Räuber, Grausedruden und Graugnome im Bohltal unterwegs
Tanzgeschichte „Ronja Räubertochter“ ein voller Erfolg
Niederzissen. Vor Kurzem verwandelte sich die Bausenberghalle Niederzissen in eine Räuberburg, denn es tanzten die rund 170 Tänzerinnen und Tänzer der Ballett- und Tanzschule PRIMA D. aus Niederzissen unter der Gesamtleitung von Domina Schmitz „Ronja Räubertochter“.
Es ist die Geschichte eines Mädchens, Namens Ronja, die mit Ihren Eltern, dem Räuberhauptmann Mattis und Lovis Ihrer Mutter, und gemeinsam mit den Mattis-Räubern in einer Burgruine wohnen. Astrid Lindgren schrieb diese Geschichte um das Erwachsen werden und Loslassen können der eigenen Kinder. Selbst der raubeinigste Räuberhauptmann hat damit so seine Probleme. Und da sind noch die Borka Räuber, Mattis Erzfeinde. Sie hausen seit der Geburt der beiden Kinder (Ronja bei den Mattisräubern und der Junge Birk bei den Borkaräubern) in dem anderen Teil der Burgruine.
Gleich zu Beginn der Vorstellung wurde den Zuschauern klar, es darf auch spannend werden. Denn als die wilden Grausedruden (dargestellt von Tänzerinnen im Alter von 16-17Jahren) über die Bühne fegten und von Mattis dem Räuberhauptmann (perfekt besetzt mit Ulrike Basche) verjagt wurden, donnerte und blitzte es auf der Bühne, sodass die Burgruine in der die Mattisräuber hausten, in zwei Teile zerbrach.
Sehr schön inszeniert war dann, zuzusehen wie innerhalb nur eines Tanzstückes die kleine Ronja aufwuchs. Von ihrer Geburt (Babypuppe), über das Kleinkind (zauberhaft Lilli Vater, fünf Jahre ) hin zur achtjährigen Ronja (sehr überzeugend Miriam Halkenhäuser, acht Jahre). Gemeinsam mit ihrer Mutter Lovis (strahlend Dorothee Bürger) berührten die Tänzer in dieser sanften Szene die Herzen des Publikums. Als der Mond (Svenja Schwarz) mit seinen Sternen (ab vier Jahre) einzog, flogen auch noch die Fledermäuse (ab sieben Jahre) wild flatternd und gekonnt herum.
Pure Tanzfreude
Mit Tanzfreude zu glänzen und darüber hinaus das Können, auch noch schauspielerisch zu überzeugen, das schafften dann die Mattis Räuber, als sie beim Saufgelage schwer „betrunken“ zwischen Hühnern und Bierkrügen mit Ronja feierten, die in dieser Szene dann wieder durch einen Alterssprung (Peggy Coors, als tänzerisch ausdrucksstarke Performerin von Beginn an) erwachsener wurde. Die Läuse und Flöhe (drei bis fünf Jahre) tanzten mit den Räubern und in jedem der kleinen Gesichter konnten die Zuschauer erkennen, mit welcher Freude schon die Allerjüngsten bei solch einem Großprojekt auf der Bühne stehen. Anspruchsvoll war dann die Choreografie der Ratten (ab 15 Jahre), die zum Ende Ihres Tanzes sogar einen Rattenkönig (Tessa Mercer) kürten.
Nachdem der Frühling (ab neun Jahre) mit seinen vielen Blumenreifen die Bühne in Farbe tauchte und die Seerosen (ab sieben Jahre) ihren wunderbar anzusehenden Tanz zeigten, durfte Ronja auch in den Wald.
