Würdiger Abschluss des Jubiläumsjahrs
MFC Bad Neuenahr glänzte zusammen mit Britta Bauer und dem Ensemble Mondial
Bad Neuenahr. Für den Männer- und Frauenchor Bad Neuenahr (MFC) war das nun endende Jahr keineswegs wie jedes andere. Denn im Vordergrund stand der 150. Geburtstag, der mit Konzerten, einem großen Sängerfest und einem feierlichen Festakt bereits gebührend gefeiert wurde. Den Abschluss des Jubiläumsjahres bildete nun ein festliches Weihnachtskonzert unter Mitwirkung der Flötistin Britta Bauer, des Ensembles Mondial und des bekannten Kabarettisten und Moderators Konrad Beikircher in der Rosenkranzkirche.
Bissig und unterhaltsam
Gewohnt eloquent, das eine oder andere Mal bissig in seinen Kommentaren, aber stets unterhaltsam führte Moderator Beikircher durch den späten Sonntagnachmittag. Als ausgewiesener Musikkenner hatte er auch so manch illustre Anekdote im Gepäck, insbesondere die vielen aus Sachsen stammenden Komponisten hatten es ihm angetan. „Ohne die geht es eben nicht“, so sein Resümee, bevor der MFC mit „Sing unto God“ und Henry Purcells „Lobet den Herrn der Welt“ einen harmonischen Auftakt hinlegte. Amüsant bot Moderator Beikircher mit dem Seitenhieb zur „kölschen Sproch“ einen Einblick in Antonio Vivaldis Wirken, würdigte die späte Entdeckung seiner Werke und wies auf sein Armenbegräbnis in Wien hin. Ein Meisterwerk des von Beikircher betitelten „ruuden Pasturs“ und „schrägen Vogels“ ließ die bekannte Flötistin Britta Bauer erklingen - und zwar das Flötenkonzert in F-Dur. Ansprechend auch ihre Interpretationen von Jules Massents „Mediation“ und Johann Sebastian Bachs „Menuett und Badinerie“ (aus der h-Moll-Suite), die einmal mehr bewiesen, wie treffend Britta Bauer die verschiedenen musikalischen Charaktere erfasst und in virtuoser Form umsetzt. Während ihrer Darbietungen hätte man die berühmte Stecknadel tatsächlich fallen hören können, so andächtig und fasziniert verfolgten die zahlreich erschienenen Gäste ihr Flötenspiel. Und auch der jubilierende Bad Neuenahrer Männer- und Frauenchor hatte sich mächtig ins Zeug gelegt und zahlreiche Probenstunden investiert, um dem weihnachtlichen Festkonzert den entsprechenden gesanglichen Rahmen zu geben.
50-jähriges Chorleiterjubiläum
Chorleiter Werner Lohner, der in diesem Jahr sein 50-jähriges Chorleiterjubiläum feiert, hatte seine rüstigen Sänger wieder perfekt eingestimmt, so dass Darbietungen wie „Psalite“ und „In dulei jubilo“ von Michael Prätorius zum wahren Hörgenuss wurden. Das gesangliche Volumen erfüllte das ganze Gotteshaus. Bis in die letzten Reihen war auch aufgrund einer gut ausgerichteten Tontechnik jeder Ton klar hörbar. Für beste Sicht auf das Geschehen sorgten auch die zusätzlich aufgestellten Stühle im Mittelgang. So manch amüsantes Schmunzeln war bei Konrad Beikirchers Interpretation der Weihnachtsgeschichte bereits vorprogrammiert. In mundsprachlicher Art erzählte er vom „broven“ Jesuskind, das gerne Daumen lutschte und in „Windele jewickelt“ im „Krippsche“ lag, und von der Ankunft der Heiligen drei Könige. In der Rolle des Geschichtenerzählers ging er merklich auf. Umrahmt wurde die Erzählung von insgesamt sechs Gesangsdarbietungen des Chores im Zusammenspiel mit Flötistin Britta Bauer und dem Ensemble Mondial, das sich aus ehemaligen Mitgliedern der Kölner Dombläser zusammensetzt. Der Adventskranz leuchtete, ein buntes Farbenspiel schaffte Atmosphäre, als der MFC seine musikalischen Qualitäten noch einmal zum Besten gab - dieses Mal jedoch im Kölner Dialekt. So wurde aus „Christkindleins Wiegenlied“ und dem bekannten „Kling Glöckchen“ kurzerhand das „Chreßkingkches Wegeleed“ und „Kling, Glöckche, klingelingeling“. Dem Publikum gefiel’s, und auch den Sängerinnen und Sängern war der Spaß beim Singen in ihrer „Sproch“ sichtbar anzumerken. Nach Samuel Scheidts „Galiarda“ - brillant vom Ensemble Mondial intoniert - und „Alle Himmel singen“ machte Moderator Beikircher darauf aufmerksam, dass das allseits bekannte „Tochter Zion“ ehemals als Kampflied verwendet wurde. Dennoch zauberten der MFC im Zusammenspiel mit den Mitgliedern des professionellen Ensembles vorweihnachtliche Atmosphäre und stimmten schon einmal auf das anstehende Fest ein. Den pompösen Abschluss eines abwechslungsreichen Konzerts bildeten die drei Choräle aus dem Weihnachtsoratorium von Johann Sebastian Bach und „Herbei o ihr Gläubigen“ im Satz von Arnold Kempkus.
Aufregendes Jahr geht zu Ende
Und so geht ein aufregendes Jahr für den MFC Bad Neuenahr zu Ende. 2013 gibt es zwar kein Jubiläum zu feiern, doch die Aufrechterhaltung des traditionellen Liedguts und die Vorbereitung ansprechender Konzerte wird bei den Chorverantwortlichen auch im nächsten Jahr höchste Priorität haben. Der große Besucherzuspruch über die Jubiläumsveranstaltungen hinweg hat gezeigt, welch besonderen Stellenwert der Männer- und Frauenchor in der städtischen Gemeinschaft besitzt. So kann das auch was mit den nächsten 150 Jahren werden.
RERE
Konrad Beikircher moderierte in der Rosenkranzkirche.
