Gastspiel des Schwarzmeer-Kosakenchores in der Konzerthalle des Kurparkes
Einblicke in die russische Seele
Musikalische Reise durch die märchenhafte Welt des alten Russlands
Bad Neuenahr. Das mit über 500 Besuchern ausverkaufte Konzert des Schwarzmeer-Kosakenchores in der Kurpark-Konzerthalle war mehr als nur eine musikalische Reise durch die märchenhafte Welt des alten Russlands. Der Chor präsentierte Romanzen, Geschichten und Balladen mit grandioser Ausdruckskraft, tiefer Melancholie, aber auch mit überschäumendem Temperament. Die Bandbreite reichte von Kalinka bis Schwanensee. Es gibt bundesweit viele Kosakenchöre, aber nur einen „Schwarzmeer - Kosakenchor“. Seit Jahrhunderten ist der Begriff des Kosaken von Mythen und Legenden umwoben. Geleitet wird das Ensemble des Schwarzmeer-Kosakenchores von Peter Orloff. Er wurde in den 60er- und 70er-Jahren als Schlagersänger mit Hits wie, „Immer wenn ich Josy seh‘“ oder „Königin der Nacht“ bekannt. Schon mit 14 Jahren sang er mit den Schwarzmeer-Kosaken, die damals noch sein Vater dirigierte. Peter Orloff beeindruckte mit seinen Auftritten und gab dem Konzert eine würdevolle Note. Mit viel Pathos und Ernsthaftigkeit führte er das Publikum durch den Gesangsabend und überzeugte vor allem in den Solo-Darbietungen mit seinem Bariton. Doch auch der restliche Chor präsentierte sich stimmgewaltig. Der Kosaken-Chor servierte den begeisterten Zuschauern eine Mischung aus klassischen Stücken. Darunter als Eröffnung ein Auszug aus der Oper „Fürst Igor“, von Alexander Borodin komponiert. Besonders außergewöhnlich war hier die Stimme des Kiewer Sängers Igor Ishchak, der vom Chorleiter als „Jüngster Stern am Kosakenhimmel“ geadelt wurde. Ishchak singt im Chor den Sopran.
Ein Solo zum Auftakt des Konzertes
Er eröffnete das Konzert mit seinem Solo, und so wurde schon der Auftakt mit begeistertem Applaus belohnt. Es folgten das „Vater unser“, die „Zarenhymne“; oder „Gott rette dein Volk“. „Abendglocken“ ; „Kalinka“ und einige weitere Opernklassiker, unter anderem aus dem Schwanensee.
Sicherlich werden die Männer, die Hände am Koppelschloss der dunklen Kosakenuniform, nicht mehr so handeln wie der legendäre Kosakenführer Stenka Rasin. Dem Kosakenführer mit Prinzipien aus dem 17. Jahrhundert war eine Ballade am Ende des Konzertes gewidmet. Der Legende nach soll der Kosakenhauptmann eine frisch angetraute Gemahlin, eine schöne Perserin, kurzentschlossen in die Wolga geworfen haben, da seine Kameraden den Zusammenhalt der Truppe durch ihren liebestollen Anführer gefährdet sahen. Die Ballade aus dem 17. Jahrhundert ist eine der Repertoireperlen des Schwarzmeer-Kosaken-Chores. So fest, wie die Sänger auf der Bühne standen, so sicher wurzeln sie in der Tradition des russischen Chorklangideals, das mit dynamischen Effekten das aufmerksame Publikum in seinen Bann zog.
Im zweiten Teil des Programms bot der Chor weltliche, russische Volkslieder dar wie die „Glöckchen“ von Michael Glinka oder „Auf der Straße nach St. Petersburg“. Selbst Franz Schuberts Lied:“Leise flehen meine Lieder“ nahmen sie ins Repertoire auf. Dem künstlerischen Leiter Peter Orloff, der vor über 50 Jahren seine Karriere begründete, war das Lebensalter nicht anzumerken. Gut zwei Stunden lang boten die zwölf Musiker um Orloff in dunkler Uniform dem Publikum getragene Chormusik auf höchstem Niveau. Ein besonderer Dank gilt der Heilbad-Gesellschaft als Veranstalter für die Verpflichtung des Chores nach Bad Neuenahr, aber auch dem Neuenahrer Publikum, das selbst bei der dichten Programmfolge von Musikangeboten in der vergangenen Woche sich mehr als präsent zeigte.