Verhängnisvolle Begegnung
Vor der Burgruine begegnete sie dann Birk (Annika Mallek). Die beiden lieferten sich eine tänzerische Battle (perfekt dargestellt als Methapher von den Ronja Mädels, ab acht Jahre und den Birk Jungs, ab neun Jahre). Mit gefährlich blitzenden Augen tanzten sich ganz im Modern Dance Stil die Graugrome (ab elf Jahre) durch den Mattiswald und hätte Mattis nicht früh genug seine Ronja vor Ihnen beschützt, wäre vielleicht die Geschichte anders verlaufen. Den Räuberüberfall auf die mit Gold und wertvollem Geschirr picknickenden Edelleute (ein toller folkloristischer Tanz, der 14-Jährigen) nimmt man den Mattisräuber ohne zu zögern ab und die Eichhörnchen (ab sieben Jahre) tanzten sich mit ihren Puschelschwänzchen am Kostüm schnell in die Herzen der ausverkauften Bausenberghalle.
Überzeugend dramatisch wurde es dann, als Mattis den zuvor gefangen genommenen Räuberjungen Birk vor die Burg zum Höllenschlund brachte. Birks Vater Borka (Astrid Gehrke) und seine Mutter Undis (Nina Stephan) zeigten tänzerisch die ganze Emotionalität zwischen Wut und Verzweiflung. Als Ronja über den Höllenschlund zu Mattis Erzfeind sprang lässt Mattis seinen „Gefangenen“ Birk zwar frei, jedoch kann er Ronjas Reaktion nicht akzeptieren und verstößt sein Kind. Ab dieser Szene lebten Ronja und Birk im Wald und dort tanzten nicht nur lustige Gestalten, wie die Rumpelwichte mit ihren großen Wichtelohren (ab neun Jahre). Die Unterirdischen Nebelgeister (ab 18 Jahre) überzeugten in ihrer anspruchsvollen Choreografie durch Technik, Ausdruck und perfekte Körperspannung. Am Lagerfeuer (ab sieben Jahre) grillten die beiden Protagonisten ihre Fische, die sie sich nach einer hungrig machenden Jagd auf die Wildpferde (ab elf Jahre) am Wasserfall (ab neun Jahre) geangelt hatten. Die durch einige Helfer selbst geschneiderten Kostüme der einzelnen Gruppen unterstrichen die zu tanzenden Charaktere perfekt. Als der Wind aufkam (ab elf Jahre) und es Herbst wurde (ab zehn Jahre) ließ der Winter mit seinen kleinen Schneeflocken (ab drei Jahre) nicht mehr lange auf sich warten. Wunderschön anzusehen die Eiskristalle in Spitzenschuhen (ab 15 Jahre).
Glückliche Heimkehr
Nur durch einen durchsichtigen Vorhang räumlich voneinander getrennt, tanzten dann die Mattis Räuber auf der einen Bühnenhälfte und Ronja mit Birk auf der anderen Hälfte, eine Hip Hop-Choreografie in der die Zerrissenheit und die Sehnsucht der Gefühle beider Seiten (Vater/Tochter) deutlich erkennbar wurde. Mattis holte seine Ronja zurück und nahm auch Birk mit zurück zur Burg. Ein wunderbar gesprochener Räuber Rap (Borka und Mattis Räuber) entschied dann letztendlich, dass Mattis der Hauptmann aller Räuber sein sollte und verlangte den Darstellern nicht nur tänzerische Fähigkeiten ab. Den wilden Freudentanz lieferte dann die fantastisch aufeinander eingestimmte Räubertruppe der Mattis- und der Borka Räuber. Der erschöpfte, alte Glatzen Peer (Ulrike Ewald) überlebte diesen Tanz nicht. Die Abschiedsszene wurde gerade auch für die kindlichen Zuschauer sehr feinfühlend inszeniert.
Zum Schluss drehten dann alle Räuber noch einmal tänzerisch auf und Ronja und Birk konnten in einem grandiosen Solo ihre ganze tänzerische Vielfältigkeit unter Beweis stellen. Es zeigte sich einmal mehr, dass das Brohltal tänzerisch und künstlerisch etwas zu bieten hat. Mit dieser Bühnenvostellung hat die Tanz- und Ballettschule PRIMA D. die Erwartungen der Zuschauer absolut übertroffen und konnte einmal mehr ihr hohes Leistungsniveau mit Liebe zum Detail, tänzerischer Finesse und schauspielerischem Witz unter Beweis stellen.
