Manuel Andrack präsentierte Wandercomedy in Bad Neuenahr
Von der grünen Heide auf den Watzmann
Bad Neuenahr. Ahrtal-Tourismus und Heilbad AG hatten „Deutschlands lustigsten Wanderer“ Manuel Andrack zum Ahrtaler Gipfelfestes eingeladen. Nachdem er tagsüber mit einer Gruppe zum Ännchen nach Sinzig gewandert war (siehe separater Bericht) präsentierte er am Abend in der Konzerthalle im Kurpark seine „kleine Wandershow“.
„Lachen Sie sich Blasen“
Ganz leger im karierten Hemd betritt Manuel Andrack die Bühne. Und entschuldigt sich zunächst dafür, dass die Bilder, die per Beamer auf die Leinwand projiziert wurden, schwer erkennbar sind. Der Grund: Es ist einfach noch zu hell in der Konzerthalle, die sich nicht verdunkeln lässt. „Das müssen Sie sich so vorstellen: Onkel Hans will Dias zeigen, aber Tante Hilde hat vergessen, die Vorhänge aufzuhängen.“ Damit hat er den ersten Lacher geschafft und das Eis ist gebrochen, wenn man angesichts tropischer Temperaturen im gut gefüllten Glaspalast des Kurparks davon überhaupt sprechen kann. Zu einer Reise durch die Welt des Wanderns unter dem Titel „Lachen Sie sich Blasen“ lädt Andrack ein, dafür hat er allerhand erstaunliche Erkenntnisse, gewagte mathematische und statistische Theorien und humorvolle Anekdoten im Gepäck. Schon als Kind ist der kleine Manuel gerne gewandert, den Blick immer schön nach unten gerichtet, um bloß nicht zu stolpern. Respektive um die Seilbahn nicht zu sehen, die über einem den Hang hinauf schwebt, den man so mühevoll hochkraxeln muss. Dass Andrack trotz dieser traumatischen Erlebnisse, trotz des Beitrages von Peter Lustig in der legendären ZDF-Serie Löwenzahn zum Thema Wandern, trotz der unsäglichen Heimatfilme vom Schlage „Grün ist die Heide“ aus dem Jahr 1973 mit Roy Black dieser Art der Fortbewegung treu geblieben ist, grenzt an ein Wunder. So wie es an ein Wunder grenzt, dass er sein einziges hochalpines Abenteuer – die Besteigung des Watzmann – trotz schlimmer Höhenangst überlebt hat.
Kosmos des Wanderns
Sein Kosmos des Wanderns reicht von philosophischen Ausführungen über das Wanderparkplatzschild über diverse Erfahrungen mit den verschiedenen Quartiermöglichkeiten: Die Ferienwohnung Edeltraud bietet eben etwas anderes als die Pension Claudia, vom Haus Romeo ganz zu schweigen. Von da ist es gewissermaßen nur ein kleiner Schritt bis zum Thema Nacktwandern. Nach der Pause bleibt es ähnlich bunt: Das Spektrum reicht von der Försterliesl aus dem Jahr 1953 über den Bericht von einer Wanderung mit dem Postboten durch einen Vulkankessel auf der Insel La Reunion, von Hinweisen über das richtige Schuhwerk bis zu Regeln bei Gewitter. Dass Männer und Frauen unterschiedlich wandern, die einen zielorientiert, die anderen prozessorientiert, hat sich dem Autor diverses Bücher auch schon erschlossen. Und sogar eine Wanderhypnose probiert er gemeinsam mit dem Publikum aus. Egal, welche gedanklichen Haken der in Köln geborene, heute im Saarland lebenden Germanist auch schlägt, die Zuhörer folgen dem Führer durch den Kosmos des Wanderns willig.
Niveauvolle Unterhaltung
Denn eines ist allen seinen Ausführungen zu eigen: Sie kommen zwar lustig daher, sind aber immer niveauvoll und unterhaltsam. Zotig wird es erst ganz zum Schluss, beim ersten und einzigen Wanderwitz, den er zum Abschluss bringt. Schwamm drüber. Was bleibt, ist eine humorvolle Liebeserklärung an das Wandern, von den Besuchern mit herzlichem Beifall belohnt.
