Politik | 27.06.2014

Kreisstraße in Lützingen wird für 622.000 Euro erneuert

Wohnstraße wird zur Slalomstrecke

Autofahrer befolgen weiträumige Umleitung und Sperrung nicht - Anwohner hoffen auf schnelle Fertigstellung

Nur Anlieger dürfen die Kreisstraße 69 befahren, doch viele Autofahrer kümmern sich nicht um diese Einschränkung.WM

Burgbrohl - Lützingen. Die Kreisstraße 69 schlängelt sich durch die Hügellandschaft, verbindet Burgbrohl mit Niederlützingen, ist besser bekannt als Fritz-Beck-Straße und eine wichtige Verbindung zwischen B 9 und Rheinschiene sowie Brohltalstraße und Burgbrohl. Doch zur Zeit ist die K 69 gesperrt, wird für 622.000 Euro erneuert. Weiträumig sind Umleitungen ausgeschildert, lediglich Anlieger dürfen die Verbotsschilder passieren. Daran halten sich aber viele Ortsfremde nicht. Und fahren zum Beispiel in Lützingen über die Straße „In der Hohl“. Eine Spielstraße, die sonst tagsüber fast idyllisch aussieht. Gepflegte Gärten, saubere Wege, Parkflächen an den Rändern. Doch seit drei Wochen ist es vorbei mit der Gemütlichkeit. Autos fahren nun durch den „verkehrsberuhigten Bereich“, wie es im Amtsdeutsch heißt. Am Straßenrand steht Michael Thönnes, er ist Fahrlehrer und kennt sich mit dem Straßenverkehr und den Regeln bestens aus. So weiß er nicht nur, dass die Autofahrer gerade mal nur im Schritttempo auf einer Spielstraße unterwegs sein dürfen, er weiß auch, dass jetzt viele zu schnell an den Vorgärten vorbeibrausen. Johanna Hoß und Carolin Serger gehen gerade mit ihrem „Basti“ spazieren, halten ihn besser an der Leine. „Sonst können wir ihn ohne Gefahr frei laufen lassen, doch seit die Kreisstraße gesperrt ist, fahren so viele hier durch. Auf dem Weg zum Supermarkt oder um abzukürzen“, sagen die beiden jungen Frauen. Doch es scheint, dass die Lützinger sich mit den Behinderungen und dem fremden Verkehr im Wohngebiet abgefunden haben. Aber: Sie alle setzen darauf, dass die Bauzeit von fünf Monaten eingehalten werden kann.

Bisher läuft alles planmäßig

Das wünscht sich auch Walter Schneider, der Ortsbürgermeister von Burgbrohl. „Nach allem, was ich bisher gehört habe, wird die ausführende Firma Eurovia im Plan bleiben. Beschwerden der Lützinger hat es bisher nicht gegeben. Das liegt auch an der guten Vorarbeit. Wir haben vor der Maßnahme mit dem Landesbetrieb Mobilität die Bürger offen auf alle Beeinträchtigungen hingewiesen. Einmal in der Woche führen wir ein Baustellengespräch, zu dem jeder Interessent kommen kann.“ Sollte ein Anlieger während der Umbauphase Möbel bekommen oder umziehen, werde die Firma eine Zufahrt ermöglichen. Auch die Versorgung Pflegebedürftiger sei gewährleistet. „Natürlich leiden die Lützinger unter den Auswirkungen der Baustelle. Wegen des zusätzlichen und in den Nebenstraßen oft zu schnellen Verkehrs appelliere ich an die Autofahrer, sich umsichtig und verkehrsgerecht zu verhalten. Dazu sollte die Polizeiinspektion Remagen Raser und falsche Anlieger zur Kasse gebeten. Dann hört das auf.“ Johanna Hoß und Carolin Serger hatten beobachtet, wie Polizisten den Verkehr überprüften. „Aber nach einer halben Stunde waren die wieder weg.“

Raser in den Wohnstraßen

Die drei Lützinger am Straßenrand zeigen auf einen Ortsfremden ohne AW-Kennzeichen, der wirklich wie auf der Slalompiste über die Wohnstraße rast. Als er uns sieht und sich beobachtet fühlt, bremst er ab, um gleich hinter der nächsten Kurve wieder Gas zu geben. Grundsätzlich sind die Bürger von Lützingen erst einmal froh, dass die marode Straße erneuert wird und Versorgungsleitungen eingelassen werden. „Bei jeder Baustelle muss man Einbußen hinnehmen“, sagt dazu auch Peter Engels, der Sprecher der Verbandsgemeinde Brohltal. Bisher hatte sich noch kein Bürger im Rathaus beschwert. „In den ersten drei Wochen gab es unseres Wissens nach keine Probleme. Wir hoffen, dass das so bleibt und die Arbeiten vor dem Winter fertig sind.“ Eine Herausforderung steht den Lützingern am ersten Juli-Wochenende bevor: Zur Kirmes wurden zusätzliche Parkflächen geöffnet. Denn wegen der Baustelle sind im Ort etliche Parkplätze weggefallen. „Die öffentlichen Plätze und das Bauhofgelände geben wir zur Kirmes frei“, verspricht Walter Schneider.

