Ein Blick ins Archiv - von Werner Fußhöller
Seit 100 Jahren Fußballsport in Brohl
Brohl. Nach einem jahrelangen, ständigen Bergab im Brohler Fußball zeigt gerade die aktuelle Tabelle der Kreisliga C ein Aufkeimen früherer Brohler Fußball-Herrlichkeit. Junge, begeisterungsfähige Spieler und ein Trainer, welcher wahrscheinlich die rechte Chemie fand, erinnern an bessere Zeiten, an Zeiten, als Brohl zu den Top - Teams im Kreis zählte und bereits Anfang der 50er Jahre des letzten Jahrhunderts in der 1. Amateurliga - etwa vergleichbar mit der heutigen Rheinland-Liga - spielte. Just vor 60 Jahren gelang der Mannschaft unter der sportlichen Leitung des im Brohler Fußball unvergessenen Trainers Willi Perse, die Meisterschaft der 2. Amateurliga Koblenz-Nord und somit der Aufstieg in die oberste Amateurliga. Aus der alten Garde leben heute noch der 90-jährige Karl Nonn, welcher in den Jahren des Neuaufbaus gemeinsam mit seinem Bruder Franz-Josef eine starke Stütze in der Abwehr bildete; aus der Meistermannschaft 1952/53 die Spieler Otto Schmitz, ein Dauerläufer und Zerstörer und Horst Unkel, ein klassischer Mittelläufer und Turm in mancher Fußball-Schlacht. Später, aber ebenso erfolgreich und nachhaltig mit dem Brohler Fußball verbunden, verlief die Ära Werner „Mino“ Schäfer. Auch Alwin Klee schnürte über Jahre erfolgreich die Fußballstiefel für den VfL.
„1. FC Victoria“
Die Geburtsstunde des Brohler Fußballs schlug jedoch vor 100 Jahren. Im Frühjahr 1913 fanden sich so fußballbegeisterte Gymnasiasten des „Kath. Knabenpensionats und höheren Knabenschule“ auf Schloss Brohleck und versuchten sich an der „schönsten Nebensache der Welt“. Da die Kommunikationsmittel der damaligen Zeit eine schnelle Verbreitung neuzeitlicher Sportarten, insbesondere des Fußballsports, nicht zuließen, ist es wahrscheinlich den Lehrern des Knabenpensionats auf Brohleck zu verdanken, dass Gymnasiasten bereits im Jahr 1913 die ersten Ansätze hierzu zeigten.
Die Begeisterung fand kein Ende und man gründete den „1. FC Victoria“. Mit den Spielern: Alois Görrissen, Werner Bröhl, Max Dünhöft, Karl Zenner, Josef Demin, Heinrich Frevel, Karl Schwickerath, Hermann Görrissen, Peter Zenner, J. Bröhl, August Gies.
Namen, welche heute noch in Brohl geläufig sind, begann man auf „Bröhl’s Wies“. Mit dem FC Sinzig, der wie der SC 07 Bad Neuenahr bereits in der Region einen Namen hatte, wurde das erste Wettspiel vereinbart. Aller Anfang war schwer, das Spiel ging 11:0 verloren. Jedoch die hohe Niederlage wäre nicht das Schlimmste gewesen, wenn nicht der Brohler Mittelstürmer Peter Zenner das Schienbein gebrochen hätte. Die erregten Väter der Spieler besorgten den Rest und lösten den Verein kurzerhand auf.
Somit war es wieder Schluss mit dem Fußball in Brohl und durch den 1. Weltkrieg kam es auch zu keiner weiteren Vereinsgründung mehr.
„Fußballvereinigung Hansa 1919“
Ein Neubeginn mit der Brohler Fußball-Herrlichkeit brachte das Jahr 1919. Es kam zur Gründung der „Fußballvereinigung Hansa 1919“. Eine angestrebte Fusion mit der „Turnerschaft von 1892“ sollte jedoch bis 1936 auf sich warten lassen. Der Gesamtverein nannte sich ab sofort „Verein für Leibesübung (VfL) 1892 Brohl“.
Mit vereinten Kräften erzielte man sodann ansprechende Erfolge bis auf Bezirksebene. Rührige Vereinsführer waren es, welche in den ersten Nachkriegsjahren mit Hilfe der frz. Besatzer und viel Enthusiasmus wieder ein Spielfeld herrichteten. So konnte bereits 1946 mit alten Schuhen und selbst gefertigten Lederbällen ein Spielbetrieb am „Brohler Feuerwehrturm“ aufgenommen werden.
Auch heute wieder, nach Jahren des Dahinkrebsens, hat man mit Georg Schüller einen rührigen Abteilungsleiter, welcher versucht, dem Brohler Fußball-Schiff wieder genügend Rheinwasser unter den Kiel zu bringen. Bestimmt mit voller Aufmerksamkeit verfolgt der 1. Vorsitzende des VfL Gerd Zenner den neuen Hoffnungsschimmer, war er doch weit über 40 Jahre als Abteilungsleiter mit Leib und Seele dem runden Leder verschrieben. Hoffen wir, dass die Begeisterung der neuen Mannschaft dem Brohler Fußball noch viel Freude bereitet.
Werner Fußhöller
Die Meistermannschaft 1952/53.
