Centre Court Ruhig
Philipp Gödtel verliert Halbfinale bei 71. Deutschen Meisterschaften in Bad Neuenahr
aus Bad Neuenahr-Ahrweiler
Bad Neuenahr. 71. Tennis Classics Bad Neuenahr: Das war für Philipp Gödtel (HTC Bad Neuenahr) eine starke Herausforderung und sportlicher Prüfstein zugleich. Die Frage nach seinem souveränen Sieg im Viertelfinale (6:1, 6:1) gegen Stefan Tränkner (TC Bad Weißer Hirsch Dresden) lautete: War der erstmalig Triumph bei den 71. Deutschen Meisterschaft Senioren (DSM) tags zuvor eher eine Art glücklicher Auftritt oder ist der Lokalmatador Philipp Gödtel tatsächlich bereits auf Erfolgskurs in Richtung Krone auf in der DSM-Konkurrenz Herren 40? Sein Traum lebte, denn es fehlte bekanntlich nur noch ein Schritt. Dass seine Chancen gegen den spiel- und kampfstarken Matias Can nicht unbedingt gering sein würden, war ihm bewusst, aber auch in schmerzhafter Erinnerung. Philipp Gödtel spielte im August 2018 bereits gegen Matias Can im Halbfinale der Deutschen Tennismeisterschaften der Jungsenioren in Worms in der Konkurrenz der Herren 30. Sportlich gibt‘s hier den bitteren Rückblick für den HTC‘ler Gödtel gegen den späteren Deutschen Meister in dieser Konkurrenz: In einem dramatischen Match - bei extremen Temperaturen von 38 Grad im Schatten - setzte sich Can nach einer Spielzeit von dreieinhalb Stunden am Ende hauchdünn im Match-Tiebreak des dritten Satzes durch. Schnee von gestern? Philipp Gödtel beantwortete am Samstagnachmittag Letzteres mit einem eindeutigen Nein.
Der Traum vom Finale lebte nur rund 24 Stunden – auf der anderen Seite fehlte nur noch ein Schritt für Philipp Gödtel. Denn Matias Can hat seinen Hunger auf einem zweiten Titelgewinn bei einer Deutschen Meisterschaft noch nicht ausgeträumt. Der 43-jährige vom TC BW Schwetzingen setzte sich gegen Philipp Gödtel im Halbfinale souverän mit 7:5, 6:1 durch. Damit brachte der Mann vom TC Schwetzingen den pulsierenden Centre Court des HTC Bad Neuenahrer zum Schweigen – und steht nun nur noch Momente vor dem nächsten Coup.
Indes ist für Philipp Gödtel bei der 71. DSM nach spannenden 102 Minuten Halbfinale alles vorbei. Nichtsdestotrotz agierte Gödtel gegen den Spieler vom TC Schwetzingen im ersten Satz absolut auf Augenhöhe. Insgesamt war’s ein begeisterndes Match – zumindest im ersten Satz. Hier erarbeitete sich Can gleich mehr Breakchancen, seine erste konnte er sofort zum 1:3 nutzen. Fast verwunderlich: Can streute im fünften Spiel ein Aufschlagspiel von schlechter Qualität ein. Gödtel nutzte dies konsequent und kämpfte sich durch eine zunehmend krachende Vorhand und exzellenten Rückhand-Slice zurück ins Match. Nicht nur das: Er sorgte mit seinem starken Kampfgeist umgehend für das Rebreak.
Derweil führte Can zunehmend Selbstgespräche. Mit einer höheren Aufschlagquote beim 1. Aufschlag gelang es Gödtel, die Ballwechsel zu dominieren. Das schnelle Aufholen zum 3:3 im sechsten Spiel war beeindruckend und folgerichtig. Als wären die hochsommerlichen Temperaturen nicht genug: Hunderte Zuschauer und Fans von Philipp Gödtel befanden sich im Tennis-Fieber. Doch Can gewann laufstark und mit präzisen Antworten die Oberhand zurück, ihm gelang das Break zum 5:3. Turbulent ging’s weiter: Auf dem Centrecourt des HTC Bad Neuenahr wurde Tennis auf höchstem Niveau geboten.
Gödtel nutzte derweil krachend und wieder wesentlich effektiver die offenen Räume, die Can ihm anbot. Damit nicht genug: Er setzte seinen Kontrahenten kurzerhand mit starkem Aufschlagspiel unter Druck. Und: Er setzte die Bälle einmal mehr als Can präzise neben die Linie. Das 5:5 war grundsätzlich ein deutlicher Fingerzeig im Semifinale. So wackelte dann auch Can im elften Spiel urplötzlich wieder. Gödtel dagegen wirkte in dieser Phase entschlossener, nahm die Bälle früh und erarbeitete sich gleich zwei weitere Breakbälle. Da hatte nicht nur Gödtels Fankurve das Gefühl, der Lokalmatador wäre zu diesem Zeitpunkt der gefestigtere, bessere Spieler, der Kurs auf Satzgewinn nimmt. Doch verkehrte Tenniswelt bei der DSM. Erneut konnte Can nicht nur zurückschlagen. Er agierte einfach grundsolide weiter und erfolgreich mit seinen starken Returns. Die Folge war der 7:5-Satzgewinn für die Nummer 2 der HTC-Setzliste.
Der zweite Satz ist schnell erzählt: Gödtel erleidet einen verhängnisvollen Leistungseinbruch. Matias Can diktiert den Rhythmus des Spiels und schießt seinen Gegenüber im Sauseschritt und mühelos im zwei Satz nach allen Regeln der Kunst in nur knapp 20 Minuten mit 6:1 vom Feld.
Matias Can war am Ende überlegen Foto: HTC, Otto Schmidt
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Philipp Gödtel in action Foto: HTC, Otto Schmidt