Politik | 12.09.2014

Hinweise auf Kindeswohlgefährdung im Landkreis Neuwied steigen weiter an

Hohes Engagement der Fachkräfte im Kreisjugendamt

Hallerbach: Quantitative und qualifizierte Fachkräfte für Rufbereitschaft dringend notwendig

Kreis Neuwied. 296 Hinweisen auf Gefährdung des Kindeswohls musste das Jugendamt des Landkreises Neuwied im Jahre 2013 nachgehen. Waren es im Jahre 2007 noch 137 Hinweise, die durch die Fachkräfte des Jugendamtes überprüft werden mussten, ist diese Zahl seither kontinuierlich gestiegen. Gegenüber 256 Mitteilungen im Jahre 2012 ist dies auch noch einmal eine deutliche Steigerung.

Strukturiertes Verfahren

Der Erste Kreisbeigeordnete Achim Hallerbach weist darauf hin, dass das Kreisjugendamt mittlerweile ein fest strukturiertes Verfahren zur Überprüfung von Hinweisen auf Kindeswohlgefährdung entwickelt hat. Aufgrund der hohen Anzahl der Hinweise sind mittlerweile im Kreisjugendamt drei Fachkräfte in der Woche komplett zur Überprüfung von Hinweisen auf Kindeswohlgefährdung abgestellt. „Häufig reicht auch diese Zahl der Mitarbeiter nicht aus, um die an einem Tag eingehenden Hinweise ordnungsgemäß zu überprüfen“, so der Leiter des Allgemeinen Sozialen Dienstes, Uwe Kukla. Im Kreisjugendamt werden sämtliche Meldungen an eine zentrale Nummer weitergeleitet, über die der sogenannte Gefährdungsdienst erreichbar ist. Zusätzlich verfügt das Kreisjugendamt seit dem 1. Oktober 2012 über eine Rufbereit-schaft außerhalb der regulären Dienstzeiten, die in Notfällen durch die Polizeidienststellen erreicht werden kann. „Damit ist das Kreisjugendamt in Notfällen rund um die Uhr direkt erreichbar“, so Achim Hallerbach. Das Kreisjugendamt meldet seine Daten im Rahmen eines Landesprojektes an das Institut für Sozialpädagogische Forschung (ISM) in Mainz, das die Hinweise auf Kindeswohlgefährdung auswertet. Danach waren in 2012 die wichtigsten Hinweisgeber Bekannte/Nachbarn mit 23,1 Prozent, Elternteile mit 15,3 Prozent, gefolgt von Polizei/Staatsanwaltschaft/Gericht mit 13 Prozent und Verwandten mit 8,6 Prozent. 8,1 Prozent der Melder wollen anonym bleiben. „Im Verantwortungsbereich des Kreisjugendamtes wird das weitere Vorgehen in einem strukturierten Verfahren, das regelmäßig durch mehrere Fachkräfte gemeinsam mit der Leitung des Allgemeinen Sozialen Dienstes beraten und die weiteren Schritte abgestimmt. In 86,5 Prozent der Fälle fand nach Eingang einer Meldung ein direkter Kontakt mit den Eltern / Kindern statt“, erläutert der Erste Kreisbeigeordnete Achim Hallerbach. Die statistische Erfassung des Landes unterscheidet zwischen akuten und latenten Kindeswohlgefährdungen. In 11,5 Prozent der Fälle wurde eine akute Kindeswohlgefährdung festgestellt, in 27,1 Prozent eine latente.

Mit den Eltern in Kontakt bleiben

„In diesen Fällen“, so Uwe Kukla, „bleibt der Allgemeine Soziale Dienst des Jugendamtes mit den Eltern in Kontakt, um die weitere Entwicklung zu überprüfen.“ In 37,5 Prozent der Fälle wurde zwar keine direkte Gefährdung des Kindes, aber ein Unterstützungsbedarf der Familie oder der Eltern festgestellt. Nur in 23,9 Prozent lag weder Gefährdung noch Unterstützungsbedarf vor. Damit ist in mehr als Dreiviertel der Fälle eine weitere Hilfestellung durch das Jugendamt oder mit dem Jugendamt zusammenarbeitende Träger bzw. Institutionen erforderlich, so Jürgen Ulrich, Leiter des Kreisjugendamtes. Daraus lässt sich schließen, dass Hinweise auf Kindeswohlgefährdung häufig vor allem einen Indikator für einen bestehenden Hilfebedarf von Familien oder Kindern darstellen. Auch die Arten der Gefährdung weisen darauf hin: 55,9 Prozent der Hinweise beziehen sich auf eine Vernachlässigung von Kindern, 30,7 Prozent auf Anzeichen körperlicher Misshandlung und 14,3 Prozent auf Anzeichen einer psychischen Misshandlung. Lediglich in knapp 40 Prozent waren keine weiteren Hilfen erforderlich. In allen anderen Fällen wurde in unterschiedlicher Form durch das Jugendamt Unterstützung gegeben, sei es durch formlose Beratung durch Fachkräfte des Allgemeinen Sozialen Dienstes, durch die Einleitung von Hilfen nach dem Kinder- und Jugendhilfegesetz oder die Vermittlung in andere Beratungsangebote der Beratungsstellen oder auch der Kinder- und Jugendpsychiatrie. Zufrieden zeigt sich der Erste Kreisbeigeordnete und Dezernent für Kinder und Familie, Achim Hallerbach, mit dem strukturierten Verfahren, mit dem Hinweise auf Kindeswohlgefährdung nachgegangen wird. Damit soll vor allem sichergestellt werden, dass keinerlei Informationen verloren gehen oder ein erforderlicher Hilfebedarf bei den Betroffenen möglicherweise nicht ankommt. Hallerbach betonte, dass diese Aufgabe für die Fachkräfte des Jugendamtes mit erheblichen Belastungen verbunden sei, kämen die Mitarbeiter zum Teil doch in sehr schwierige Lebenssituationen.

