Integrierte ländliche Entwicklung der Verbandsgemeinden Brohltal und Vordereifel
Kooperation wird fortgesetzt
Regionalforum mit den Schwerpunkten Vorstellung des Klimaschutzkonzepts und Umgang mit dem Demografischen Wandel fand in Weibern statt
Weibern. Nach knapp zwei Jahren Regionalmanagement (RM) Brohltal / Vordereifel wurden in Weibern Akteuren, Kommunen, Verwaltung und dem interessierten Publikum wichtige Ergebnisse und Sachstände der laufenden Projekte vorgestellt. Schwerpunkte des Abends waren die Vorstellung des kürzlich fertiggestellten Klimaschutzkonzepts sowie Ergebnisse, Erkenntnisse und Handlungsempfehlungen zum Umgang mit dem demografischen Wandel.
In seiner Begrüßung blickte Bürgermeister Johannes Bell auf zwei gute Jahre der Zusammenarbeit zwischen VG Brohltal und VG Vordereifel zurück - das Regionalmanagement startete im April 2012 als Umsetzungsphase der im ILEK (Integriertes Ländliches Entwicklungskonzept) formulierten Ziele und Projektvorschläge (www.ilek-brohltal-vordereifel.de). Eine kreisübergreifende Zusammenarbeit habe es vorher kaum gegeben. Ähnliche Strukturen und Gemeinsamkeiten der beiden VGn hätten jetzt aber gezeigt, dass sich eine Zusammenarbeit lohnt, man von aneinander profitiert und entwickelte Projektansätze gleichermaßen nutzen kann. Nach zwei Jahren konstruktiver Zusammenarbeit im Regionalmanagement richtet BM Bell seinen Dank auch an alle Mitwirkenden, hier insbesondere die Mitglieder des RM-Vorstands sowie die beteiligten Mitarbeiter beider Verwaltungen. Während das Regionalmanagement im Mai 2014 auslaufen wird, wollen die beiden Verbandsgemeinden ihre Zusammenarbeit fortsetzen und weiterhin auch bevorzugte Förderregion bleiben. Daher will man bereits jetzt sein Interesse zur Anerkennung als LEADER-Region 2014-2020 bekunden und führt parallel Gespräche zur Kooperation mit weiteren Nachbar-Kommunen. Die konkrete Bewerbung soll mit den neuen VG-Räten nach der Sommerpause entschieden werden.
Marion Gutberlet vom begleitenden Planungsbüro Grontmij gab einen Sachstandsbericht zu den im letzten Jahr schwerpunktmäßig bearbeiteten Projekten und geplanten weiteren Schritten:
Im Projekt „Landwirtschaft und Ernährung für Schüler“ starteten in 2013 die von den Landfrauen der beiden Landkreise entwickelten Kursmodule zum Thema gesunde Ernährung zunächst erfolgreich an verschiedenen betreuenden Grundschulen im Brohltal. Ein Ausbau im Bereich der VG Vordereifel wird angestrebt.
Im Projekt „Kooperation Wirtschaft/Schulen/Jugendliche“ lag in 2013 der Fokus auf der eigens entwickelten Info-Kampagne „Ausbildung im Fokus“, die wöchentlich in beiden Mitteilungsblättern sowie unter www.ilek-brohltal-vordereifel.de erschien und einen regionalen Ausbildungsbetrieb mit einem Auszubildenden vorstellt. Aktuell ist eine weitere Informationsreihe zum Thema „Karrierechancen mit Dualer Ausbildung“ in enger Kooperation mit der HWK Koblenz in Vorbereitung, die für attraktive berufliche Werdegänge auch ohne Abitur Interesse wecken will. So soll Jugendlichen eine berufliche Perspektive vor Ort geboten werden, während die Unternehmen Fachkräfte requirieren können.
Im Projekt „Ärztliche Versorgung“ wird derzeit geprüft, welche Chancen für die Region aus dem Anfang März vom rheinland-pfälzischem Gesundheitsminister Schweitzer vorgestellten Zukunftsprogramm „Gesundheit und Pflege - 2020“ resultieren und wie Kommunen selbst für die Sicherung einer ärztlichen Versorgung aktiv werden können.
