Allgemeine Berichte | 15.10.2013

Premiere des „Theater Brisiacum“ im Kulturbahnhof

Schwarzer Humor und fröhliches Spiel

Der Schuss aus dem Revolver - ein purer Zufall? Antwort geben könnten Claudia Reh, Maggy Schwandt und Reinhard Draws.FA

Bad Breisig. Es macht schon Spaß, den Darbietungen des „Theater Brisiacum“ beizuwohnen. In den drei Jahren ihrer Aktivität haben die ihrem Hobby verfallenen weiblichen und männlichen Schauspieler des Vereins viel Bühnensicherheit dazu gelernt.

So konnten sie sich diesmal an zwei Einakter heranwagen, die viel darstellerische Routine erfodern, um die beiden hintergründigen Bühnenstücke dem Publikum im quellenstädtischen Kultur- und Jugendbahnhof so überzeugend vermitteln zu können. Aber das Amateur - Ensemble des „Theater Brisiacum“ bringt mittlerweile fast professionelle Organisation und schauspielerisches Können auf die Bühne, dazu viel Verve und Hingabe. So kommt die nicht leicht zu durchschauende Komik des von J. Saunders erdachten Einakters „Ein unglücklicher Zufall“ beim höchst aufmerksamen Publikum prima an. Die „zufällig“ an den Abzug des Revolvers geratene Penelope wird von Claudia Reh großartig gespielt. ihre fast tiefenpsychologischen Aussagen, mit denen sie den Tod ihres Mannes ins rosige Licht setzt, wirken komisch, geben aber auch so manchen Denkanstoß. Beispiel: „Das wahre Leben ist eine Beleidigung des Verstandes.“ Einfacher gesagt: „Es kommt ohnehin anders, als man denkt.“ Freundin Camilla, gespielt von Maggy Schwandt, ist nicht die erwünschte Hilfe, mehr eine Kontrahentin, im Format aber durchaus ebenbürtig. Sie muss immerhin Penelopes Erklärung verdauen: „Glaube nicht, man könne das Leben unter ein Mikroskop legen und mit der Pinzette ordnen!“ Camillas Konflikte mit dem unausstehlich gerechten und selbstzufriedenen Ehemann Robert - ebenfalls grandios gespielt von Reinhard Draws - haben viel Komik. Niemand bedauert es, als auch der Kotzbrocken dem im Vorfeld „irrtümlich“ ums Leben gekommenen Wohnungsbesitzer Harry ebenso „zufällig“ ins Jenseits folgt. Der Beifall für den ersten Teil des Abends entspricht der tollen schauspielerischen Leistung auf der Bühne. Nach der Pause ist das Publikum Zeuge einer „Einladung“ (Einakter von W. G. Pfaus), zu der ein etwas konfuses Ehepaar ein anderes, nicht weniger problematisches Paar erwartet.

Die Versuche beider Paare, sich jeweils auf Kosten des anderen zu profilieren, führen zu Situationen von urwüchsiger Komik, prächtig gespielt von der resoluten Gastgeberin Sandra (Edda Konsolke) und ihrem erniedrigten „Schluffen“ Martin (Michael von Kürten), der alles falsch macht, was man im Vorfeld einer Einladung als Ehemann so verbocken kann. Und die Gäste, die pfiffige, ungemein „vornehme“ Carola (Gitta Neusser) und begriffsstutzige Franz (Rainer Kempenich) spielen ihre Rollen ebenso witzig wie glaubhaft. Die Handlung wird ergänzt von eine flotte Botin (Hanne Willner). Es entstehen Situationen von überzeugend gespielter grotesker Komik, und die Leute im voll besetzten Saal haben ihre Schadenfreude, dokumentiert durch langen, herzlichen Beifall. Viel Verdienst am Gelingen der Veranstaltungsreihe haben auch die Techniker und Bühnenbildner Reinhard Draws und Michael von Kürten, sowie die für die Kostüme verantwortlichen Monika Morgenstern und Marianne van Haltern.

Die beachtenswert gute Regie für die beiden Einakter lag bei Monika Morgenstern und Michael von Kürten.

Weitere Aufführungen

Weitere Aufführungen im Jugend- und Kulturbahnhof Bad Breisig: Freitag, 18. Oktober, Samstag 19. Oktober, Freitag, 25. Oktober und Samstag 26. Oktober. Beginn ist jeweils um 20 Uhr. Karten können im Vorverkauf erworben werden bei der Tourist – Information Bad Breisig, Koblenzer Straße 39 ( im Kurpark) und Erdal´s Schlüsseldienst, Zehnerstraße 21 a (B9) sowie an der Abendkasse.

Der Schuss aus dem Revolver - ein purer Zufall? Antwort geben könnten Claudia Reh, Maggy Schwandt und Reinhard Draws.Foto: FA

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