Gute Ausgangslage

„Auch eine geregelte Arbeitszeit kennen unsere Mitarbeiter nicht, wenn sie den Hinweisen auf Kindeswohlgefährdung nachgehen,“ so Hallerbach. Er zeigte sich insofern dankbar für das große Engagement der Fachkräfte des Kreisjugendamtes. „Ich denke, dass wir mit der heutigen Struktur im Sozialen Dienst des Kreisjugendamtes eine gute Ausgangslage haben, Gefahrensituationen früh genug zu begegnen. Eine 100-prozentige Sicherheit zu erreichen wird schwierig sein, aber mit gut ausgebildeten, qualifizierten und engagierten Fachkräften sowie einer quantitativen Personalausstattung, versuchen wir auch den politischen Forderungen auf Schutz des Kindeswohl gerecht zu werden,“ betont der Erste Kreisbeigeordnete Achim Hallerbach abschließend.

Pressemitteilung

Kreis Neuwied

Artikel melden

? Vielen Dank! Ihre Meldung wurde erfolgreich versendet.
? Es gab einen Fehler beim Versenden. Bitte versuchen Sie es später erneut.
Kommentare
Neueste Artikel-Kommentare
  • Siegfried Kowallek: Verwunderlich ist weiterhin, dass die SPD der Neuwieder CDU vorhält, gegen den Unvereinbarkeitsbeschluss der Christdemokraten in Bund und Land im Hinblick auf die Partei Die Linke zu verstoßen. In insgesamt...
  • Siegfried Kowallek: Die Nennung von BSW und der Partei Die Linke im selben Kontext ist sachlich nicht gerechtfertigt und damit unredlich. Prominentester linker Befürworter deutscher Waffenlieferungen an die Ukraine ist Bodo...
  • Beatrix Biskup: Ich habe Bibliotheken immer geliebt und ich freue mich über jeden Schritt den die Stadtbibliothek in Richtung Zukunft geht und über jede Veranstaltung die diese durchführen würde.
  • Janek: Wer die Strecke kennt, kann sich den Grund bereits denken … Der Straßenzustand ist dort so schlecht, dass er besonders für Motorradfahrer ein ernstzunehmendes Sicherheitsrisiko darstellt. Dem verunglückten...
Monatliche Anzeige
Holz Loth-Entsorgung
Osterangebot
Kreishandwerkerschaft
Koblenz blüht // Frohe Ostern 2026
PR-Anzeige
Feierabendmarkt Bad Neuenahr / o.B. Sponsoring
Anzeige Lange Samstage
Empfohlene Artikel
Weitere Artikel
Symbolbild. Foto: pixabay.com
127

Im Bereich der Ahrtalbahn könnte es nachts etwas lauter werden:

Ab 15.04.: Schleifzüge fahren auf der Ahrstrecke

Kreis Ahrweiler. Seit Dezember 2025 fahren die Züge wieder vollständig auf der gesamten Ahrstrecke zwischen Remagen und Ahrbrück. Seit März 2026 sind beide verkehrenden Linien rein elektrisch und damit umweltfreundlicher unterwegs. Damit die neuen Schienen nun noch einen „letzten Schliff“ erhalten können, wird nachts ein Schleifzug unterwegs sein. Dies betrifft die folgenden Zeiträume und Abschnitte:

Weiterlesen

10

Ausbau der Ladeinfrastruktur am Rathaus

Neuer Schub für die Elektromobilität

Meckenheim. Das regionale Energieunternehmen e-regio erweitert die Ladeinfrastruktur in Meckenheim und schafft am Rathausparkplatz zusätzliche Möglichkeiten zum komfortablen Laden von Elektrofahrzeugen. Aufgrund der hohen Nutzung der bestehenden Ladesäule werden derzeit zwei neue AC-Ladesäulen mit insgesamt vier Ladepunkten installiert. Die neuen Ladepunkte sind so angeordnet, dass sie von jeweils zwei Parkbuchten optimal erreichbar sind.

Weiterlesen

14

Allgemeine Berichte

Ortsübliche Bekanntmachung

Sinzig. Ortsübliche Bekanntmachung über die öffentliche Bekanntgabe der Bestimmung und Abmarkung von Flurstücksgrenzen in der Gemeinde _Sinzig_______ In der Gemarkung __Bodendorf______, Flur __13__, Flurstücke __124/1, 133______ wurden die Flurstücksgrenzen aus Anlass einer Liegenschaftsvermessung auf Antrag bestimmt und abgemarkt. Über diese Maßnahmen wurde am _17.3.2026_ eine Grenzniederschrift angefertigt.

Weiterlesen

Dauerauftrag
Essen auf Rädern
Kreishandwerkerschaft
Kreishandwerkerschaft
Alles rund ums Haus
Rund ums Haus
Innovatives rund um Andernach
Koblenz blüht 2026
Koblenz blüht
Maschinenbediener, Staplerfahrer
Vortrag: Arthrose des Hüft- und Kniegelenk
Tag der offenen Tür
Container Anzeige
Innovatives rund um Andernach
SB Standesamt
Anzeigenauftrag FMP-1P9L0-AD-351131
Ostergrußanzeige
Unterstützeranzeige
Imageanzeige - Ostern