Leben in Heimersheim schützen
Heimersheim: Lebensqualität und Freiräume bewahren gegen neue Baupläne
aus Bad Neuenahr-Ahrweiler
Heimersheim. Wann ist eigentlich genug? Mein ganzes Leben fühle ich mich als Heimersheimerin meiner Heimat eng verbunden. Deshalb macht es mich zunehmend wütend und traurig, wie mit unserem Dorf und seinen Menschen umgegangen wird.
Seit der Gemeindereform 1968 hat Heimersheim immer wieder Flächen, Freiräume und Lebensqualität verloren. Autobahn, Bundesstraße und Gewerbegebiet haben das Dorf regelrecht eingeschnürt. Der Zugang zur Ahr und zum Wald wurde erschwert, Naherholungsflächen gingen verloren und die Möglichkeiten für Kinder, sich frei zu bewegen und zu entwickeln, wurden immer weniger.
Schon Anfang der 1990er-Jahre haben wir mit einer Bürgerinitiative für einen besseren Lärmschutz an der Autobahn gekämpft und dafür sogar Bundesmittel für einen vollständigen Lärmschutz erhalten. Das Ergebnis ist offenbar eine Fehlplanung der Stadtverwaltung – und noch mehr Lärm für Heimersheim.
Und was passiert heute?
Nach der Flut wäre es die große Chance gewesen, die Entwicklung unseres Dorfes neu zu denken und die wenigen verbliebenen Freiflächen zu bewahren. Stattdessen werden erneut Pläne vorangetrieben, die Heimersheim weiter verdichten.
Dabei haben sich nach der Flut rund 150 Bürgerinnen und Bürger aus Heimersheim in Arbeitskreisen engagiert und versucht, die Verwaltungen von Kreis und Stadt mit ihrem örtlichen Wissen und ihren Erfahrungen zu unterstützen.
Was ist aus diesem Engagement geworden?
Auf der letzten größeren Grün- und Naherholungsfläche im Ortszentrum soll ein Kindergarten für 150 Kinder entstehen. Gleichzeitig wird eine Schule für rund 200 Kinder mit etwa 90 Lehrkräften mitten im Ort gebaut.
Das bedeutet täglich zusätzlichen Verkehr, Lärm und eine weitere Versiegelung genau dort, wo Heimersheim dringend Freiräume braucht.
Ist das wirklich die Zukunft, die wir für Heimersheim wollen?
Man muss sich fragen, wie viel unserem Dorf eigentlich noch zugemutet werden soll.
1968 trat Heimersheim als finanziell starke Gemeinde mit rund acht Millionen DM – heute etwa 22 Millionen Euro – in die Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler ein. Dieses Geld war ursprünglich unter anderem für die Gestaltung der Weinbergsmauern vorgesehen. Auf eine angemessene Gestaltung dieser Mauern wartet Heimersheim bis heute.
Für eine über vier Meter hohe und rund einen Kilometer lange Betonwand entlang der Bahnlinie werden dagegen Millionenbeträge bewegt. Eine Bruchsteinverkleidung hätte zusätzlich rund eine Million Euro gekostet.
Für Heimersheim scheint vieles zu teuer zu sein – außer Beton.
Es reicht!
Heimersheim braucht keine weiteren Entscheidungen, die über die Köpfe seiner Bevölkerung hinweg getroffen werden. Wir brauchen endlich ein Gesamtkonzept, das die Lebensqualität unseres Dorfes schützt und nicht jede noch vorhandene Grünfläche als mögliche Baufläche betrachtet.
Deshalb appelliere ich an unsere gewählten Kommunalpolitikerinnen und Kommunalpolitiker:
Lassen Sie sich nicht von bereits geschaffenen Fakten der Verwaltungen unter Druck setzen. Schauen Sie genau hin. Hören Sie den Menschen in Heimersheim zu. Und entscheiden Sie mit dem gesunden Menschenverstand, den wir von unseren Volksvertretern erwarten dürfen.
Denn am Ende geht es nicht um Verwaltungsakten, Bauflächen oder Millionenbeträge.
Es geht um die Zukunft unseres Dorfes und um die Lebensqualität der Menschen, die in Heimersheim leben.
Es reicht in Heimersheim!
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Westtor Heimersheim Foto: Privat