Im Projekt E-Bike/Pedelec sind in 2013 mit fachlicher Kompetenz und Voruntersuchungen durch das LBM Rheinland-Pfalz die Weichen für attraktive Routen gestellt. Nun sollen entsprechend konzipierte Förderanträge für E-Bike/Pedelec-Routen und Radwegebeschilderung zeitnah eingereicht werden. Ebenso wurden seinerzeit Fördermittel für den geplanten Prädikatswanderweg „Eifelleiter“ erfolgreich beantragt, dessen Umsetzung bereits begonnen hat. Im touristischen Bereich werden außerdem von der VG Brohltal aktuell Fördermittel für eine Touristinfo (TI) Laacher See in Kooperation den Verbandsgemeinden Mendig und Pellenz beantragt.
Klimaschutzkonzept
Michael Münch von der Transferstelle Bingen (TSB) stellte die Ergebnisse des Klimaschutzkonzept Brohltal / Vordereifel vor. In den letzten zwölf Monaten wurden zunächst Grundlagendaten ermittelt eine Phase, in der auch die Mitarbeiter der Verbandsgemeinden mit großem Engagement viele Verbrauchsdaten zusammenstellten. Ergebnis sind Energie und Emissionsbilanzen, die eines sehr deutlich machen: Der Verkehr, die privaten Haushalte (v.a. Wärme) und Gewerbe/Handel/Industrie (v.a. Strom) sind die wichtigsten Verbraucher und Emittenten. Öffentliche Einrichtungen spielen in der Summe eine unter-geordnete Rolle, können aber als Vorbild wirken, denn es geht darum, Maßnahmen anzustoßen, die den Verbrauch reduzieren und damit Emissionen einsparen.
Michael Münch stellte heraus, dass in den beiden Verbandsgemeinden 61 Mio. Euro pro Jahr für Strom, Heizöl und Erdgas ausgegeben werden. Diesen Aufwendungen stehen Potenziale für Einsparung, Effizienz und die Nutzung erneuerbarer Energien gegenüber. Deren Erschließung fördert regionale Wirtschaftskreisläufe und bindet die Finanzströme in der Region - dies sind Potenziale für die Finanzierung der lokalen Energiewende.
Die privaten Haushalte, also die Wohngebäude nahm Michael Münch dann konkreter unter die Lupe. Er stellte dar, welche Einsparpotenziale für Wohngebäude unterschiedlicher Baualtersklassen bestehen und differenzierte dabei zwischen dem technischen und dem wirtschaftlichen Einsparpotenzial. Derzeit liegt die tatsächliche Sanierungsrate bundesweit nur bei 0,75 Prozent der Wohnflächen pro Jahr - die Bundesregierung strebt 2 Prozent an, im Koalitionsvertrag RLP stehen ambitionierte 3 Prozent. Das wirtschaftliche Einsparpotenzial ist allerdings noch deutlich größer! Als Grund dafür, dass so wenige Sanierungen angepackt werden, die sich rechnen würden, wurde in Untersuchungen v.a. festgestellt, dass den Hausbesitzern die Rentabilität unklar ist. Die Intensivierung der Information und Beratung der Eigenheimbesitzer wird damit eine wichtige Zukunftsaufgabe sein.
Auch bei den kommunalen Liegenschaften wurden einige Gebäude identifiziert, deren Jahresverbrauch auffällig ist. Abhängig von der Nutzungsintensität und dem jeweiligen Umfang des Verbrauchs sollten hier gezielt weitere Maßnahmen angegangen werden - die v.a. mit Blick auf die Vorbildfunktion der Kommunen. Diese haben die Kommunen aber auch schon in der Vergangenheit wahrgenommen, denn es wurden bereits Maßnahmen umgesetzt, allen voran die Sanierung der Realschule Plus Niederzissen.
Neben der Berechnung von Zahlen wurden Ergebnisse und mögliche Maßnahmen auch in folgenden Workshops mit Akteuren aus der Region diskutiert: Straßenbeleuchtung, kommunales Energiemanagement, energetische Gebäudesanierung, Klimaschutz in Bildungseinrichtungen sowie interkommunales Klimaschutzziel. Weiterhin wurde das Konzept von einer Projektgruppe begleitet, die mit den Bürgermeistern, Fachleuten aus den Verwaltungen sowie Vertretern der Fraktionen beider Verbandsgemeinderäte besetzt war.
