Politik | 12.01.2015

Dreikönigstreffen des Bauern- und Winzerverbandes Ahrweiler

Politischer Rundumschlag

Beim Dreikönigstreffen des Bauern- und Winzerverbandes Kreis Ahrweiler konnten der neue Vorsitzende Franz-Josef Schäfer (Dritter von rechts) und Geschäftsführerin Ursula Krupp (Mitte) zahlreiche Ehrengäste begrüßen. -JOST-

Dernau. Eine Reihe von politischen Neujahrsböllern feuerte beim Dreikönigstreffen des Bauern- und Winzerverbandes Ahrweiler der Festredner Norbert Schindler im Culinarium der Weinmanufaktur Dagernova in Dernau ab. Der CDU-Bundestagsabgeordnete, Vizepräsident des Deutschen Bauernverbandes und scheidende Präsident der Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz holte dabei zum politischen Rundumschlag aus, bei dem vor allem die Grünen und die „gelenkte Presse“ einiges einstecken mussten. Dafür zeichnete er ein recht eigenwilliges Bild von der Weltpolitik im Allgemeinen und von der Landwirtschaftspolitik im Besonderen.

Mindestlohn für mehr Nachhaltigkeit

Zunächst stellte Schindler klar, dass er dem Mindestlohn zugestimmt habe, „nicht um die Bauern zu ärgern, sondern gegen die zunehmende Industrialisierung der Landwirtschaft und für mehr Nachhaltigkeit, insbesondere in den bäuerlichen Betrieben.“ Zumindest der Weinbau und die Sonderkulturen könnten ganz gut damit leben, denn in diesen Bereichen habe es in den vergangenen Jahren enorme Aufschwünge gegeben. Die Journalisten, die über die Landwirtschaft schrieben, hätten jedoch von dem Thema so viel Ahnung wie die Kuh vom Eier legen, war der gelernte Winzer und Landwirtschaftsmeister überzeugt. Es sei schwer geworden, die gute Botschaft von der normalen Nahrungsmittelproduktion herüberzubringen angesichts „dummer und unnötiger Angstmacherei“ und der Suche nach immer neuen Skandalen, die von „gewissen Journalistenkreisen hochgezogen“ würden. Schindler erinnerte dabei an das „Horrorszenario in Zusammenhang mit BSE, das am Ende aber nicht eingetroffen ist.“ Bis heute sei noch niemand an Rinderwahnsinn gestorben.

Überzogener Kurs bei der Energiewende

Ähnliche Panik werde jetzt im Zusammenhang mit dem transatlantischen Handelsabkommen TTIP von bestimmten politischen Kreisen geschürt. Man könne aber nicht jede Wurst und jeden Käsekuchen regional schützen, zitierte Norbert Schindler den Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU). Ebenso wenig verstehen könne Schindler die „Angstmacherei“ vor der Hochmoselbrücke oder vor der grünen Gentechnik. Diese Defensivhaltung sei wohl typisch für eine Wohlstandsgesellschaft, und Deutschland gehe es im internationalen Vergleich hervorragend, „fast schon zu gut“. Deshalb leiste sich Deutschland auch einen überzogenen Kurs bei der Energiewende, bei der vieles ideologisch-politisch besetzt sei. Das könne den Standort Deutschland in der Zukunft noch teuer zu stehen kommen. Eine der Ursprungsfragen der Landwirtschaft sei es: Weshalb gibt es nach wie vor die großen Wohlstandsunterschiede nicht nur in Europa, sondern weltweit? „Weil auch viele Staaten in der westlichen Wohlstandsgesellschaft vergessen haben, konstruktive landwirtschaftliche Entwicklungspolitik so zu betreiben, wie sie die deutsche Landwirtschaft schon seit 150 Jahren ausübt.“ Damals habe die Industrialisierung der Landwirtschaft zunächst in den Köpfen begonnen durch die Verbreitung des wissenschaftlichen Know-how der Großgrundbesitzer an die einfachen Bauern. Kurz angeschnitten wurden auch die Themen Zuwanderung, Eurokrise, Null-Zinspolitik, sinkender Erdölpreis und Ukraine-Konflikt - die aber ohnehin nicht wirklich dramatisch seien, sondern nur von der „gelenkten Presse“ künstlich und einseitig hoch geschrieben würden, so Schindler.

Beispiel Ölpreis

Die Saudis und die Amerikaner hätten sich abgesprochen, den Ölpreis künstlich niedrig zu halten, um Putin wirtschaftlich in die Knie zu zwingen, denn damit könne man Russland am empfindlichsten treffen. Der Beitritt der Ukraine zur NATO sei auch nur durch das Veto der Bundeskanzlerin verhindert worden, „und man stelle sich vor, wir hätten heute Beistandsverpflichtungen für die Ukraine zu erfüllen“, schüttelte Schindler den Kopf. Leider habe der Ukraine-Konflikt auch negative Auswirkungen auf die deutsche Landwirtschaft und die Produktion von Landmaschinen.

Norbert Schindler, CDU: "Man werde auf Dauer mit gentechnikveränderten Lebensmitteln leben müssen"

Zum Umgang mit der grünen Gentechnik sagte Schindler: „Wenn der Fortschritt erst einmal in der Welt ist, ist er nicht mehr aufzuhalten.“ Er warnte davor, in Deutschland „gentechnikfreie Zonen“ auszurufen, denn niemand könne mit Sicherheit sagen, wo beispielsweise die Sojapflanzen für die Viehfütterung genau herkämen. Ob Gefahren für den Menschen damit verbunden seien, werde in Deutschland „ideologisch hochgezogen“. Die Welt richte sich in dieser Frage jedenfalls nicht nach Deutschland und schon gar nicht nach Bayern oder der CSU. Man werde auf Dauer auch hier mit gentechnikveränderten Lebensmitteln leben müssen, die es schon jetzt in Deutschland gebe.

