Allgemeine Berichte | 29.08.2014

Führungen durch historische Bauwerke im Kreis Ahrweiler

Malerwerkstatt in Ahrweiler, Kostbarkeit in Königsfeld, Fliesen in Sinzig

Tag des offenen Denkmals mit buntem Motto „Farbe“ am 14. September

Eine von 16 historischen Stätten, die beim Denkmaltag zu besichtigen sind: die Apollinariskirche in Remagen.

Kreis Ahrweiler. 16 historische Gebäude und Anlagen im Kreis Ahrweiler öffnen ihre Tore beim „Tag des offenen Denkmals 2014“ am Sonntag, 14. September. Besucher sind herzlich willkommen. Die Kreisverwaltung nennt die einzelnen Objekte mit Öffnungszeiten und den Beschreibungen, die die Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz zusammengestellt hat (www.gdke.rlp.de).

Der Denkmalstag 2014 hat ein im wahrsten Sinne des Wortes buntes Motto: „Farbe“. In der modernen Denkmalpflege spiele Farbe eine zentrale Rolle, betont die Generaldirektion. Sie sei ein ästhetisches Phänomen und präge das Erscheinungsbild eines Kunstwerks. Zugleich machten Farben oder ihre Spuren historische Bauwerke „lesbarer“. - Infos auch unter www.tag-des-offenen-denkmals.de.

Die Stationen

Rathaus Altenahr, Roßberg 3: Der heute als Rathaus dienende dreigeschossige Putzbau wurde um 1900 als Hotel errichtet. Bei der jüngsten Sanierung 2011 wurde die straßenseitige Fassade von den grünen Farbresten befreit und ein zartgelber Anstrich aufgetragen; die Stuckelemente sind farbig abgesetzt; die Rosetten der schmiedeeisernen Balkongeländer mit goldfarbenem Anstrich versehen. 11 bis 12 Uhr: Dokumentation im Rathausfoyer; 11 und 15 Uhr: Führung von Bürgermeister Achim Haag zur Fassadensanierung.

Alte Malerwerkstatt, Ahrweiler, Delderstraße 1: Annette Dünker-Ulrich, Farbdesignerin und Malerin, führt um 11 Uhr durch die Malerwerkstatt ihrer Familie. Sie präsentiert alte Werkzeuge und weist in Techniken zur Herstellung und Nutzung von Pigmenten ein. Als Beteiligte an der Renovierung der ehemaligen Synagoge beantwortet sie Fragen zu Farbeigenschaften und Einsatzmöglichkeit bei Rekonstruktionen und Instandsetzungen.

Fassadenmalerei in der historischen Altstadt, Ahrweiler, Ahrhutstraße (am Ahrtor): Iris Klefisch vom Ortskuratorium Ahrtal der Deutschen Stiftung Denkmalschutz lenkt in der Führung den Blick auf die kunsthandwerklichen Fassadenmalereien und Dekorationen. Treffpunkt: 14 Uhr am Ahrtor.

Glasmalerei und Kunstglaserei, Ahrweiler, Wilhelmstraße 46: Glasmaler und Kunstglaser Jürgen Maur führt um 15.30 Uhr durch seine Werkstatt und präsentiert sein Handwerk, zu dem auch die Rekonstruktion und Renovierung historischer Fenster zählt. Er erläutert die Arbeitsschritte vom Entwurf bis zum fertigen Produkt.

Ehemalige Synagoge Ahrweiler, Altenbaustraße 12a: Der kleine Saalbau, 1894 in Schichtmauerwerk mit Einzelformen im „maurischen Stil“ mit Hufeisenfenstern errichtet, wurde 1938 in der Pogromnacht verwüstet und nach dem Zweiten Weltkrieg zweckentfremdet als Lagerraum benutzt. Bei der Wiederherstellung durch den Bürgerverein Synagoge, der das Gebäude 1981 erwarb und aufwendig renovieren ließ unter besonderer Berücksichtigung der ursprünglichen Malerei und Farbgebung, wurde auch die Schablonenmalerei im oberen Bereich wiederhergestellt. Heute dient das ehemalige jüdische Gotteshaus als Kulturzentrum. 13 und 17 Uhr: Führungen durch Klaus Liewald vom Bürgerverein.

