Politik | 22.02.2015

Gemeinderat Grafschaft beschäftigte sich in der jüngsten Sitzung mit Verkehrsproblemen

Wohin soll der Zusatzverkehr fließen?

Haribo und FOC verdreifachen das Verkehrsaufkommen im Innovationspark Rheinland - Die Bürger sollen ausreichend Gelegenheit zur Stellungnahme bekommen

Bürgermeister Achim Juchem erläuterte bei der Gemeinderatssitzung die Planung zur künftigen Verkehrsführung rund um den Innovationspreis Rheinland-Pfalz vor etwa 150 Zuhörern. JOST

Ringen. Die Ansiedlung von Haribo und dennoch über mögliche Bau eines Factory Outlet Centers (FOC) im Innovationspark Rheinland in Ringen hat nicht nur wirtschaftliche, sondern auch verkehrstechnische Auswirkungen auf die Gemeinde Grafschaft. Das erfuhr der Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung im Ringener Bürgerhaus ebenso wie knapp 150 Bürger, die sich für dieses Thema interessierten. Verkehrsplaner Friedhelm Großmann vom Ingenieurbüro SSP Consultant aus Bergisch Gladbach stellte dazu die ersten Ergebnisse einer umfangreichen Verkehrsuntersuchung vor, die sich mit diesen Auswirkungen beschäftigt. So stellte er unter anderem fest, dass derzeit etwa 2200 Fahrzeuge pro Tag den Innovationspark befahren würden - im Jahr 2030 werde sich dies jedoch fast verdreifachen auf 6200 Fahrzeuge pro Tag. Sind es derzeit noch 200 Lkw, werden es dann 940 Lkw sein, die Werktag für Werktag das Gewerbegebiet ansteuern werden. Wie diese Verkehrsmassen künftig sinnvoll gelenkt werden sollen, steht derzeit zur Debatte - doch eine spruchreife Lösung gibt es noch lange nicht. Dafür gibt es einfach zu viele Alternativen, die jede einzelne für sich gesehen Vorteile und Nachteile birgt, die man nun gegeneinander abwägen muss.

16 Varianten vorgestellt

Der Planer stellte 16 Varianten vor, teil mit und teils ohne neue Autobahnanschlussstelle, teils mit „Südtangente“ vom Haribo-Firmengelände Richtung Eckendorfer, teils mit Südspange am Ringener Kreuzerfeld vorbei oder mit Südwestspange zwischen Bölingen und Vettelhoven, teils mit und teils ohne Autohof auch nicht. Den Zuhörern schwirrte jedenfalls der Kopf vor lauter Zahlen und Daten, und auch der Rat fühlte sich von dieser schweren Kost derzeit überfordert.

„Wir wollen die Situation verbessern, nicht verschlimmern“, versprach Bürgermeister Achim Juchem jedoch schon jetzt und erhielt dafür auch die Zustimmung aller Ratsfraktionen. Er zeigte aber auch die Crux der Entscheidung auf: Wenn eine der neuen Trassen Entlastungen für einen Ortsteil bringt, geht dies meist mit Belastungen für einen anderen Ortsteil einher. Lediglich eine Variante mit einem komplett neuen Autobahnanschluss etwa in Höhe der Wirtschaftsweg-Brücke, die zwischen Vettelhoven und Bölingen über die Autobahn führt, scheint auf den ersten Blick für keinen Ortsteil zusätzliche Belastungen mit sich zu bringen. Diese Variante werde auch vom Landesbetrieb Mobilität favorisiert, wusste Planer Klaus Becker von der Gemeindeverwaltung. Dennoch könne zum jetzigen Zeitpunkt noch keine konkrete Empfehlung gegeben werden. Dafür müssten noch weitere Faktoren überprüft werden, beispielsweise auch die Kosten und die mögliche Fahrzeitersparnis.

Spange nach Eckendorf wird abgetrennt

So einigte man sich im Rat letztlich auf folgendes Vorgehen: Die Planung für eine Anbindungsspange vom Innovationspark an die Kreisstraße 34 in Eckendorf sowie der geplante Parkplatz und ein vorgesehenes Regenrückhaltebecken werden vom Verfahren abgetrennt und separat getrachtet. Die Anbindung an die K 34 wurde, aufgrund der Vielzahl von Bedenken sowie einer fehlenden Verkehrsuntersuchung, zurückgestellt, außerdem seien die Grundstückseigentumsverhältnisse für die Bereiche „Rückhaltebecken“ und „Lkw-Parkplatz“ noch nicht abschließend geklärt. Weil die Südanbindung des Innovationsparks ausschließlich der Erschließung des Haribo-Geländes dient, sprach man sich im Rathaus dafür aus, dieses Verfahren für diese neue Straße isoliert fortzusetzen. Der Gemeinderat erklärte einstimmig, sich „für eine Verbesserung der Verkehrssituation in der Grafschaft“ einsetzen zu wollen. Welche der in der Verkehrsuntersuchung vorgestellten Lösungen zur Entlastung der Verkehrssituation letztlich weiter verfolgt werden sollen, müsse man allerdings in einer gesonderten Sitzung beraten.

Bürger sollen einbezogen werden

Die Grafschafter Bürger sollen ausreichend Gelegenheit zur Stellungnahme bekommen, versprach Bürgermeister Achim Juchem. Sie hätten innerhalb einer Frist von zwei Monaten plus Ferien die Gelegenheit, zu der Untersuchung und zu den einzelnen denkbaren neuen Streckenführungen Anregungen und Bedenken zu äußern. Die Verkehrsuntersuchung mit allen Details werde auf der Homepage der Gemeinde unter www.gemeinde-grafschaft.de veröffentlicht, sobald sie fertiggestellt ist. Dann erst beginnt auch die Frist. Zu der Untersuchung an sich soll es auch eine geeignete Zusammenfassung für Laien geben. Die Bürgerbeteiligung erfolge außerhalb eines förmlichen Bauleitplanverfahrens. Sobald die Auswirkungen der einzelnen „Planfälle“ sowie die Bürgeranregungen bewertet seien, wolle die Verwaltung den zuständigen Gremien für die weiteren Beratungen Bericht erstatten.

Bürgermeister Achim Juchem erläuterte bei der Gemeinderatssitzung die Planung zur künftigen Verkehrsführung rund um den Innovationspreis Rheinland-Pfalz vor etwa 150 Zuhörern. Foto: JOST

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