Alfredo Pauly hat seine Pläne für das „Chateau de Luxe“ in Walporzheim noch nicht aufgegeben
Die Last mit dem Luxus
Der Landesbetrieb Liegenschafts-und Baubetreuung will im Frühjahr mit der Suche nach neuen Investoren beginnen
Bad Neuenahr/Walporzheim. Der Landesbetrieb Liegenschafts und Baubetreuung (LBB), der im Jahre 2009 die ehemalige Weinbauschule und das umgebende Areal an den Modedesigner Alfredo Pauly für 1,84 Millionen Euro veräußert hatte, ist im September des vergangenen Jahres von dem Vertrag mit AlfredoPauly zurückgetreten. Nach Aussage des LBB hatte Alfredo Pauly nach einer mehrjährigen Wartezeit die Vertragsbedingungen für den Verkauf der ehemaligen Weinbauschule in Walporzheim nicht erfüllt.
Zu den Bedingungen, die den Kaufvertrag in Kraft gesetzt hätten, zählten auch die Baugenehmigungen für das von Alfredo Pauly initiierte Projekt „Chateau de Luxe“. Diese aufschiebende Bedingung im Kaufvertrag war bei der Vertragsunterzeichnung auf Bitte von Alfredo Pauly in das Vertragswerk aufgenommen worden. Da die Baugenehmigungen im Herbst letzten Jahres immer noch nicht vorlagen, leitet die LBB die Rückabwicklung des Kaufvertrages für das Areal in Walporzheim ein. Alfredo Pauly hat dieses Projekt jedoch noch nicht endgültig zu den Akten gelegt. Im Gespräch mit BLICK aktuell betonte er, dass er sowohl gegen die Rückabwicklung des Kaufvertrages durch den LBB und deren Aufforderung die Gebäude in Walporzheim zu räumen Widerspruch eingelegt habe. „Ich werde weiter für die Realisierung des Projektes „Chateau de Luxe“ kämpfen“, betonte der Modedesigner aus Bad Neuenahr. Er begründete seine Haltung mit den Kosten, die ihm durch die Planung des Projektes entstanden seien, und die im Fall des Scheiterns verloren wären. Nach seinen Angaben hat er bisher rund 870 000 Euro in das Projekt investiert. Das Konzept Paulys sah vor, die ehemalige Weinbauschule in ein exklusives Hotel mit Luxussuiten für 80 bis 100 Gäste mit einem Nobel-Restaurant und einem pittoresken Park zu verwandeln. Allein die Zinsbelastungen für den Kredit, mit dem er das Objekt im Jahr 2009 erstanden hatte, hätten sich im Laufe Jahre, nach seinen Angaben, auf rund 200 000 Euro summiert. Zudem seien Kosten für die umfänglichen und langwierigen Planungs - und Genehmigungsverfahren angefallen. Aus Sicht des Modedesigners ist die Kündigung des Kaufvertrages durch die LBB besonders ärgerlich, da die Vorlage der Baugenehmigungen nun sehr schnell möglich sei, da sie, nach seinen Angaben, faktisch komplett seien und er sich kurz vor dem Erreichen seines Ziels wähnt.
Alfredo gibt nicht auf
Pauly möchte das Projekt nun mit einer „Investorengruppe aus Bonn“ realisieren, die nach Aussage von Alfredo Pauly nicht nur das Grundstück sondern auch seine Planungen für das „Chateau de Luxe“ erwerben möchten. „Es gibt eine notariell beglaubigte Kaufabsichtserklärung des Investors“ erklärte Pauly dem BLICK aktuell. Er betonte zudem ausdrücklich, dass er sich bei dem Projekt in Walporzheim nicht in der Rolle des Investors und Projektentwicklers auftreten werde. Die Gesamtkosten für sein „Chateua de Luxe“ in Walporzheim gibt er mit rund 17 Millionen Euro an.