Ansprüche der Politik erinnern an die Inquisition

Zuvor hatte der neue Vorsitzende des Kreisbauern- und Winzerverbandes, Franz-Josef Schäfer (Grafschaft-Eckendorf) festgestellt, noch nie habe die Landwirtschaft in Deutschland so im öffentlichen Fokus gestanden wie heute. Auch die Politik habe immer höhere Ansprüche, teilweise erinnere das an eine Inquisition. Zugleich würden landwirtschaftliche Flächen zugunsten von Gewerbegebieten und Wohnsiedlungen aufgegeben, was so manchen landwirtschaftlichen Betrieb existenziell bedrohe. Dabei werde immer vollmundig von Nachhaltigkeit gesprochen, „aber Nachhaltigkeit ist das, was unsere Vorfahren über Jahrhunderte hinweg gelebt und geleistet haben.“ Die Landwirte jedenfalls kämen ihrer Verpflichtung in der Region und für die Region nach und hätten es nicht nötig, wirtschaftliche Vorteile im Ausland zu suchen.

Landwirtschaft als wichtiges Standbein des Kreises Ahrweiler

Landrat Dr. Jürgen Pföhler bestätigte, der Kreisverband des Bauern- und Winzerverbandes sei nicht nur einflussreicher Interessenvertreter für die Landwirte und Winzer, sondern zugleich ein kompetenter und zuverlässiger Ansprechpartner in allen Fragen rund um die Land- und Forstwirtschaft sowie den Weinbau in der Region. Schließlich sei die Landwirtschaft ein wichtiges Standbein des Kreises, denn von den fast 800 Quadratkilometern Fläche würden rund 32 Prozent landwirtschaftlich genutzt. Rund 600 Betriebe bewirtschafteten insgesamt etwa 19.000 Hektar Land. „Die Landwirte und Winzer zählen zu den Pflegern unserer Kulturlandschaftsschriften, und unsere Walderholungsgebiete sowie Weinberge sind die wichtigsten Pfründe, die wir vor allem im Bereich des Tourismus zu bieten haben.“ Es sei wichtig, die Weichen so zu stellen, dass die Erfolgsgeschichte der vergangenen Jahre fortgeführt werden könne. Aus Pföhlers Sicht gehört die Überbürokratisierung dabei zu den großen Herausforderungen, wozu er als aktuelles Beispiel die von der Landesregierung vorgegebene Erstellung eines landesweiten Landschaftselemente-Kataster anführte. Der Kreis stehe jedenfalls fest an der Seite seiner Landwirte und Winzer und unterstütze den Kreisverband auch finanziell.

Finanzielle Unterstützung für Landwirtschaft

So habe der Kreis auch in diesem Jahr rund 25.000 Euro für Maßnahmen und Projekte zur Unterstützung der Landwirtschaft und des Weinbaus investiert. Das Geld sei beispielsweise an den Maschinenring RheinAhrEifel, den Arbeitskreis „Obstbau“ beim DLR Rheinpfalz, in die Aufbaugemeinschaft Ahrtal und die Züchtervereinigung für Tierzucht und Tierhaltung geflossen. Außerdem bestehe zwischen Kreis und Verband eine hervorragende Zusammenarbeit. Gemeinsam habe man die Initiative ergriffen, die Region auf dem Gemeinschaftsstand des Deutschen Landkreistags bei der Grünen Woche in Berlin zu präsentieren - auch ohne die Unterstützung des Landes. Dies sei eine hervorragende Werbeplattform für die heimischen Betriebe.

Nachfrage wird weiter steigen

„Die deutschen Bauern und Winzer sind gut aufgestellt“, bestätigte auch Leo Blum, Präsident des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Nassau, der in diesem Jahr aus Altersgründen aus dem Amt ausscheiden wird. In den 15 Jahren seiner Amtszeit habe man vieles angestoßen, aber nicht alles erreicht, was man wollte. Derzeit gebe es in einigen Bereichen wie der Ferkelproduktion und der Milchwirtschaft dunkle Wolken am Horizont, aber er sagte voraus: „Auch dort wird bald wieder die Sonne scheinen.“ Die Nachfrage nach landwirtschaftlichen Produkten werde weiter steigen, und die heimischen Landwirte stünden bereit, diese Nachfrage qualitativ hochwertig zu befriedigen. Ähnlich sahen es auch die beiden Sprecher der neu gegründeten Landjugend, Julian Wuzél (Vettelhoven) und Maria Schäfer (Eckendorf). Die Nachwuchsorganisation habe schon viele Exkursionen und Betriebsbesichtigungen, Ausflüge und sogar Tanzkurse veranstaltet. Es könnte ein intensiver Austausch statt, der letztlich allen jungen Landwirten in der Region zugutekomme.

Beim Dreikönigstreffen des Bauern- und Winzerverbandes Kreis Ahrweiler konnten der neue Vorsitzende Franz-Josef Schäfer (Dritter von rechts) und Geschäftsführerin Ursula Krupp (Mitte) zahlreiche Ehrengäste begrüßen. Foto: -JOST-

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