Ahrweiler Schützen feierten Fronleichnam
Junggesellen-Parade auf dem Marktplatz
Festkommers im Bürgerzentrum
Ahrweiler. Tradition gelebt und die Sonne lachte: Der Fronleichnamstag stand auch in diesem Jahr an zahlreichen Orten an Rhein, Ahr und im Brohltal wieder ganz im Zeichen ihrer Schützen, die vormittags die Prozession begleiteten und im Laufe des Tages ihr Schützenfest feierten. Ganz besonders in Ahrweiler, wo in diesem Jahr wieder „Großes“ Schützenfest gefeiert wurde. Die Pflege von Brauchtum und Tradition, von Glaube, Sitte und Heimat sind die Werte, denen sich die historische Schützengesellschaft in Ahrweiler verschrieben fühlt. Der römisch-katholische Feiertag Fronleichnam, das „Hochfest des Leibes und Blutes Christi“, gilt als der Schützentag schlechthin - und hat sich fest im Kalender etabliert.
Mit ihrem neuen König Willi Busch begleiteten die Ahrweiler St.-Sebastianus-Bürgerschützen die Prozession und schossen an den Altären vor den vier Toren Salut. Zuvor wurden die Ahrweiler Bürger bereits gegen sechs Uhr in der Frühe durch Böller geweckt. Um 8.30 Uhr ging es dann weiter mit dem Gottesdienst in der Pfarrkirche, mit dem Schlusssegen zum Te Deum, und der Fronleichnamsprozession. Danach ging es weiter mit der Parade auf dem Marktplatz. Bei strahlendem Sonnenschein verfolgten Tausende Einheimische und Touristen das Spektakel. Bei dem farbenfrohen Spektakel marschierten die Junggesellenschützen in Gruppen hinter ihrem Offizier im Stechschritt über den Markt. Bürger, Junggesellen und Aloisius-Jugend bildeten eine große Front. Diese wurde gemäß der Tradition von den drei Majestäten der Gesellschaften abgeschritten. Nach dem dreifachen Doppel-Salut folgte die Parade der fünf angetretenen Junggesellenzüge aus Ahr-, Nieder- und Oberhut, Walporzheim und Bachem. Wie immer bewertete eine Jury den Auftritt der Züge. Im Rahmen des Schützenballs im Festzelt an der Feuerwehr wurde der Sieger gekürt. Die innige Verbindung von Schützenbrauchtum, Pfarrei und St.-Laurentius-Kirche wird an diesem Tag zelebriert und demonstriert. Die Schützen begleiten die Fronleichnamsprozession als symbolische Schutzmacht des Allerheiligsten. Seit dem Mittelalter sind sie für den Schutz der Monstranz bei diesem Anlass zuständig.
Neuer König: Willi Busch
Die Festversammlung der Bürgerschützen am Nachmittag und das Wochenende der St.-Laurentius-Junggesellen bestimmten den zweiten Teil der Schützenwoche in Ahrweiler. Die Bürgerschützen trafen sich zum Festkommers im Bürgerzentrum. Willi Busch konnte das Treffen nicht leiten, war er doch am Wochenende zum neuen König der Gesellschaft gekürt worden. So übernahm diese Aufgabe Schatzmeister Jürgen Knieps. Die Schützen tranken ihren eigenen Schützenwein und bekamen ein reichhaltiges Mittagsmenü serviert. Im Anschluss gab es viele lobende Worte auf die neue Majestät, Rückblicke und Vorausblicke aber auch einen großen Dank an Willi Buschs Vorgänger Edgar Flohe. So dankte die neue der alten Majestät für sein Engagement für die Jugend, woran er gerne anknüpfen möchte. Busch erklärte, dass sich mit der Königswürde ein Kreis für ihn schließe. Und das, obwohl Busch weder bei den Aloisius-Jungen noch bei den Junggesellen wirklich aktiv war. Er attestierte der Gesellschaft „Finanzen im ausgezeichneten Zustand“, erinnerte an das Bundesschützenfest und das Haus der Schützen. Schlagworte, die unweigerlich mit dem Namen Willi Busch in Verbindung gebracht werden. Busch unterstrich ferner, dass die Schützen nicht nur für sich existierten, sondern wesentlich „vom Einsatz für die Mitmenschen“ geprägt seien. Eine Aufgabe, die er in seiner Zeit als Schützenmajestät weiterführen möchte. Wer sein Amt des Hauptmanns künftig bekleiden wird, steht noch nicht fest. Es soll eine Wahl stattfinden. Busch beendete seine Rede mit einem Verweis auf die Eintracht: „Dort anpacken, wo es notwendig ist“ und „Werte bewusst verkörpern“, lautete sein Credo und gleichzeitiger Appell an seine Schützenbrüder.
