Allgemeine Berichte | 06.08.2013

In Bendorf begeisterte nicht nur die Uraufführung von „Das Schlackehotel“, sondern auch „RhineCircle Pipes and Drums“

Dudelsackspiel zur Premiere

Zum Schluss des Theaterstücks kamen alle Protagonisten auf die Bühne. HEP

Bendorf. Die Bendorfer Röstöfen machten bei der Uraufführung des Theaterstücks „Das Schlackehotel“ ihrem Namen alle Ehre. Denn nicht nur die Schauspieler der Gruppe „Die Findlinge“, sondern auch die fast 130 Premierengäste dürften sich bei dem tropischen Wetter fast wie damals das Eisenerz gefühlt haben: geröstet. Dennoch hielten alle tapfer durch und sorgten so dafür, dass die Premiere der „Festspiele am Rheinblick“ zu einem bedeutenden kulturellen Ereignis wurde. Dazu trug in der Pause auch die vor etwa einem Jahr gegründete Neuwied/Koblenzer Dudelsackband „RhineCircle Pipes and Drums“ bei. Zu ihr gehören unter anderem Musiker aus Sayn, Neuwied und Koblenz. Peter Lindemann, Initiator und Vorsitzender des Kulturforums der Gesellschaft für Geschichte und Heimatkunde (GGH) hatte die Dudelsackspieler engagiert.

Das Stück „Das Schlackehotel“ hatte Patrick Dollmann geschrieben und als Regisseur mit den Schauspielern der Gruppe „Die Findlinge“ inszeniert. Schließlich wurde im vergangenen Jahr die Kaimauer im Bendorfer Hafen nach jahrelanger Renovierung fertig. Und wo heute der Sitz der Bendorfer Umschlags- und Speditions GmbH ist, war früher das Hafenamt, das im Obergeschoss vor mehr als 100 Jahren eine Gastwirtschaft und etwa zwei Betten für Übernachtungsgäste beherbergte. Errichtet wurde das Gebäude auf Schlacke aus der Sayner Hütte und so wurde die Gaststätte liebevoll „Schlackehotel“ genannt. Um dessen Wirtin, besser bekannt als „Fritsche Luis“, ranken sich einige Anekdoten mit einer Fülle von brisantem Stoff, um daraus die Komödie „Das Schlackehotel“ zu schreiben.

Eine fiktive Geschichte

Das Stück zeigt die fiktive Geschichte der Wirtin Erika Waldhaus (Irmgard Teschke), die das geschäftige Treiben im Bendorfer Rheinhafen fest im Griff hat, obwohl sie erst vor einigen Monaten das Schlacke-Hotel übernahm. So treten dann auch die Stammgäste in ihr Leben. Da ist ein Dauergast, die alte, sprachlose Mathilde Kuhn (Renate Steinkamp), die nur in ihrem Schaukelstuhl sitzt und strickt. In ihren Augen glüht noch immer die Sehnsucht nach einem Mann, der vor Jahren auf ein Schiff stieg und verschwand. Der Gießer Kaspar Klein (Wolfram Hartleif) und der Handelsschiffer Kapitän Vitus Frey (Jürgen Lindner) geben sich die Klinke in die Hand. Wohl auch wegen der jungen Viktoria (Jennifer Paulus), die sich um Ausschank und Küche kümmert und der aufreizenden Paula Schenk (Daniela Goeth), die ebenfalls Dauergast ist. Da kreuzt dann auch Frau Theisen (Alice Schmitz) als Gast auf und möchte gerne ein Hotelzimmer.

Fröhliches Treiben herrscht im Schlacke-Hotel bis zu jenem Tag, als sich mit der Ankunft der Koblenzer Hotelbesitzerin Kora Reitz (Christiane Brühl) - sie musste im Mantel und mit einem Fuchspelz um den Hals auftreten - die Stimmung jäh verfinstert. Und schon nehmen die Probleme und das Verwirrspiel ihren Lauf.

Für Hotelbesitzerin Erika Waldhaus beginnt alles aus dem Ruder zu laufen und sie will ihre Stelle an den Nagel hängen. Dann ist da noch der Schiffer Benno Brandes (Stefan Bau), der hinter Paula her ist. Schließlich wird es noch leicht kriminell, doch Polizist Lorenz (Harald Schäfer) mit seinem unverständlichen „ausländischen Dialekt“ - vermutlich kowelenzerisch - kann die Tat aufklären.

In die menschlichen Verwirrungen bringt Kapitän Richard Fox (Thomas Krämer) Licht und schließlich enden, wie könnte es anders sein, die Probleme mit einem Happy End und die Übeltäter bekommen das, was ihnen zusteht.

Großes Engagement

Trotz der Hitze zeigte das Ensemble „Die Findlinge“ - sie stehen bereits im fünften Jahr auf der Bühne der „Festspiele am Rheinblick“ - für Laienschauspieler eine beachtliche Leistung. Die Protagonisten zeichneten sich auf der Bühne aus durch sehr großes Engagement und erhielten für ihre Leistungen vom Publikum, darunter auch der Vorsitzende des SPD-Landtagsfraktion Hendrik Hering und Bürgermeister Michael Syré mit der übrigen Bendorfer Stadtspitze, den verdienten Beifall.

Wer „Das Schlacke-Hotel“ nicht gesehen hat, muss sich nicht ärgern, denn es gibt im August noch fünf Aufführungen, immer um 19:30 Uhr auf der Freilichtbühne an den Eisenerzröstöfen am: Freitag, 9., Samstag, 10., Sonntag. 11. sowie am Freitag 23. und Samstag 24.. Karten sind im Bendorfer Buchladen am Kaufland, Berghotel „Rheinblick“ oder per E-Mail kulturforum-bendorf@t-online.de zu bekommen.

Dort gibt es auch Tickets für die beiden musikalischen Leckerbissen des Kulturforums. Die Sopranistin Camille Schnoor gestaltet am 17. August einen Opern- und Operettenabend rund um die Heldinnen der Musikgeschichte und das Finale auf der Freilichtbühne bereitet der bekannte Chansonier Marcel Adam mit dem Trio La fine équipe am 30. August, jeweils 19.30 Uhr. Alle Infos zum Programm der Festspiele unter www.kulturforum-bendorf.de

Vergebens macht Benno der aufreizenden Paula den Hof.

Vergebens macht Benno der aufreizenden Paula den Hof.

Zum Schluss des Theaterstücks kamen alle Protagonisten auf die Bühne. Fotos: HEP

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