Neue Fahrzeuge: Einige Verbesserungen, aber auch Unzulänglichkeiten
Überfüllte Züge und zurückgelassene Fahrgäste
Fahrdienstleiter in Kreuzberg, Dernau und Walporzheim sollen wegfallen
Region. Trotz aller aktuell notwendiger Kritik, ist die Ahrtalbahn das wichtigste Standbein des ÖPNV im Kreis Ahrweiler. Sie hat eine große Bedeutung gleichermaßen für den Berufs- und Schülerverkehr sowie den Tourismus. Wegen anhaltender Zugverspätungen, teilweiser Totalausfälle, Überfüllungen an den Weinfest-Wochenenden sowie Problemen beim Ein- und Ausstieg herrscht bei vielen Benutzern der Ahrtalbahn jedoch bereits seit Monaten Verärgerung. Nach wie vor wird auch die ohne Ankündigung erfolgte Streichung von zehn Zusatzzügen (fünf in jede Richtung nach und von Kreuzberg) im Herbst kritisiert. Die nach massiver Kritik wieder verkehrende eine zusätzliche Verbindung auf diesem Streckenbereich konnte den hohen Reisenden-Andrang zumeist nicht auffangen. Und die starke Nachfrage sorgte für 40-minütige Verspätungen bei der Ahrtalbahn. In Rech und Dernau mussten am letzten und vorletzten Wochenende wieder zahlreiche Fahrgäste wegen hoffnungslos überfüllter Züge stehen bleiben. An den witterungsmäßig schönen Herbstwochenenden zeigt sich, dass die Streichung der zusätzlichen Züge viele Fahrgäste verärgert hat - die möglicherweise künftig auf die Nutzung der Ahrtalbahn verzichten. Es zeigt sich auch, dass am Bahnhof Dernau nur ein Fahrkartenautomat in diesen Zeiten bei Weitem nicht ausreichend ist. Wenn dann, wie am Dernauer Winzerfest, am Bahnsteig personell Fahrkarten verkauft werden, reichen die Zugkapazitäten nicht. In Rech sind während des gesamten Zugbetriebes bereits seit einigen Wochen „Abfahrtshelfer“ im Einsatz. Diese informieren den Triebwagenführer, wenn die Fahrgäste aus- und eingestiegen sind.
Kreuzberg statt Ahrbrück
Für Groll sorgte in den vergangenen Wochen auch, dass Züge - um Verspätungen aufzuholen - statt fahrplanmäßig nach Ahrbrück nur bis Kreuzberg verkehrten und von dort zurückfuhren. Gerade an Wochenenden ist dies für die Benutzer des Busanschlusses von Ahrbrück nach Adenau und umgekehrt besonders ärgerlich: Dieser verkehrt dann nur zweistündlich. Für all dies jedoch allein bei der Deutschen Bahn Regio (DB) - als Betreiber der Zugleistungen - die Schuld zu suchen, wäre gleichermaßen zu einfach wie ungerecht. Vielmehr bereiten die neuen Triebfahrzeuge Coradia Lint der Firma Alstom auf allen Strecken des „Kölner Dieselnetzes“ anhaltende technische Probleme. Das „Kölner Dieselnetz“ umfasst neben der Ahrtalbahn unter anderem die Streckenbereiche Euskirchen, Gerolstein, Gummersbach und Köln. Insgesamt wurden 56 Fahrzeuge dieser neuen Bauart für das „Kölner Dieselnetz“ ausgeliefert. Und nach bislang, allerdings unbestätigten, Informationen soll ein Triebwagen der neuen Fahrzeugreihe bereits überhaupt nicht mehr einsatzfähig sein. Einen Regeltakt Ahrbrück-Bonn-Ahrbrück fährt bereits seit Wochen wieder eine ältere Talent-Doppeltraktion. Wegen der gesamten Problematik plant die Deutsche Bahn angeblich, die Herstellerfirma zu verklagen. Schließlich wird auch die DB nach dem seit Dezember 2013 geltenden Verkehrsvertrag bei Ausfällen und Verspätungen zur Kasse gebeten. In einer Pressemitteilung hatte der Verkehrsbetrieb Rheinland von DB Regio NRW am 21. März 2014 bekannt gegeben: „Wir verstehen und akzeptieren, dass die Zweckverbände Nahverkehr Rheinland, SchienenPersonenNahverkehr Rheinland-Pfalz und Nahverkehr Westfalen-Lippe als Besteller der Leistungen von ihren Möglichkeiten zur finanziellen Kürzung vertraglich vereinbarter Vergütungen Gebrauch machen.“ Gleichzeitig behalte sich auch DB Regio NRW als Betreiber des Kölner Dieselnetzes Schritte gegenüber dem Fahrzeughersteller Alstom vor. „Unabhängig von finanziellen Fragen und Regelungen steht für uns jedoch die Gewährleistung eines stabilen Betriebs im Sinne unserer Fahrgäste im Vordergrund,“ so in der Presserklärung seinerzeit abschließend.