Alte katholische Pfarrkirche St. Cyriakus, Dümpelfeld, Kirchstraße: Der im Kern romanische Bau (spätestens 13. Jahrhundert), in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts zu einem Zweistützenraum umgestaltet, war vom Einsturz bedroht und wurde in den 2000er-Jahren renoviert. Die seit den 1960er-Jahren als Friedhofskapelle genutzte zweischiffige spätgotische Kirche gehört zu den nördlichsten Beispielen einer für Hocheifel und Moseltal typischen Gruppe. 10 Uhr bis 18 Uhr geöffnet, 17 Uhr kirchenmusikalische Andacht.

Katholische Kirche St. Nikolaus, Königsfeld, Hauptstraße 31: Von der spätromanischen Basilika der ersten Hälfte des 13. Jh. blieben der Chor, das Mittelschiff und das südliche Seitenschiff erhalten. Ursprünglich flachgedeckt wurde das Mittelschiff 1532 auf einer Mittelsäule überwölbt. 1911 bis 1915 quergerichtete Erweiterung durch Caspar Clemens Pickel, Düsseldorf (oder 1912 von Peter Marx, Trier). Eine besondere Kostbarkeit ist die aus Lindenholz geschnitzte Muttergottes von 1260, eine der ältesten Marienstatuen im Rheinland. 10 bis 17 Uhr: Führungen nach Bedarf durch Karl-Heinz Kurth.

Zehnthof Königsfeld, Hauptstraße 16: Vom 1336 erstmals erwähnten „Stadelhof“/Zehnthof blieben Teile der Zehntscheune sowie der Stadtmauer erhalten. Das Wohnhaus wurde 1816 umgebaut. Auf dem Sockelgeschoss aus Stein ruhen Obergeschoss und Giebel, beide in Fachwerk, das Obergeschoss ist mit Zierfachwerk versehen. 10 bis 17 Uhr: Führungen nach Bedarf durch Stefanie Luley.

Burg Olbrück, Niederdürenbach-Hain, Burgstraße: Um 1050 durch den Grafen von Wied gegründet, 1689 zerstört, 1998 bis 2001 Sicherungs- und Restaurierungsarbeiten; weithin sichtbarer zinnenbewehrter Bergfried, Mitte 14. Jahrhundert; die Mauern des Palas im Keller spätromanisch, darüber 17. Jahrhundert, außerhalb des inneren Berings Wohn- und Küchengebäude, Haupttor, unterer Torbau 1875. 12 bis 18 Uhr geöffnet; 14 Uhr: Führungen nach Bedarf.

Ehemalige Synagoge Niederzissen, Mittelstraße 30: Der kleine, 1844 errichtete Bruchsteinbau mit regionaltypischen Basaltlava-Einfassungen wurde in der Pogromnacht 1938 geschändet, 1939 verkauft und bis Anfang der 1990er-Jahre als Schmiede und Werkstatt zweckentfremdet genutzt. Heute in Gemeindebesitz, wurde die ehemalige Synagoge 2011 renoviert und im März 2012 als Erinnerungs- und Begegnungsstätte eröffnet. 11 bis 18 Uhr geöffnet; 12, 14 und 16 Uhr: Führungen.

Annakapelle, Kirche des ehemaligen Klosters St. Anna, Remagen, Klostergarten: Querhaus und Chor des 1904 bis 1906 nach Plänen von Caspar Clemens Pickel, Düsseldorf, errichteten neugotischen Backsteinkirche. Nach Abschluss der Renovierungsarbeiten (2011 bis 2013) Anfang 2014 eingeweiht als „Franziskanische Oase“ für die Franziskanerinnen von Nonnenwerth und die Bürger der Stadt als spiritueller und kultureller Treffpunkt. 11 bis 16 Uhr: Führungen nach Bedarf. Bilddokumentation: Die Anna-Kapelle im Wandel der Zeiten.

Kapelle Unbefleckte Empfängnis Mariens, Remagen-Rolandswerth, Brunnenstraße 1: Die 1865 nach Plänen von Vinzenz Statz in Backstein errichtete Kapelle erhielt 1938 eine Erweiterung in rotem Backstein. Die Innenraumgestaltung mit weiß verputzten Wänden, expressivem Christusmosaik als Blickpunkt in Braun, Ocker und Gold und mit Holzdecke stellt den offensichtlichen Gegensatz zur Backsteinfassade her. 11 Uhr: Führung durch Regina Schürholt.

