Allgemeine Berichte | 03.09.2013

Winzerfest in Ahrweiler

Die 68. Burgundia heißt Carina Mombauer

Bei der gut besuchten Proklamation am Freitagabend wurde auch Vorgängerin Carolin Groß verabschiedet

Die 68. Burgundia heißt Carina Mombauer

Ahrweiler. Ahrweiler hat eine neue Burgundia - und zwar ein „echt Ahrweiler Mädche“. Denn Carina Mombauer, die nunmehr 68. Weinkönigin der Stadt, ist vor 22 Jahren in der Kreisstadt geboren, in der Adenbachhut aufgewachsen. Sie sei in eine „Familie geboren, die seit Jahrhunderten in Ahrweiler wohnt und wirkt“, sagte sie bei der hervorragend besuchten Proklamation am Freitagabend auf dem Marktplatz. Auch die Tochter von Maler- und Lackierermeister Dieter und Kauffrau Gisela Mombauer selber kann sozusagen einen klassischen Ahrweiler Lebenslauf vorzeigen: Nach dem Besuch der Aloisius-Grundschule wechselte sie zum Peter-Joerres-Gymnasium, wo sie vor drei Jahren ihr Abitur ablegte. Es folgte der Ausbildung zur staatlich anerkannten Ergotherapeutin, die sie kürzlich abgeschlossen hat. Zeitgleich zum Amtsantritt als Burgundia hat sie zum 1. September als Ergotherapeutin an der Dr. von Ehrenwall’schen Klinik in Ahrweiler nahe des Obertors begonnen. Die 22-Jährige, die zu ihren Hobbys Tennis zählt, stammt zwar aus keinem Weingut - und der „Uropa war der letzte aktive Winzer“, wie sie berichtete. Aber dennoch sei der Bezug zum Wein eng: „Insbesondere bei der Traubenlese ist die ganze Familie aktiv. Dabei habe auch ich meine ersten Erfahrungen sammeln dürfen. Und in meiner Freizeit war ich vermehrt im Weingut Kloster Marienthal tätig. Dort zählten der Kontakt zu den Gästen, deren Beratung sowie der Weinverkauf zu meinen Aufgaben“, sagt, Carina Mombauer und erklärt, worum sie sich für das Amt als Weinkönigin beworben hat: „Seit meiner Grundschulzeit habe ich schon vielfach die wunderschönen Winzerfestzüge in Ahrweiler aktiv unterstützt. Dies mit dem Amt der Burgundia krönen zu dürfen, ist mir eine Freude und große Ehre. Ein lang ersehnter Traum geht für mich in Erfüllung. Nun freue ich mich auf ein spannendes Jahr. Neue Erfahrungen zu sammeln, ist für mich interessant und spannend. Auch in meinem Beruf steht der Mensch für mich im Mittelpunkt. Auf das Kennenlernen von und die Interaktion mit anderen freue ich mich sehr.“ Für ihre künftige Amtszeit ist es ihr wichtig, „meine Heimat und meine Heimatstadt und ihren Wein zu repräsentieren und als Burgundia die Traditionen zu leben.“ Und sie ergänzt: „Ich möchte meinen Beitrag leisten, den Ahrwein über die Grenzen des Ahrkreises hinaus bekannt zu machen. Denn Wein ist das Kulturgut der Region schlechthin.“ Sie erinnerte auch an die ersten Weinfeste in Ahrweiler vor 80 Jahren, die „noch einen ganz anderen Charakter gehabt“ hätten - und an „die Reise der zwölf Ahrweiler Mädchen 1936 nach Stettin“, um für den Ahrwein zu werben.