Kaum DB-Einfluss
Auf die anhaltenden Probleme hat die Deutsche Bahn - bis auf die Einstiegshöhen an Bahnhöfen und Haltepunkten - kaum Einfluss. Die DB nämlich bedient verständlicher Weise nur die Strecken (hier die RB 30 zwischen Ahrbrück und Bonn), die vom SchienenPersonenZweckverband Nord (SPNV) bestellt werden. Vorwiegend die im Verkehrsvertrag geregelten Regel-Fahrleistungen, aber auf Bestellung und ausreichender Kapazität auch zusätzliche Züge. Ein brennendes Problem sind sicher die unterschiedlichen Bahnsteighöhen an Bahnhöfen und Haltepunkten innerhalb des „Kölner Dieselnetzes.“ Und vor 2027 ist nach bisherigem Stand im Ahrtal - außer am Bahnhof Sinzig - auch nicht geplant, weitere Umbaumaßnahmen vorzunehmen. In der Rahmenvereinbarung zwischen dem Land Rheinland-Pfalz, den beiden Zweckverbänden SPNV Nord und Süd sowie der Deutschen Bahn Station&Service AG nämlich sind für dringende Projekte wie etwa Ahrweiler Markt, Rech, Heimersheim, Bad Bodendorf und Kreuzberg bis dahin schlichtweg keine Maßnahmen vorgesehen. An den ausgebauten Stationen und Bahnhöfen, wie etwa in Mayschoß hingegen, funktionieren Ein- und Ausstieg erdgleich und perfekt. Nicht unerwähnt bleiben dürfen in diesem Zusammenhang die Verbesserungen bei den neuen Fahrzeugen (zweiteilige Züge Coradia Lint 54 DNK sowie der Dreiteiler Coradia Lint 81 DNK). Wie bereits in BLICK aktuell berichtet, sind die beiden neuen Fahrzeugtypen durchgängig begehbar und videoüberwacht. Die Toiletten sind großräumig und behindertengerecht ausgestattet. Teilbereiche der Triebwagen haben Ablagen für größeres Gepäck, wie beispielsweise für Koffer. Und die neuen Triebwagen können mehr Fahrgäste aufnehmen. Das Fahrgastinformations-System, über gut lesbare Bildschirme, stellt ebenfalls eine deutliche Verbesserung im Kundenservice dar. Beim Ausstieg wird den Fahrgästen mit den Info-Tafeln an der Zugdecke per Pfeil die jeweilige Ausstiegsrichtung angezeigt. Und es ist in den Abendstunden wieder regelmäßig Personal in den Zügen. Schließlich stellt auch die zum Fahrplanwechsel im Dezember 2013 vorgenommene Ausweitung des sogenannten „Dernauer Taktes“ auch auf das Wochenende fraglos eine Angebotsverbesserung dar - jedoch erst ab und nach Dernau.
