Autorin Tamar Dreifuß brachte Grundschülern den Schrecken des Holocaust nahe
Über die wundersame Rettung eines jüdischen Mädchens
Bad Neuenahr. Sie erzählt Kindern vom Holocaust und wie sie diese schreckliche Zeit überleben konnte. Bereits zum dritten Mal war die Buchautorin Tamar Dreifuß in der Kreisstadt zu Gast und berichtete bei einer multimedialen Lesung vor Schülern der vierten Klassen über ihre Erlebnisse.
Am Freitag besuchte Tamar Dreifuß die Bad Neuenahrer Grundschule - und rund 70 Viertklässler hörten aufmerksam zu, als sie aus ihrem Leben erzählte und aus ihrem Kinderbuch „Die wundersame Rettung der kleinen Tamar 1944“ vorlas. In kindgerechter Form berichtete sie von ihrer Zeit als dreijähriges jüdisches Mädchen im litauischen Wilna. Von dem Zeitpunkt, als der Holocaust in ihre bis dahin unberührte Welt eindrang. Tamar Dreifuß war 1944 die Flucht mit ihrer Mutter aus einem Konzentrationslager gelungen.
Eindrucksvoll berichtete sie von abenteuerlichen Monaten, von Angst und der Furcht, entdeckt zu werden.
Die Veranstaltung im Rahmen der Rathauskultur war Teil der Offenen Kinder- und Jugendarbeit zum Thema „Stolpersteine“. Bei der dritten Auflage des Projekts, an dem die Grundschule Bad Neuenahr und der Lern- und Gedenkort Jawne beteiligt waren, stand erneut die persönliche Begegnung mit der Buchautorin im Vordergrund. Schon im Vorfeld hatte sich Sara Wessel von der Offenen Kinder- und Jugendarbeit gemeinsam mit den Kindern mit dem Thema befasst. In fünf Unterrichtsstunden, auf mehrere Tage verteilt, wurde den Kindern Wissen über Lokalgeschichte, jüdische Kindheit vor dem Krieg, die Verfolgung und den Massenmord an den Juden vermittelt. Eine Hausaufgabe in Form einer Zeichnung lautete dabei: „Wenn Ihr plötzlich aus Eurem Heim fliehen müsstet, was würdet ihr in den Koffer packen!“ Zu sehen waren Geldscheine, Kleidungsstücke, Fotoalben aber auch Haustiere und Spielkonsolen. Ein Schüler wollte kurzerhand seine ganze Familie in den Koffer packen.
Bis heute führt Tamar Dreifuß Lesungen und Workshops durch, um Kindern und Jugendlichen die NS-Zeit mit all ihrem Schrecken und Terror näher zu bringen - so auch in der Aula der Grundschule Bad Neuenahr.
Wie sie auf die Idee gekommen sei, ein Kinderbuch zu schreiben, wollten die Kinder im anschließenden Interview mit der Autorin wissen. Sie habe lange geschwiegen über die belastenden Erinnerungen, gestand Tamar Dreifuß, bis ihr damals neunjähriger Enkel nicht locker lassen wollte. „Kinder wollen Antworten“ habe sie festgestellt. Genau diese Antworten sollen mit dem Projekt an den Abschlussklassen der Grundschulen erarbeitet werden, sagte Sara Wessel.
Das Projekt möchte Kinder über die NS-Zeit aufklären und sie darin unterstützen, rassistische, diskriminierende und die Menschenwürde verachtende Handlungen und Äußerungen zu erkennen. Die Lebensgeschichte von Tamar Dreifuß bilde dabei eine Brücke zwischen einer vergangenen Zeit und der Lebenswirklichkeit der Kinder heute, so Sara Wessel. „Der persönliche Kontakt mit einer Zeitzeugin ist ein wichtiges Element in der Wissensvermittlung an die Kinder.“
