekannten virtuosen Könner an der „Königin der Instrumente“ verpflichtet. Bad Breisig konnte den Organisten mit seinen ungewöhnlichen Fähigkeiten an der neuen Barock-Orgel von St. Marien zum zweiten Mal erleben. Zerfaß war schon zur Orgel-Einweihung vor zwei Jahren ein gefeierter Gast - damals mit Werken der norddeutschen Orgelkunst. Das Konzert zeigte auf, wie sich der Geist Johann Sebastian Bachs durch die gesamte Ära der mitteldeutschen Orgeltradition zog, die sich zu ihrer Zeit erstaunlich von der norddeutschen abhob. Schon in „Praeludium & Canzona in d“ des wenig bekannten Johann Heinrich Buttstett kommt das im Barock als hohen Kunst der Fuge verwobene Melodien-Konstrukt zum Tragen - stets eine Herausforderung für den Interpreten. Von Friedrich Wilhelm Zachow, einem Vorgänger des großen Johann Sebastian in Leipzig, stammt ein durchaus fröhlich klingendes „Orgel - Praeludium in C-Dur“, dessen Melodie-Läufe bereits die von Bach später zur Meisterschaft entwickelte Kunst des Kontrapunkts erahnen lassen. Der Meister selbst zeigt im nächsten Werk ein Highlight dieser Kunst: In der Sonate G-Dur (BWV 1039/1027). Für den Interpreten ein anspruchsvoller Tanz auf den Manualen, besonders aber auf dem Pedal. Danach: Eine kleine Welt für sich - die „3 Choralvorspiele“ von Johann Gottfried Walther, der einst nach Bach in Weimar landete. Das erste Vorspiel schwermütig, mit tiefen Bass-Passagen, das zweite optimistisch, sich nur über die hohen Register verwirklichend, das dritte bezieht seine Melodie hauptsächlich über die Bässe. Insgesamt eine interpretatorische Herausforderung für Dan Zerfaß, den Virtuosen af Manualen und Pedal. Seine Kunst findet ihre Vollendung in typisch Bach’schen Komposition „Präludium und Fuge a-moll“ (BVW 543), eine berauschende, meisterhafte Orgel-Komposition aus der Weimarer Zeit. Für den Interpreten ein Bravourstück, gekrönt durch die atemberaubenden Melodie-Läufe auf dem Pedalwerk. Man kannte es ja schon, aber es ist immer wieder ein neues musikalisches Erlebnis, diese meisterhafte Kunst des Orgelspiels von Dan Zerfaß. Die Brücke zwischen den einzelnen Musikstücken schlug wieder die Organisatorin Pfarreien - Referentin Christel Fassian-Müller, diesmal mit lyrisch gesponnen, durchaus nachdenkenswerten Versen sakraler Natur. Sie dichtet: „Manchmal ist das Leben schön“ und dankt Gott dafür. Sie formuliert eine Hommage an Bach: „Du Tastenvirtuose bist göttliches Geschenk für uns !“ Sie stellt fest: „Weil das Schweigen besser ist, wenn Töne uns mehr sagen können.“ Schließlich bringt sie mit dem Gedicht „Tanz der Tasten“ eine Einführung in das musikalische Hauptwerk des Abends: Bachs Präludium und Fuge a - moll. Christel Fassian-Müllers Lyrik, ihr gekonnter Umgang mit der deutschen Sprache, ist immer wieder eine Bereicherung der „Breisiger Abendmusiken“. Die nächste Ausgabe gibt es am 30. Juli, 19.30 Uhr mit dem einheimischen Künstler Dr. Dirk Pollerberg. Er lädt ein zu „Orgelmeditationen“.