Wallfahrtskirche St. Apollinaris, Remagen, Apollinarisberg 4: Die 1839 bis 1843 nach Plänen des Kölner Dombaumeisters Ernst-Friedrich Zwirner errichtete Wallfahrtskirche - ein Zentralbau über griechischem Kreuz mit vier Türmen und neugotischen Einzelformen nach Vorbild des Kölner Doms - ist ein Hauptwerk der deutschen romantischen Baukunst. Die spätnazarenische Wandmalerei wurde 1843 bis 1855 nach festgelegtem Bildprogramm von Andreas und Karl Müller, Ernst Deger und Franz Ittenbach ausgeführt. Die Ausstattung aus der Mitte des 19. Jahrhunderts blieb vollständig erhalten. In der neuromanischen Krypta, einer dreischiffigen Halle über schlanken Säulen, steht das Hochgrab des heiligen Apollinaris aus der Mitte des 14. Jahrhunderts. 9 bis 17 Uhr geöffnet. 13 bis 15 Uhr: Veranstaltung zum Thema Farbe. Aus den Blickwinkeln von Physik, Chemie, Kunst und Religion wird die Kirche in Augenschein genommen mit Dr. Susanne Blöcker (Kunsthistorikerin, Arp Museum) und Dr. Erhard Wacker (Diplom-Physiker, Förderverein Apollinariskirche).

Exkursion - Auf den Spuren historischer Sinziger Fliesen, Sinzig, Rheinallee 19: Seit über 140 Jahren hat die Produktionsstätte der ehemaligen Tonwarenfabrik in Sinzig ihren Sitz, nach Villeroy & Boch die zweite Fabrik für Boden- und Wandbeläge in Deutschland. Im Verwaltungsgebäude beeindruckt das mit Wandmosaiken und historischen Bodenbelägen ausgestattete Treppenhaus. Hier startet die Exkursion mit Agnes Menacher und Josef Erhardt vom Denkmalverein. In Sinzig, Westum, Franken und Bad Bodendorf werden Beispiele der historischen Verlegekunst in Kirchen, Kapellen, Privathäusern und Fassaden vorgestellt. Exkursion mit Privat-Pkw, festes Schuhwerk und wetterangepasste Kleidung erforderlich. Treffpunkt: Parkplatz Deutsche Steinzeug, Sinzig. Anmeldung bis 12. September, Tel. (0 26 42) 34 06 oder E-Mail agnes.menacher@gmx.net.

Katholische Pfarrkirche St. Potentinus mit barockem Pfarrgarten, Wehr, Kirchstraße: Der barocke Saalbau mit spätromanischem Turm aus dem Anfang des 13. Jahrhunderts wurde 1700 bis 1702 von Frater David Wynant in gotisierenden Formen errichtet. Die ehemalige Praemonstratenser-Klosterkirche besitzt eine ungewöhnlich aufwändige Barockausstattung von 1704; drei große Säulenaltäre nach einheitlichem Plan: brauner Holzton mit spärlichen Farben oder Gold für die Schmuckteile, die Figuren dagegen sind farbig gefasst. Die Gewänder der zwölf lebensgroßen Apostelfiguren sind in zeittypischem Weiß mit goldenen Borten. Der große, von einer Tuffsteinmauer eingefasste Garten, seit 1955 verwildert, wurde 2003 bis 2005 nach denkmalpflegerischen Vorgaben wiederhergestellt. Ganztägig geöffnet. 11, 14 und 16.30 Uhr Führungen.

Katholische Pfarrkirche St. Wendelinus, Wirft-Kirmutscheid, Kirchweg 5: Der spätgotische Saalbau wurde um 1500 unter Verwendung älterer Teile errichtet. Das Sterngewölbe in Chor und Langhaus zieren bemalte Schlusssteine, figürliche Konsolen und 1970 freigelegte, 2012 bis 2013 restaurierte Rankenmalereien. 15 bis 18 Uhr Führungen.

Pressemitteilung der

Kreisverwaltung Ahrweiler

Eine von 16 historischen Stätten, die beim Denkmaltag zu besichtigen sind: die Apollinariskirche in Remagen.

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