„Schönes, prägendes Jahr“

Ihre Krone hatte Carina Mombauer bereits auf, als sie am Freitagabend, auf der Rückbank eines Cabrios sitzend, auf dem Marktplatz einfuhr. Die traditionelle Amtskette der Burgundia erhielt sie von Vorgängerin Carolin Groß umgehängt. Deren Verabschiedung stand im Mittelpunkt des ersten Teils der Proklamation, die von der ehemaligen Burgundia Stefanie Koll-Bensberg und dem Sohn des gleichnamigen Bacchus, Rudi Wolber, moderiert wurde. „Ich habe natürlich ein Tränchen im Auge, freue mich aber auch für meine Nachfolgerin“, sagte Groß. Es sei „ein schönes, prägendes Jahr“ für sie gewesen, in dem sie die „stolze 120er-Terminmarke geknackt“ habe. Dabei seien Veranstaltungen in Stadt und Kreis gewesen, aber auch in Münster und Düsseldorf. Denn die Burgundia sei heute eine echte „Botschafterin für den Wein“. Das altbekannte Klischee einer Weinkönigin - „trinken und winken“ - sei längst veraltet. Sie sei an ihrem „Amt gewachsen“, sie habe neue Stärken entwickelt und Schwächen beseitigt - mit „viel Übung und einem Rhetorikseminar“. Manch Besucher der Proklamation mag sich angesichts dieser Worte vielleicht gefragt habe, warum gerade Letzteres nötig war, zeigte sich Carolin Groß doch sprachgewaltig, wortgewandt, witzig und selbstbewusst wie eh und je. Sie selber habe für sich in diesem Amtsjahr tiefe Einblicke in den hiesigen Weinbau gewonnen, „Heimat und die Produkte unserer wundervollen Winzer entdeckt“. Außerdem habe sie viele neue Menschen kennengelernt und sei bereits Bekannten näher gekommen. Nun freue sie sich bereits auf den Burgundia-Stammtisch, der sich alle zwei Monate in einer örtlichen Lokalität trifft. Aus ihren positiven Erfahrungen heraus wolle sie jungen Mädchen Mut machen, sich für das Amt als Weinkönigin zu bewerben, sagte Groß abschließend. Burgundia-Begleiter Wolber erinnerte sich an einige „hitzige Momente“ im Umgang mit der „temperamentvollen Burgundia“, insgesamt lautete jedoch sein Fazit: „Was für ein geiles Jahr!“

Blumen in flüssiger Form

Auch Vorgängerin Katja Wolber unterstrich in ihrer Laudatio auf die scheidende Weinmajestät deren „schlagfertige, witzige und charmante Art“. Anschließend gab es für Carolin Groß „Blumen in flüssiger Form“, nämlich einen von verschiedenen Ahrweiler Winzerbetrieben zusammengestellten Weinkorb. Stadtbeigeordneter Rudi Frick steckte in Vertretung von Bürgermeister Guido Orthen der nun ehemaligen Burgundia als Dank für ihre Amtszeit den Stadtring an den Finger. Mit auf der Bühne waren an diesem Abend übrigens auch die Burgundia von 1963, also die Goldjubilarin Margarete Ketz (geb. Schragen) und Silberjubilarin Manuela Schumacher (geb. Wirtz). Für die Einstimmung auf den gelungenen Abend sorgte der gemeinsame Chor aus „Lyra“ Walporzheim und Männer-Gesangverein Ahrweiler 1861 mit einem Ständchen, für die sonstige musikalische Untermalung die Musikvereinigung Bad Neuenahr-Ahrweiler 1910.

Die 68. Ahrweiler Burgundia Carina Mombauer.

Die scheidende Burgundia Carolin Groß und Bacchus Rudi Wolber sen. ziehen gemeinsam auf den Marktplatz in Ahrweiler ein.

Bacchus Rudi Wolber sen. zusammen mit Silberjubilarin Manuela Schumacher (l.) und Goldjubilarin Margarete Ketz.

Burgundia Carina Mombauer (r.) erhält die Amtskette von Vorgängerin Carolin Groß umgehängt. Fotos: Bünnagel

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