Die Kommunalpolitiker in den VG-Räten haben jetzt die Aufgabe, die zahlreichen Maßnahmen in den Handlungsfeldern Kommunalpolitik, Netzwerk/ Kampagnen/ Öffentlichkeitsarbeit, öffentliche Einrichtungen, regionale Stromerzeugung, Gewerbe/ Industrie und Mobilität zu diskutieren und die nächsten Schritte zu beschließen. Hier empfiehlt Michael Münch auf jeden Fall die Einstellung eines sog. Klimaschutzmanagers für die beiden Verbandsgemeinden, dessen Personalkosten derzeit zu 65 Prozent vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) gefördert werden. Nur so könne gelingen, dass das Konzept nicht in der Schublade lande. Erfahrungsgemäß sei es nämlich nicht möglich, dass dies von den Mitarbeitern nebenbei noch mit erledigt werde.
In kurzen Statements bestätigten beide Bürgermeister, dass sie darüber mit den Verbandsgemeinderäten diskutieren wollen und sich gern dafür einsetzen wollen, dafür eine Stelle zu schaffen. In der VG Brohltal wird sich der VG-Rat schon in der kommenden Woche damit befassen, in der Vordereifel wird dies in einer der ersten Sitzungen des neuen VG-Rates auf der Tagesordnung stehen.
Beatrix Ollig vom begleitenden Planungsbüro Grontmij stellte das zweite Schwerpunktthema des Regionalforums, den Umgang mit dem demografischen Wandel vor, dem man sich seit dem Auftakt im letzten Regionalforum im März 2013 schwerpunktmäßig gestellt hat. Neben verwaltungsinternen Workshops zur Thematik wurden in enger Kooperation mit den Ortsgemeinden insbesondere ein sogenannter „Demografiecheck“ durchgeführt sowie „Leerstandskataster“ für die 27 Ortsgemeinden der Verbandsgemeinde Vordereifel erstellt.
Demografiecheck für die Ortsgemeinden
Der Demografiecheck sollte die Ortsgemeinden mittels der Beschäftigung mit einem Fragebogen zu Themen des Demografischen Wandels sensibilisieren. Darüber hinaus konnten mit Auswertung der Demografiecheck-Fragebögen auch Erkenntnisse zu spezifischen Situationen vor Ort gesammelt und hieraus entsprechende Handlungsempfehlungen für die Region abgeleitet werden.
Die von Beatrix Ollig vorgestellten Handlungsempfehlungen stellen gute Ansätze aus erfolgreichen Projekten anderer Regionen zu den Bereichen Dorfmarketing, Leerstandsmanagement, Einbindung von Senioren sowie Jugendlichen sowie Aktivierung von Ehrenamt dar. Sie beinhalten auch gute Ansätze zur Bewältigung der unterschiedlich ausgeprägten Leerstandssituation in der VG Vordereifel. Die VG Brohltal hatte ihre Leerstandssituation bereits 2009 mit der Erstellung eines Leerstandskatasters erfasst, welches nun Vorbild für die Vordereifel war.
Zum Abschluss der Veranstaltung zog Bürgermeister Gerd Heilmann ein abschließendes Fazit und bedankte sich bei den Referenten des Abends sowie allen im Regionalmanagement beteiligten Per-sonen. Er betonte, dass die zu den beiden Schwerpunktthemen dargestellten Ergebnisse und resultieren Handlungsempfehlungen zur Fortsetzung der guten Zusammenarbeit zwischen den beiden Verbandsgemeinden Brohltal und Vordereifel auffordern. Der Fortsetzung dieser Kooperation sowie den dargestellten Zukunftsthemen Klimaschutz und demografischer Wandel wollen sich die beiden Bürgermeister zusammen mit den dann neu gebildeten Verbands- und Ortsgemeinderäten gerne stellen.
Pressemitrteilung
Verbandsgemeinde Brohltal
