Sinti Union Rheinland-Pfalz mit Sitz in Mendig zu Gast im Bundesrat
„Sinti und Roma sind zwei verschiedene Ethnien!“
Mendig. Relativ viele Mendiger kennen zwar die Sinti-Union Rheinland-Pfalz, zumal der Erste Vorsitzende Albert Munk schon seit vielen Jahren in Mendig wohnt und der Verein in der Robert-Bosch-Straße 10 ansässig ist, dennoch sind die Ziele des ehrenamtlich tätigen Vorstands nur wenigen bekannt.
Gemeinnützige Zwecke
„Unser Verein verfolgt ausschließlich und unmittelbar gemeinnützige und mildtätige Zwecke“, so der Vorsitzende Albert Munk, der sich gemeinsam mit Paul Meinhard (2. Vorsitzender) und Nikolaus Meinhard (3. Vorsitzender) für die Wahrung und Förderung der Sinti-Kultur, die Förderung der Verständigung zwischen deutschen Zigeunern (Sinti) und nicht zuletzt die Förderung der deutschen Mehrheitsgesellschaft im Sinne der Völkerverständigung, der Bekämpfung von Rassismus, Diskriminierung und Förderung der sozialen Gleichberechtigung einsetzt. Dabei werden sie von der Renate Monschauer aus Mendig unterstützt, die sich - ebenfalls ehrenamtlich - stundenweise der täglich anfallenden Büroarbeiten annimmt.
Die Sinti-Union Rheinland-Pfalz wurde am 16. Dezember 2000 ins Vereinsregister eingetragen und ist dem Dachverband Sinti-Allianz Deutschland e.V. beigetreten. Als Landesverband der Sinti-Allianz Deutschland e.V. ist die Sinti-Union Rheinland-Pfalz e.V. die offizielle, kulturelle, soziale und politische Vertretung der autochthonen Volksgruppe der Sinti in Rheinland-Pfalz und beteiligt sich über den Dachverband durch Stellungnahmen und politische Konzepte auch auf Bundes- und europäischer Ebene. Ein aktuelles, vom Innenministerium gefördertes Projekt, besteht aus einer Professionalisierung und Effektivierung von Beratungs- und Unterstützungsangeboten für Zigeuner in Rheinland-Pfalz und beinhaltet zum Beispiel die Unterstützung für Senioren und drogengefährdete Jugendliche, Hilfe für Strafgefangene, bei der Bewältigung von Problemen in der Haft, Maßnahmen zur Stärkung und Erhaltung der Sinti-Kultur, Angebote für NS-Opfer und eine Sozialberatung.
Besuch in Berlin
Aus aktuellem Anlass war Albert Munk kürzlich auf Einladung des Bundesrates gemeinsam mit einer Delegation des Dachverbandes in Berlin, wo er dem Bundesratspräsidenten Stephan Weil sowie den ebenfalls anwesenden Repräsentanten der Bundesländer die Nöte und aktuellen Anliegen der Sinti in Rheinland-Pfalz ausführlich erläutern konnte. Zu den vorgetragenen Themen zählten u.a. die Unterstützung für Projekte der Bildung von Kindern und Jugendlichen in Deutschland, die Übernahme der Kosten für den Erhalt der Gräber der verstorbenen Opfer des Nationalsozialismus´ und nicht zuletzt die „unrechtmäßige Vereinnahmung“ des falschen Begriffes „Sinti und Roma“.
Unterschiedliche Ethnien
Auch im Gespräch mit „Blick aktuell“ weisen die drei Vorsitzenden der Sinti-Union Rheinland-Pfalz mit Nachdruck darauf hin, dass die beiden völlig unterschiedlichen Ethnien Sinti und Roma sowohl von der Politik als auch von den Medien fälschlicherweise immer wieder in einem Atemzug genannt werden.
„Roma leben erst seit den 60er bzw. 70er Jahren in Deutschland. Im Rahmen der ’Armutszuwanderung‘ kamen in den vergangenen Jahren viele Roma aus Rumänien, Bulgarien und Osteuropäischen Ländern in die Bundesrepublik. Auch in diesem Zusammenhang war in der Presse immer von Sinti und Roma die Rede. Dass es in diesen Ländern jedoch keine Sinti gibt, sollte sich eigentlich inzwischen herumgesprochen haben“, so Albert Munk, der noch einmal ausdrücklich darauf hinweist: „ Sinti leben seit über 600 Jahren in Deutschland und sind nach Recht und Gesetz Deutsche mit deutschem Pass. Sie können daher logischerweise auch nicht wie Roma als Asylanten abgeschoben werden. Wir, die Sinti Union Rheinland-Pfalz, vertreten die deutschstämmige autochthone Volksgruppe unserer Sintis!“
Um evtl. Missverständnissen entgegenzutreten, fügt der Vereinsvorstand hinzu, dass man mit dieser Aussage die Roma keinesfalls diskriminieren wolle.
„Im Gegenteil: Seit Jahren bearbeiten wir auch Anfragen einiger Roma-Familien und helfen diesen im Rahmen unserer Möglichkeiten bei der Bewältigung ihrer Probleme. Wir haben großes Verständnis dafür, dass die Roma sich mit ihren Familien in Deutschland ein besseres Leben aufbauen wollen. Wenn sie bereit sind, sich anzupassen und die Gesetze in Deutschland zu achten, können sie auf unsere Unterstützung zählen“, pflichteten Paul und Nikolaus Meinhard ihrem 1. Vorsitzenden Albert Munk bei.
Besuch des 1. Vorsitzenden Albert Munk mit einer Delegation der Sinti Allianz Deutschland im Bundesrat (v.l.) Oskar Weis, Rigo Mettbach, Ricardo Laubinger, Bundesratspräsident Stephan Weil, Albert Munk, Ricardo Lenzi Laubinger, Manja Weis und Ronald Schuhecker. Foto: privat
Der Vorstand der Sinti Union Rheinland-Pfalz vor dem Mendiger Büro: 1.Vorsitzender Albert Munk (Mitte), 2. Vorsitzender Paul Meinhard (l.), 3. Vorsitzender Nikolaus Meinhard (r.). Foto: FRE
Zur Freude des 1. Vorsitzenden Albert Munk kümmert Renate Monschauer sich stundenweise ehrenamtlich um die Büroarbeit. Foto: FRE