Neues System FV-NE
Die Deutsche Bahn will bereits zum 13. Dezember 2015 das bisherige und bewährte Signalsystem im Streckenbereich der Ahrtalbahn zwischen Kreuzberg und Walporzheim für ein vereinfachtes System aufgegeben. Demnach ist auf dieser Strecke der Ahrtalbahn künftig ein Zugleitbetrieb nach „FV-NE“ durch DB Netze geplant. Damit werden auch die vorhandenen Signalanlagen verschwinden. Unter anderem hat die Deutsche Bahn mit den politisch Verantwortlichen der Ortsgemeinde Dernau hierzu kürzlich die Planungen und die hieraus resultierenden Konsequenzen für den Ort abgestimmt. In den Streckenbereich der Ahrtalbahn zwischen Walporzheim und Kreuzberg wurden in den letzten Jahrzehnten keine nennenswerten Verbesserungen im Gleisbereich durchgeführt. Vielmehr wurden Anlagen und Schienen (Walporzheim, Kreuzberg) zurück gebaut. Kritiker befürchten jetzt, dass das „neue“ System negative Auswirkungen auf den Zugbetrieb (unter anderem durch längere Fahrzeiten) nach sich zieht.
BLICK aktuell fragt nach
BLICK aktuell griff diese Punkte auf und fragte nach bei der Deutschen Bahn sowie beim SPNV Nord in Koblenz. Die DB-Pressestelle in Frankfurt teilte hierzu mit, oberstes Ziel sei es, den Fahrbetrieb auf den vorhandenen Strecken aufrecht zu erhalten und möglichst auch selber als DB zu betreiben. Die geplante Umstellung des Systems für die Ahrtalbahn funktioniere als Nebenbahnverfahren bereits auf etlichen anderen Strecken. Die Leistungsfähigkeit der Ahrtalbahnstrecke verändere sich hierdurch nicht. Ebenso könnten bis Kreuzberg weiterhin längere Sonderzüge und zusätzliche Züge (Anm. der Red.: Beispielsweise die gerade gekürzten) verkehren. Auf die Geschwindigkeit der Züge habe dies keine Auswirkungen. Fahrzeitverluste und Änderungen der Leistungsfähigkeit sollen, so die DB, auch nicht durch die dann betriebenen Rückfallweichen (Handweichen) entstehen. Auf das Taktgefüge, so versichert die Bahnsprecherin ausdrücklich, haben die vorgesehenen Änderungen keinerlei Auswirkungen.
Schranken werden nur teilweise modernisiert
Die bisher ungesicherten Bahnübergänge werden auch im Zuge der Maßnahmen nicht beschrankt. Zwischen Dernau und Kreuzberg werden die beiden bislang mit Halbschranken versehenen Bahnübergänge mit modernen Halbschrankenanlagen technisch verbessert (bei Bahnkilometer 26,3 und 25,4). Beim Bahnübergang Dernau Steinbergsmühle (Zufahrt zum Sägewerk) hingegen bleibt alles beim Alten, ebenso am Übergang in Pützfeld. Der Bahnübergang in der Dernauer Ortsmitte wird - wegen der starken Nutzung durch Fußgänger - auch nach dem Umbau Vollschranken haben. Diese Anlage wird jedoch ebenfalls dem neuesten Stand der Technik angepasst. Die parallel laufenden Planungen für die Installation von insgesamt neun Bahnfunkmasten zwischen Ahrbrück und Bad Bodendorf stehen mit dem neuen „FV-NE-System“ zwischen Kreuzberg und Walporzheim in keinem Zusammenhang. Dies dient, so die DB, allein zur Herstellung eines digitalen Zugfunks. Auch zur Zukunft der durch die geplante Umstellung wegfallenden Fahrdienstleiter in Kreuzberg, Dernau und Walporzheim äußerte sich die DB-Pressestelle. Mit diesen würden Gespräche geführt. Es sei ja bekannt, dass bei der DB Netz AG Fahrdienstleiter gebraucht werden. Wo jedoch? Diese Frage könne derzeit noch nicht beantwortet werden.