Lob von allen Seiten gibt es bisher für den Landesbetrieb Mobilität (LBM) in Cochem. Der hatte den Bürgern die Gesamtmaßnahme bei der Bürgerversammlung erläutert. Dann hatte am 2. Juni der Ausbau der Kreisstraße 69, Fritz-Beck-Straße, in der Ortsdurchfahrt Burgbrohl-Lützingen begonnen. LBM-Leiter Bernd Cornely erläuterte die Eckdaten im Gespräch mit „Blick aktuell“: „Die Maßnahme zieht sich vom Ortsschild aus Burgbrohl kommend durch die gesamte Ortschaft Lützingen bis zum Ortsende. Die Baulänge beträgt in zwei Abschnitten zusammen 680 Meter. Die vorhandene Fahrbahn ist zwischen 3,60 und 5,50 Meter breit. Die Fahrbahnoberfläche weist starke Schäden (Längs- und Querrisse sowie Verdrückungen) auf.“ Gemeinsam zuständig sind der Landkreis Ahrweiler, die Ortsgemeinde Lützingen, der Entsorgungs- und Servicebetrieb Bad Breisig-Brohltal, der Wasserversorgungs-Zweckverband „Maifeld-Eifel“ und die Verbandsgemeinde Bad-Breisig. Im ersten Bauabschnitt, der an der Gemeindestraße Herchenbergweg beginnt und bis zum Ortsende in Richtung Niederlützingen reicht, wird die Fahrbahn vollständig erneuert, so Bernd Cornely weiter. Dabei wird der Rinnenbordstein durch einen Rundbordstein ersetzt. Im zweiten Bauabschnitt, der sich vom Ortsanfang aus Burgbrohl kommend bis zur Einmündung Herchenbergweg erstreckt, werden die beiden obersten Asphaltschichten der Straße (Binder- und Deckschicht) erneuert, in Teilbereichen muss der gesamte Straßenaufbau neu gelegt werden. Die Ortsgemeinde Burgbrohl führt eine Instandsetzung einzelner Stellen im Gehwegbereich sowie in vereinzelten Einmündungsbereichen durch. Der Entsorgungs- und Servicebetrieb Bad Breisig-Brohltal erneuert die Kanalleitung, der Wasserversorgungs-Zweckverband „Maifeld-Eifel“ Wasserleitungen und Hausanschlüsse. Die Verbandsgemeinde Bad-Breisig verlegt unter dem Gehweg ein Leerrohr zur besseren Internet-Anbindung für Niederlützingen. „Früher wurden oft solche Arbeiten nicht gleichzeitig durchgeführt. Das führte zu mehr Belastungen für die Anlieger und war deutlich teurer. Heute bemüht man sich, Straße, Gehwege und Versorgungsleitungen gleichzeitig anzupacken. Das ist hier sehr gut umgesetzt“, freute sich Bernd Cornely über die gute Abstimmung.

621.700 Euro Gesamtkosten

Für die Maßnahme ist die K 69 voll gesperrt. Der öffentliche Verkehr wird über Niederlützingen, die B 412 und Burgbrohl geführt. Den Ausbau hat die Firma Eurovia übernommen. Die Bauzeit wird etwa fünf Monate betragen. Der Kreisausschuss Ahrweiler hat der Auftragsvergabe am 12. Mai zugestimmt. Die Gesamtkosten betragen 621.700 Euro. Davon zahlen 8.600 die Ortsgemeinde Lützingen, 186.000 der Entsorgungs- und Servicebetrieb Bad Breisig, 80.900 der Wasserversorgungs-Zweckverband „Maifeld-Eifel“ und 7.100 Euro die Verbandsgemeinde Bad-Breisig. Die Kosten für den Straßenausbau der K 69 belaufen sich auf 339.000 Euro, der Kreis erhält vom Land Rheinland-Pfalz eine Förderung in Höhe von 71 Prozent der förderfähigen Kosten. „Wir bitten die Verkehrsteilnehmer und Bewohner der direkt und indirekt betroffenen Straßen um Verständnis für die Beeinträchtigungen. Nach der Fertigstellung der K 69 wird die Verkehrsinfrastruktur des Landkreises Ahrweiler weiter verbessert sein“, erklärte Bernd Cornely, der Leiter des LBM Cochem-Koblenz.

Nur kurz stehen Johanna Hoß, Michael Thönnes und Carolin Serger mit Basti auf der Spielstraße, dann kommt schon das nächste Auto

Nur kurz stehen Johanna Hoß, Michael Thönnes und Carolin Serger mit Basti auf der Spielstraße, dann kommt schon das nächste Auto

Voll gesperrt ist die Fritz-Beck-Straße in Lützingen, die Arbeiten sollen nach fünf Monaten abgeschlossen sein.
Nur Anlieger dürfen die Kreisstraße 69 befahren, doch viele Autofahrer kümmern sich nicht um diese Einschränkung.WM

Nur Anlieger dürfen die Kreisstraße 69 befahren, doch viele Autofahrer kümmern sich nicht um diese Einschränkung.Fotos: WM

Nur Anlieger dürfen die Kreisstraße 69 befahren, doch viele Autofahrer kümmern sich nicht um diese Einschränkung.Fotos: WM

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