Allgemeine Berichte | 02.01.2018

„Wir kommen daher von Gott gesandt, mit diesem Stern aus Morgenland“

Sternsinger: Segen bringen - Segen sein

von Werner Fußhöller

Sternsinger: Segen bringen - Segen sein

Brohl. Die Diözese Trier ist zum ersten Mal Gastgeber einer Aktionseröffnung der Sternsinger, welche im jährlichen Wechsel von einem anderen Bistum ausgerichtet wird. So lautet das diesjährige Leitmotiv zur gemeinsamen 60. Aktion des Kinderschutzwerkes „Der Sternsinger“ und des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ). „Segen bringen, Segen sein. Gemeinsam gegeben Kinderarbeit – in Indien und weltweit!“. So werden voraussichtlich 1400 Mädchen und Jungen aus allen Teilen des Bistums und der Nachbarbistümer zu einem zentralen Sternsinger-Auftakt im Dom zu Trier erwartet. Die Sternsinger der „Pfarreiengemeinschaft Breisiger Land“ halten ihren Entsendungs-Gottesdienst am Freitag, dem 5. Januar, in der Pfarrkirche „Maria Himmelfahrt“ in Bad Breisig ab. Der traditionelle, katholische Brauch, welcher 2015 in Deutschland in die Liste des immateriellen Kulturerbes aufgenommen wurde, fand seine erste Verbreitung im 16. Jahrhundert und erinnert so an die drei Weisen aus dem Morgenland, welche nach dem Matthäus-Evangelium (Mt. 2.1 – 12) das neugeborene Kind – einem Kometen folgend – in Bethlehem aufsuchten und mit den mitgebrachten Gaben – Gold, Weihrauch und Myrrhe – reichlich beschenkten. Über die Jahrhunderte waren es vornehmlich Schüler und Studenten, die diesem Brauch folgten und mit Heischelieder ihre ärmlichen Verhältnisse aufbesserten. Auch mit Verboten seitens der geistlichen Obrigkeit hatte man zu kämpfen, da zeitweise das Betteln und Vagabundieren dabei überhandnahm. Heute ist es so in den vornehmlich katholisch geprägten Bistümern Brauch, am Feiertag „Epiphanie – Erscheinung des Herrn“ (6. Januar) die Heiligen Drei Könige – bunt und prachtvoll verkleidet, wie man sich diese einfach vorstellt - von Haus zu Haus zu entsenden und so in einer zentralen Sternsinger Aktion für weltweite Hilfsprojekte zu sammeln. Den Menschen, die ihnen die Tür öffnen oder einlassen, singen die Sternsinger Lieder, sprechen ein Gebet oder sagen ein Gedicht auf. Als Dank schreiben sie an die Haustüren oder Türbalken mit geweihter Kreide die traditionelle Segensbitte C + M + B mit der jeweiligen Jahreszahl. Die Buchstaben C + M + B stehen hierbei allerdings nicht für die anfangs-buchstaben der drei Weisen. Erst die Legende hat den Weisen die Namen unserer Zeit gegeben: Kaspar – Melchior – Balthasar. In der heutigen Segensbitte stehen die Buchstaben C + M + B für den lateinischen Ausspruch: „Christus mansionem benedicat“, welches „Christus segne dieses Haus“ bedeutet.

Seit 1950 schon Sternsinger in Brohl

Mit dem Schulleiter Leo Stausberg, welcher von 1949 bis 1964 Leiter der achtklassigen Brohler Volksschule war, hielt auch das Sternsingen für 15 Jahre seinen segensreichen Einzug. Es ist naheliegend, dass seine in Köln verbrachte Kindheit und das Vorhandensein des Dreikönigs-Schreins im Kölner Dom der auslösende Faktor für seine Begeisterung für das Sternsingen war. Stausberg war ein Lehrer aus Berufung. Denen ihm anvertrauten vermittelte er nicht nur das vorgegebene schulische Wissen, sondern darüber hinaus waren im die Einhaltung der christlichen Kirche und Wertbereiche von großer Bedeutung. So war er auch Initiator dieses rheinischen Brauchs. Immer wieder in den Tagen um Drei Könige erfreuten sich die Brohler Bürger an den schönen Kostümen, Bärten und Kronen und an dem schon fast vergessenen Sternsingerlied. Für täglich wechselnde Teams gab es bunte, herrschaftliche Gewänder, für welche der Paramentenverein der Pfarrkirche Sorge trug. Als Maskenbildner fungierte mit viel Freude Friseurmeister August Zerwas, welcher direkt neben der Kirche sein Ladenlokal hatte. Selbst echte Bärte gaben den Königen ein ehrwürdiges Aussehen. Für den jeweiligen Kopfschmuck wetteiferten die handwerklich begabten Väter. Selbst ein batteriebeleuchteter Stern begleitete die Dreikönige – Kaspar (selbst-verständlich immer schwarz geschminkt bringt Gold) – Melchior (brachte Weihrauch) und Balthasar (bringt Myrrhe). Eine Eigenart für Brohl bildete die Begleitung des Vierfürsten Herodes, welches meist dem Ältesten der Gruppe vorbehalten war. So zogen am Dreikönigstag fünf Jungen, verkleidet als Sternträger, König Kaspar, König Melchior, König Balthasar und Vierfürst Herodes, durch die Straßen und Häuser von Brohl und über die Höfe des Dickts und trugen im Lied die Geschichte der drei Weisen aus dem Orient vor. Danach bat man um eine süße Wegzehrung und um eine Geldspende für einen guten Zweck. A: Alle; St: Sternträger; K: Kaspar; M: Melchior; B: Balthasar (gesungen) St:Wir kommen hierher von Gott gesandt, mit diesem Stern aus Morgenland. A: Wir zogen daher in schneller Eil, in 30 Tagen 400 Meil. K: Der Kaspar, der bin ich genannt, ein König aus dem Mohrenland. M: Den Melchior, so nennt man mich, den Himmelskönig suche ich. B: Ich bin der König Balthasar und folge diesem Sterne klar. K: Dem Königskinde bin ich hold und schenk im dieses rote Gold. B: Die Myrrhe ich dem Kinde zoll, sein Tod uns all erlösen soll. Herodes (gesprochen): Ich bin der böse König Herodes, das Christkind sollte sein des Todes. Nach Bethlehem wies ich die Drei, zu forschen wo das Knäblein sei. Da hatte ich jedoch kein Glück, sie kehrten in ihr Land zurück. Darob geriet ich gar sehr in Wut und ließ vergießen viel unschuldig Blut. In Bethlehem und ringsherum brachte man alle Knaben um. Vergebens! Der Christ nach Ägypten entfloh. Nun werd ich nie mehr meines Lebens froh. K: Wir zogen miteinander den Berg hinauf und sahen der Stern stand über dem Haus. M: Wir fanden das Kindlein, war nackt und bloß, Maria nahm’s auf ihren Schoß. B: Wir taten unsere Schätze auf und schenkten dem Kind Gold und Weihrauch. A: Gold, Weihrauch und Myrrhe fein, das Kind soll unser König sein! So wurden im Laufe der Jahre auf diese Weise viele nützliche Dinge für uns Schulkinder angeschafft. Darunter waren unter anderem die ehemaligen Kinderbänke in der Kirche oder Lehrmittel für die Schule. Eine bleibende Erinnerung an diese Zeit haben wir durch das Dreikönigsfenster im rechten Seitenschiff der St. Johannes Kirche, welches von Rektor L. Stausberg grafisch entworfen und von den Sternsingern „zusammen-gesungen“ worden war.

Werner Fußhöller

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