Flutfolgen an der Ahr
Angelsportverein Hönningen-Liers stärkt heimische Bachforelle an der Ahr
aus Hönningen
Hönningen. Die Folgen der Flutkatastrophe sind an der Ahr bis heute spürbar. Auch das Pachtgewässer des Angelsportvereins Hönningen-Liers wurde damals fast vollständig zerstört. Besonders sensible heimische Fischarten wie Äsche und Bachforelle kommen seitdem nur noch in sehr geringen Populationen vor. Für den Angelsportverein Hönningen-Liers steht deshalb fest: Es reicht nicht aus, allein Brütlinge einzusetzen. Ebenso wichtig ist es, die natürliche Gewässerstruktur wiederherzustellen und den Lebensraum der Fische nachhaltig zu verbessern.
Gerade in den heißen Sommermonaten zeigt sich, wie schwierig die Situation vielerorts noch immer ist. Fehlende schattenspendende Unterstände und natürliche Rückzugsräume führen dazu, dass sich das Wasser stark erwärmt. Der Sauerstoffgehalt sinkt und für heimische Fischarten entstehen schnell lebensbedrohliche Bedingungen. Mit großer Eigeninitiative versucht der Verein deshalb, auch diese Situation aktiv zu verbessern und der Ahr wieder mehr Struktur und Qualität als Lebensraum zurückzugeben.
Parallel dazu engagieren sich die Vereinsmitglieder mit viel Geduld, Fachwissen und ehrenamtlichem Einsatz für den Wiederaufbau der heimischen Bachforellenbestände. Bereits im vergangenen Jahr konnten rund 20.000 Bachforellen erfolgreich aufgezogen und in die Ahr eingesetzt werden. In diesem Jahr wurde das Projekt noch einmal deutlich ausgeweitet: Aktuell betreut der Verein rund 40.000 Bachforelleneier. Ziel ist es, die heimische wilde Bachforelle im Pachtgewässer bei Hönningen langfristig wieder zu stärken und stabile, naturnahe Bestände aufzubauen.
Die Aufzucht beginnt bereits in einem sehr sensiblen Entwicklungsstadium. Schon im sogenannten Augenpunktstadium werden die Eier alle zwei bis drei Tage kontrolliert. Nicht befruchtete oder abgestorbene Eier werden sorgfältig entfernt, um Pilzbefall zu verhindern. Diese aufwendige Pflege ist entscheidend für eine erfolgreiche Entwicklung der Brut. Untergebracht sind die Eier in speziell angefertigten Brutboxen, die der Verein in Eigenleistung nach einem bewährten Vorbild aus Süddeutschland gebaut hat. Die Boxen schwimmen direkt im Gewässer und werden von der natürlichen Strömung umspült. Dadurch passen sie sich dem Wasserstand an und bieten den empfindlichen Eiern auch bei wechselnden Bedingungen zusätzlichen Schutz.
In jeder Box befinden sich rund 15.000 Eier. Je nach Wassertemperatur schlüpfen die Brütlinge nach etwa ein bis zwei Wochen. Danach folgt eine weitere wichtige Phase: Zunächst zehren die jungen Fische von ihrem Dottersack, bevor sie nach etwa drei bis vier Wochen frei zu schwimmen beginnen. Erst dann werden sie in kleinen, gezielt ausgewählten Gruppen in die Ahr eingesetzt. Dieses behutsame Vorgehen verbessert die Überlebenschancen der Jungfische deutlich und trägt dazu bei, einen möglichst naturnahen Bestand aufzubauen.
Dass diese Methode erfolgreich ist, zeigt sich auch in der Region. So führen die Angelfreunde aus Fuchshofen das Verfahren bereits seit zwei Jahren nach dem gleichen Prinzip erfolgreich durch. Das Projekt gewinnt damit entlang der Ahr zunehmend an Bedeutung.
Der Angelsportverein Hönningen-Liers würde sich freuen, wenn sich weitere Pächter und Angelsportvereine ähnlichen Maßnahmen anschließen. Denn nur gemeinsam kann es gelingen, die Bestände heimischer Fischarten in der Ahr nachhaltig zu stärken und ein durch die Flut schwer getroffenes Gewässer wieder Schritt für Schritt zu beleben.
Bei Fragen oder Interesse steht der Verein gerne zur Verfügung. Für das kommende Jahr sind zudem Einblicke vor Ort geplant.
