Drittes „Matjes-Fest“ zog viele begeisterte Besucher an
Spezialitäten aus der Nordsee gab es bei Blasmusik und Shantys
Bad Breisig. Der Star des letzten Wochenendes war in der Quellenstadt der „Matjes“, ins Deutsche übersetzt der „Mädchen-Hering“. Das ist der junge, noch nicht geschlechtsreife Hering ohne Rogen und Milch, fett, leicht gesalzen und eine äußerst wohlschmeckende Delikatesse. Er wird in dieser Jahreszeit in (noch) ausreichenden Mengen aus der Nordsee gefischt und in niederländischen Spezial-Manufakturen mundgerecht verarbeitet. So hat der Matjes über die Jahre eine große Fangemeinde aus Gourmets erobert, die von den Niederlanden aus bedient wird.
Werner Pommer, einer der dynamischen Bad Breisiger Gastronomen, hat die Zuneigung vieler Feinschmecker zu den Matjes genutzt, indem er aus der weit verbreiteten Sitte der Matjes-Verkostung Anfang Juni seit drei Jahren ein tolles Event entwickelt hat. Den Platz an der Schmittgasse neben seinem Restaurant gestaltet er mit seinem Team für ein Wochenende zu einem veritablen Festplatz, rüstete ihn mit Bühne, Zelten, Tischen, Bänken und Verkaufsbuden aus und schmückte ihn in den niederländischen Farben Rot-Weiß-Blau. Selbst die Damen vom Service trugen das Outfit der niederländischen „Meisjes“. Direkt aus der Vorzeige-Manufaktur für Matjes-Produkte in Scheveningen bezog Werner Pommer für sein Bad Breisiger „Matjes-Fest“ frische Spezialitäten des Jungfern-Herings und begeisterte damit die Gäste auf der meistens bis auf den letzten Platz gefüllten Festmeile. Die diesjährige „Matjes-Saison“ wurde so zum dritten Mal auch in der Quellenstadt wahrgenommen und wirtschaftlich genutzt.
Der Matjes, die auf die Saison beschränkte Delikatesse, war ein Wochenende lang Mittelpunkt des besonderen kulinarischen Angebots von Werner Pommers Restaurant „Am Kamin“. Die Matjes wurden in den unterschiedlichsten, aber immer leckeren Versionen angeboten: Es gab sie zum Beispiel gebeizt auf Schwarzbrot mit Beilagen, als „Aalrauch-Mathes“ mit Kartoffel-Specksalat, als „Scheveninger Cocktail“ mit Allerlei dazu, als „Matjes nach Holsteiner Art“ mit Birnen, Bohnen im Speck, aber auch als jungen Doppel-Hering nach Hausfrauenart mit Beilagen und Bratkartoffeln, schließlich nach „klassischer Art“ mit Zwiebeln und Speckbohnen und zu guter Letzt als „Matje-Trip“ mit Hausfrauen-Sauce und viel Leckerem dabei. Dazu gehörte als Getränk natürlich ein eisgekühlter Genever - und dem wurde reichlich zugesprochen. Aber für die Verächter der kleinen Fische wurden später auch Kaffee und Kuchen angeboten. Die Einladung zur Festmeile wurde - auch dank günstiger Witterung - von erstaunlich vielen Genießern angenommen. Schon am Samstag gab es zeitweise kaum noch Sitzplätze. Zur musikalischen Unterhaltung intonierte am Samstag das Blasorchester Brohltal aus Niederzissen unter dem musikalischen Leiter Oleg Beljak unterhaltsame Klänge, darunter - dem Anlass entsprechend - viele maritime Titel. Am Sonntag war der Kölner Shanty-Chor „Rhein-Möven“ zu Gast und verbreitete von der Bühne aus Fröhlichkeit und das zum Matjes-Essen passende beliebte seemännische Flair. Bei der Eröffnung des Festes mit Ehrengästen betonte Werner Pommer: „Die Scheveninger ‚Primtjes‘ - so heißen die ersten zarten Matjes des Jahres traditionell - sind unübertroffen in ihrem milden Geschmack“, und er ließ demonstrativ den ersten Hering im Hals verschwinden. Bürgermeister Bernd Weidenbach und Stadtbürgermeisterin Gabriele Hermann-Lersch entschieden sich stattdessen für ein Gläschen des Traditions-Getränks Genever. Die einen sind eben begeisterte Fisch-Esser, aber wer nicht gern Fisch mag, ist schwer zu überzeugen. Bernd Weidenbach gratulierte dem Veranstalter trotzdem für seine Initiative. „Das ist in diesem Jahr das dritte Mal, und damit wird das Matjes-Fest nach rheinischer Art Tradition“, sagte der Bürgermeister. Der große Zuspruch der Matjes-Liebhaber gibt dem Wirt des Restaurants „Zum Kamin“ Recht. Und wenn die Skeptiker aus der lokalen Politik erst einmal eines der köstlichen Mädchen-Heringe probiert hätten - sie würden wahrscheinlich auch bekehrt. Auf dem Festplatz lockten übrigens als Alternativen ein Wein- und Sektstand mit Produkten der Region und ein Bierstand mit prima gekühltem Kölsch. Da auch die Sonne mitspielte, stand dem Erfolg des Festes wenig entgegen. Die Idee eines solch exklusiven kulinarischen Frühsommer-Festes ist seit nunmehr drei Jahren angekommen im Bad Breisiger Veranstaltungskalender. Werner Pommers Initiative mit Augenmaß trägt Früchte - ein Erfolg, auf den er stolz sein kann und von dem die ganze Quellenstadt profitiert.