Ein Brückenbauer zwischen Tradition und Moderne
Landrat Jürgen Pföhler gratulierte Busch noch einmal zur Königswürde und bedankte sich bei Edgar Flohe mit dem Glaswappen des Kreises. Flohe habe als König seinen persönlichen Fingerabdruck hinterlassen, indem er sich drei Jahre lang besonders für die Belange der Jugend stark gemacht habe, betonte auch der Landrat. Allgemein hinterließen die Schützenmajestäten immer einen Stempel, der positiv sei für das Image des Kreises Ahrweiler, so Pföhler. Bürgermeister Guido Orthen reagierte auf die Kritik vieler Schützen, die an warmen Tagen immer wieder unter der Hitze und Schwüle im Bürgerzentrum leiden. Das Bürgerzentrum soll nun endlich den Sonnenschutz für die Dachglasfenster erhalten. Applaus im Saal. Gratulationen erneut für Willi Busch: Er habe sich in hohem Maße für die Bürgerschützen verdient gemacht und als Brückenbauer zwischen Tradition und Moderne gehandelt, wie ein Pontifex, unterstrich Bürgermeister Guido Orthen. Das Stadtoberhaupt erinnerte aber auch noch einmal an den „Fahnenstreit“ vor 30 Jahren. Orthen hob auch die Bescheidenheit der neuen Majestät hervor. Ahrweilers Ortsvorsteher Peter Diewald beschrieb Willi Buschs Werdegang hin zur Majestät. Als „Phantom der Schützen“ habe er den „Schützenturbo“ eingelegt und sei zum „Spätschützen“ mutiert. Die Königswürde sei nun mit weniger Stress verbunden als die des Hauptmannes. Das habe Busch ja bereits beim Trinkzug unter Beweis gestellt, erntete der Ortsvorsteher Lacher. Ex-Majestät Edgar Flohe attestierte er: „Du hast dem Königsamt wieder die Bodenständigkeit des Handwerks eingehaucht.“ Darüber hinaus habe sich Flohe viele Sympathien erkämpft innerhalb der Gesellschaft.
Neue Herausforderungen für die Pfarreiengemeinschaft
Ernstere Worte sprach der Präses der Schützen, Dechant Jörg Meyrer, an. Er klärte vor den Schützen, dass sich die Zahl der Priester in der Pfarreiengemeinschaft der Kreisstadt auf zwei halbieren werde - nachdem im April Pastor Herbert Ritterrath in den Ruhestand gegangen war und sich Kaplan Andreas Kern zum Ende des Jahres verabschieden wird. Meyrer skizzierte das Ziel aus den derzeit sieben kreisstädtischen Pfarreien künftig eine neue Pfarrei Bad Neuenahr-Ahrweiler zu gestalten. Schon jetzt wurde die Zahl der Gottesdienste von elf auf sechs reduziert. Immer mehr Anfragen für Trauerfeiern ereilen die Pfarreiengemeinschaft, das klassische Sterbeamt verliert hingegen an Bedeutung. „Gefragt sind neue Bestattungskulturen“, erklärte Meyrer. Aktuell beschäftigen die Pfarreiengemeinschaft auch zusehends Probleme mit ihren Immobilien - beispielsweise das Pfarrhaus in Heimersheim - und der schlechte Zustand vieler Kirchen. Aufgaben, die die Pfarreiengemeinschaft vor immer größere Herausforderungen stelle. Zudem lasse die Bindung an die Kirche nach, so Meyrer weiter. „Wen erreichen wir mit unseren Gottesdiensten überhaupt noch“, fragte Meyrer. Die Kirche habe sich in ihren Positionen weit von der liberalen Gesellschaft entfernt. Meyrer offen: „Ich schäme mich für so manche Aussage von Kirchenvertretern.“ Damit spielte er auf Positionen der Kirche zur Homosexualität an - und erntete für seine klaren Worte Beifall. Meyrer fordert „eine Veränderung in den Köpfen der Kirchenoberen“ und „klare Positionen auch zu Fragen wie der Flüchtlingsproblematik“.
Am Nachmittag präsentierten sich die Schützen dann noch einmal bei einem Umzug durch die Altstadt, ehe es in die Quartiere der Züge ging. Am Freitag gingen die Feierlichkeiten weiter: Dann bewiesen die Bürgerschützen nach Gottesdienst und Kranzniederlegung am Ahrtor, dass sie bei der Parade in Sachen Stechschritt den Junggesellen in nichts nachstanden. Danach stand der Schützenball im Bürgerzentrum auf dem Programm.
Einige Neuaufnahmen
Am Donnerstag trugen sich wieder fünf neue Mitglieder ins Seelenbuch der Bürgerschützen ein. Darunter: Armin Gramstadt (Oberleutnantsglied), Ralf Kemnitzer, Gregor Klein (beide Elitecorps), Christian Ley (Jägercorps) und Klaus Stefan (Königsglied).
Zahlreiche Ehrungen
Für 40-jährige Mitgliedschaft geehrt wurden Jochen Ulrich (Elitecorps), Bernhard Becker, Guido Kurth, Günter Orth (alle Fähnrichsglied), Theo Monreal (Hauptmannsglied), Albert Pönsgen, Hans Steffens (beide Königsglied), Arnolf Leonhardt, Ulrich Woitek (beide Leutnantsglied) und Hans-Karl Schmitz (Tambourcorps). Für 25-jährige Mitgliedschaft geehrt wurden Günther Uhl (Elitecorps), Harald Knieps (Hauptmannsglied), Olaf Muhs (Jägercorps), Adolf Ahrendt, Hans-Georg Heinzen, Werner Münch, Walter von Tagen (alle Leutnantsglied), Alfred Förner, Jürgen Maur, Andreas Reuter, Manfred Wagner (alle Oberleutnantsglied), Günter Görres (Tambourcorps), Manfred Fuhs, Michael Großgarten, Wilfried Ley, Peter Lorenzen und Harry Müller (alle Unterleutnantsglied).
Junggesellen feierten
Mit Festhochamt und Kranzniederlegung am Ehrenmal vor dem Ahrtor begann die St.-Laurentius-Junggesellen-Schützengesellschaft den Samstag der Schützenfestwoche. Zum Festkommers begrüßte Junggesellen-Hauptmann Bastian Friedrich neben den jungen Schützen mit ihrem neuen Schützenkönig David Kortmann ebenfalls zahlreiche Ehrengäste. Für den Schützennachwuchs wird es dann am Samstag, 20. Juni, ernst: Mit der Armbrust werden die Aloisius-Jungen ihren neuen König ausschießen.
Willi Busch ist der neue König der Schützengesellschaft.

Das farbenfrohe Spektakel auf dem Marktplatz zog viele Besucher an. Fotos: RERE
