Die Voltigierer des Turn- und Wintersportverein Adenau e.V. stellen sich vor:
Seit 1973 fest im Sattel: Voltigieren hat in Adenau Tradition
Adenau. Das Voltigieren im Turn- und Wintersportverein Adenau e.V. blickt auf eine lange Geschichte zurück. Die Abteilung wurde 1973 innerhalb des Großsportvereins Adenau gegründet. Beim Voltigieren handelt es sich um Turnen auf einem galoppierenden Pferd. Das Pferd bewegt sich dabei auf einem Kreis mit einem Durchmesser von rund 18 Metern. Die Sportlerinnen absolvieren eine fest vorgeschriebene Pflicht und eine frei zusammengestellte Kür. Während der Kür zeigen bis zu drei Voltigiererinnen gleichzeitig turnerische, akrobatische, tänzerische und kraftorientierte Übungen. Ein Team kann jedoch nur dann seine optimale Leistung abrufen, wenn die Zusammenarbeit zwischen Pferd, Ausbilderinnen und Sportlerinnen harmonisch funktioniert.
Die erste Trainingsstätte der 1973 gegründeten Abteilung war der alte Sportplatz auf dem Hirzenstein. Seit 1975 finden in Adenau Turniere statt, darunter auch Landesmeisterschaften. Im Jahr 1982 wurde mit umfangreicher Eigenleistung die vereinseigene Reithalle fertiggestellt. Dadurch wurde erstmals ein ganzjähriger Trainingsbetrieb möglich.
Die Adenauer Turniergruppen konnten im Laufe der Jahre zahlreiche sportliche Erfolge erzielen. Sie wurden unter anderem Landesmeister, erreichten den dritten Platz bei den Süddeutschen Meisterschaften und den zehnten Platz bei den Landesmeisterschaften. Dreimal qualifizierten sich Einzelvoltigierer aus Adenau für die Deutschen Meisterschaften. Darüber hinaus gehören Adenauer Sportlerinnen regelmäßig dem Team Rheinland-Pfalz an.
Voltigieren wird häufig als Einstieg in den Reitsport genutzt. Das gilt auch für Adenau. Da sich nicht jede Familie klassische Reitstunden leisten kann, bietet das Voltigieren eine vergleichsweise niedrigschwellige Möglichkeit, Kindern und Jugendlichen den Kontakt zum Pferd und den Einstieg in den Pferdesport zu ermöglichen.
Heute trainieren rund 50 Sportlerinnen im Alter von fünf bis 25 Jahren in Adenau. Häufig kommen Geschwister oder Freundinnen gemeinsam zum Training. Innerhalb der Gemeinschaft spielt die soziale Herkunft keine Rolle. Voltigierabzeichentage, Elterntage, Ferienfreizeiten und gemeinsame Turnierbesuche ergänzen das regelmäßige Training und vermitteln weitere Kenntnisse rund um das Pferd.
Alles ehrenamtlich
Die gesamte Vereinsarbeit wird ehrenamtlich geleistet. Die Ausbilderinnen sind berufstätig, besuchen die Schule oder absolvieren ein Studium. Deshalb kann das Training überwiegend in den Abendstunden sowie freitags und samstags stattfinden. Die Gruppen werden nach Alter und unter Berücksichtigung bestehender Fahrgemeinschaften zusammengestellt. Gleichzeitig muss bei der Einteilung darauf geachtet werden, welches Pferd für das jeweilige Alter und den Ausbildungsstand der Voltigiererinnen geeignet ist.
Für die jüngsten Kinder wird ein kleineres, besonders ruhiges und zuverlässiges Pferd benötigt, das sich in Schritt, Trab und Galopp angenehm bewegt. Mit zunehmendem Alter und Ausbildungsstand der Sportlerinnen steigen auch die sportlichen Anforderungen an die eingesetzten Pferde. Der Voltigierabteilung in Adenau stehen derzeit vier Pferde zur Verfügung.
Neben dem Training auf dem Pferd wird großer Wert auf eine gute allgemeine körperliche Fitness gelegt. Kondition, Krafttraining und Dehnübungen gehören zur Grundausbildung. Je nach Alter und Leistungsstand werden die Trainingseinheiten durch Balanceübungen, den Umgang mit Höhe und Falltraining ergänzt. Diese vielseitigen Anforderungen setzen eine umfassende Qualifikation der Ausbilderinnen voraus.
Aus diesem Grund legt der Verein großen Wert auf die Aus- und Weiterbildung seiner Trainerinnen. In Adenau finden alle zwei Jahre Trainerlehrgänge mit anschließender Zertifikatsprüfung statt. Auf diese Weise soll die Qualität der Ausbildung dauerhaft gesichert und weiterentwickelt werden.
Regelmäßige Veranstaltungen
Die Voltigiererinnen präsentieren ihre Programme regelmäßig bei öffentlichen Veranstaltungen. Dazu gehören unter anderem das Heimatfest in Adenau, der Ehrenamtstag des Kreises Ahrweiler und der Sportlerball des Pferdesportverbandes. Für diese Vorführungen wird häufig das Holzpferd eingesetzt, das neben dem lebenden Pferd zu den wichtigsten Trainingsgeräten im Voltigiersport gehört. Dadurch kann die Sportart auch außerhalb der Reithalle vorgestellt und einem größeren Publikum nähergebracht werden.
Gleichzeitig steht die Voltigierabteilung vor wachsenden Herausforderungen. Fertig ausgebildete Voltigierpferde können in der Regel nicht einfach gekauft werden. Die Vereine müssen geeignete Pferde meist selbst ausbilden. Ruhige, gesunde und zugleich bezahlbare Pferde sind jedoch immer schwerer zu finden. Gleichzeitig steigen die Kosten für die Pferdehaltung. Erkrankt ein Voltigierpferd, können erhebliche Tierarzt- und Behandlungskosten entstehen.
Auch die Vereinbarkeit von Beruf, Ausbildung und Ehrenamt wird zunehmend schwieriger. Die ehrenamtliche Arbeit findet in der Freizeit statt, die bei vielen Beteiligten nur begrenzt zur Verfügung steht. In Adenau kommt eine weitere strukturelle Herausforderung hinzu: Nach dem Schulabschluss verlassen viele Voltigiererinnen und Ausbilderinnen die Region. Eine geringe Zahl an Ausbildungsplätzen und weit entfernte Studienorte führen häufig dazu, dass die Sportlerinnen ihre aktive Tätigkeit beenden müssen.
Aufgrund der begrenzten Nutzungszeiten der Reithalle, der notwendigen Einsatzplanung der Pferde und der eingeschränkten Verfügbarkeit der Ausbilderinnen werden die einzelnen Trainingsgruppen teilweise sehr groß. Deshalb sind immer wieder neue Ideen gefragt, um alle Voltigiererinnen sinnvoll zu beschäftigen und ihren unterschiedlichen Leistungsständen gerecht zu werden. Darüber hinaus müssen die Bedürfnisse der Pferde, der Ausbilderinnen, der Eltern und der Sportlerinnen miteinander in Einklang gebracht werden. Diese Aufgabe ist anspruchsvoll und erfordert von allen Beteiligten ein hohes Maß an Flexibilität, Verantwortungsbewusstsein und Zusammenareit. ROB
Das Voltigieren hat in Adenau eine lange Tradition. Foto: privat