„Mir ging es darum, ein Gebäudekomplex nach den eigenen Vorstellungen zu gestalten und meinen Stil in diesem Projekt exemplarisch zu realisieren,“ betont er. Neben diesem Gestaltungsaspekt, der für ihn als Designer natürlich einen hohen Stellenwert habe, sei das Projekt als Plattform für seine Marke „Chateau de Luxe“ gedacht. Auch wenn die Investorengruppe aus Bonn das Projekt realisieren sollte, bliebe er der mediale Kopf des Luxusdomizils in Walporzheim. Alfredo Pauly hat sich die Markenrechte an der Wort-Bild-Marke „Chateau de Luxe“ für den deutschen und den internationalen Markt sichern lassen. Unter diesem Markenzeichen sollen Produkte vertrieben werden, die eine Affinität zu Alfredos „Luxusästhetik“ haben. Der Designer aus Bad Neuenahr lässt sich gerne mit dem Satz „Mode ist mein Leben, Luxus meine Leidenschaft“ zitieren. Pauly will diese Markenrechte an Produzenten verkaufen, die sich von der Bezeichnung „Chateau de Luxe“ einen Marketingvorteil versprechen. Alfredo Pauly ist, nach eigenen Angaben, mit mehreren Firmen wegen des Verkaufs dieser Markenrechte in konkreten Verhandlungen. Die Bandbreite der Produkte, für die er die Markenrechte verkaufen möchte, reicht vom edlen Olivenöl bis hin zur luxuriösen Bettwäsche. Pauly setzt in diesem Zusammenhang vor allem auf Produkte, die im gehobenen Versandhandel und durch die TV-Vermarktungssendungen an den deutschen und europäischen Kunden gebracht werden. In Kontext der Verkaufsstrategie für die Markenrechte von „Chateau de Luxe“ ist nach Aussage des Designers auch zu verstehen, dass er seine Pläne in Walporzheim nicht aufgben will. Sein Szenario sieht so aus, dass finanzstarke Investoren das Projekt in seinem Stil realisieren und er als stilbildender Kopf der Gesamtanlage und als Mieter von Geschäftsräumen in dem „Chateau“ auftritt, in denen seine Mode und seine Wohnaccessoires angeboten werden. Zudem möchte er das geplante Eventcenter für medienwirksame Inszenierungen nutzen, die den Stellenwert und den Marktwert von „Chateau de Luxe“ spürbar steigern. In diesem „Geschäftsmodell“ wäre die Realisierung des Luxusdomizils in Walporzheim in seiner Perspektive durchaus sinnvoll, da er so dort die adäquate Kulisse habe, um seine Marke angemessen medial zu inszenieren.
Nichts Neues vom LBB
Diese Pläne und die Szenarien von Alfredo Pauly haben bisher die Haltung des LBB nicht geändert. Auf Nachfrage des BLICK aktuell bekräftigte der Landesbetrieb Liegenschafts-und Baubetreuung (LBB ) erneut, dass man von dem Vertrag mit Alfredo Pauly definitiv zurückgetreten sei. Den treuhänderisch hinterlegten Verkaufspreis habe man mittlerweile zurückgezahlt. Die Vertragskonstruktion sei so eindeutig, dass der LBB eventuellen Widersprüchen Alfredo Paulys mit Gelassenheit entgegensehe. „Wir haben Herrn Pauly aufgefordert, Gegenstände, die derzeit noch in einem Teil der Liegenschaft lagern, aus dem Gebäude zu Räumen“, erklärte Markus Ramp, der Pressesprecher der LBB gegenüber BLICK aktuell. Es betonte zudem: „Herr Pauly hat bislang keine zielführende Rechtsmittel eingereicht „. Die Durchsetzung der Räumung der Weinbauschule sei nun der nächste praktische Schritt, bevor das Objekt erneut zur Veräußerung angeboten werde. „Es ist vorgesehen, mit dem Bieterverfahren voraussichtlich in diesem Frühjahr zu starten, “ erklärte der Pressesprecher der LBB. Da im Gegensatz zu der Veräußerung im Jahr 2009 nun ein gültiger Bebauungsplan vorliegt, hat die Stadt einen rechtlich verbindlichen Rahmen geschaffen, an den sich der neue Erwerber halten muss oder Änderungen oder Anpassungen nur mit einer Zustimmung des Stadtrates möglich sind. -hs-
Alfredo Pauly will, nach eigenen Angaben, seine Pläne für das „Chateau de Luxe“ in Walporzheim mit einer „Investorengruppe aus Bonn“ beleben. Das Investitionsvolumen gibt der Modedesigner aus Bad Neuenahr mit 17 Millionen Euro an.