Keine Abstufung des Streckenabschnittes
Zur Rückfrage von Blick Aktuell versicherte die Bahnsprecherin weiter, dass der gesamte betroffene Streckenabschnitt durch die Umstellung auch nicht herabgestuft werde. Und der Bahnhof Dernau behalte seinen Status „Bahnhof.“ Dies ist wichtig, weil nur an Bahnhöfen Züge beginnen und enden können. Konkret ist dies von Bedeutung für den sogenannten „Dernauer Takt.“ Diese Züge zwischen Dernau und Remagen werden auch zukünftig verkehren, zumal diese Fahrleistungen Bestandteil des eingangs genannten Verkehrsvertrages im Rahmen der Bestellung durch den SPNV sind. Nach der Umstellung wird für die Reisenden-Sicherung in den Bahnhöfen und Haltepunkten der Lok/Triebwagenführer - unter Einbeziehung des eingesetzten Zugpersonals - verantwortlich sein. Zur Frage, ob wegen des eingeschränkten Begegnungsverkehrs auf der eingleisigen Strecke zwischen Dernau und Kreuzberg ein Weichenanschluss reaktiviert oder wieder ein zweites Kreuzungsgleis errichtet wird, konnte sich die Bahn-Pressesprecherin derzeit nicht äußern.
Mehr als 1.000 Züge
Auch der SPNV Nord äußerte sich gegenüber BLICK aktuell, speziell zu den Zugausfällen- und Verspätungen auf der Ahrtalbahn. „In unserem Verbandsgebiet sind täglich weit mehr als 1.000 Züge unterwegs, von denen immer mal der ein oder andere ausfallen kann. Dafür kann es sehr unterschiedliche Gründe geben. Meist sind es infrastrukturelle Probleme, sprich Störungen an der Strecke, manchmal technische Ursachen an den Fahrzeugen und teilweise auch personelle Gründe. Unsere Verträge mit den Verkehrsunternehmen enthalten Regeln, nach denen die Verkehrsunternehmen Ausfälle dokumentieren und uns monatlich mitteilen. Sobald sich derartige Vorfälle häufen, werden wir tätig und recherchieren genauer nach den Ursachen und versuchen diese mit den Vertragspartnern abzustellen. Unabhängig davon enthalten die Verträge natürlich auch Sanktionsmechanismen, die bei Nicht- und Schlechtleistungen zum Tragen kommen.“ Aktuell gebe es für den SPNV Nord - auch nach der Fahrzeugumstellung vor wenigen Wochen - keine signifikante Erkenntnis, dass die Situation im Ahrtal besonders prekär sei. „Sollte sich das in den nächsten Wochen so zeigen, werden wir selbstredend tätig werden.“ Die genannten „Häufungen“ von Kundenbeschwerden könne man beim SPNV bislang jedoch nicht bestätigen.
Wegen völlig überfüllter Züge hieß es Rech und Dernau mehrfach: Warten.
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Das Problem haben wir schon Jahre lang zu den Winzerfesten und dann fuktionierne die Fahrkartenautomaten ebenso nicht, da diese überfüllt sind und an den Wochenenden nicht geleert werden.
Das Problem mit der Müllentorung ist für die Bahn enbenso kein Thema.
Müll,Dreck und Schmuddel verschönern unsere Bahnhöfe Wochenlang.
Ich haben für jeden Verständnis der die Bahn und deren Haltestellen meiden.Und wir empfehlen unseren Gäste immer noch mit der Bahn zu fahren, warum eigentlich ?
Lieber geben wir doch Gelder für Werbung aus um das Image der Bahn aufzubessern.
Die Bahn und deren Betreiber sollten sich was schämen..........