Leni‘s Kochbuch in Bendorf zu erwerben
Ein Kochbuch und Zeitdokument
Bendorf. Wenn die Geschwister Marlene Schnitzler und Paul-Heinz Kappel von gutem Essen reden und sich zum Kochen an den Herd stellen, fallen Worte wie „gebackener Kalbskopf“, „Muckturtle Ragout“, „Brisolette“ und „Sauce Mousselin“, Begriffe und Rezepte, die heute kaum noch einer kennt, die aber vor 80 Jahren unverzichtbarer Bestandteil guter Küche waren. Man findet sie in „Leni‘s Kochbuch“, das von der Mutter der Geschwister in den Dreißigerjahren des letzten Jahrhunderts niedergeschrieben wurde.
Maria Magdalena Kappel wurde 1911 in Oberwesel geboren und kam mit ihrer Mutter nach des Vater‘s Tod als noch schulpflichtiges Mädchen nach Bendorf, wo sie bis zu ihrem frühen Tod mit 39 Jahren wohnte. Als junges Mädchen besuchte sie die Hauswirtschaftsschule; in dieser Zeit schrieb sie ihr eigenes Kochbuch, das ihre Kinder aufbewahrten. Die Rezepte auszuprobieren gelang ihnen allerdings nicht. Ihre Mutter hatte sie in Sütterlinschrift geschrieben. Der heute 77-jährige Paul-Heinz Kappel fand in Bremen ein Institut, das die Rezepte übersetzte und in ihm reifte die Idee, ein Kochbuch zu gestalten und herauszugeben. Das Eisenkunstguss-Museum in Bendorf zeigte sich interessiert, stellte Bilder seiner Öfen aus der Zeit, in der Leni Kappel ihr Kochbuch schrieb, zur Verfügung, die jetzt im Buch veröffentlicht sind, und war auch bereit, das Buch im Museum zu verkaufen. Illustriert wurde es mit Bildern des verstorbenen Waldescher Malers Peter Duchêne, der mit Paul-Heinz Kappel befreundet war.
Von der Idee bis zur Fertigstellung des Kochbuches vergingen sechs Monate, aber vor Weihnachten konnte Marlene Schnitzler endlich die Rezepte ihrer Mutter ausprobieren. Als Erstes - passend zum Advent - buk sie Spritzgebäck, das neben Butter zusätzlich mit Schmalz gebacken wird und den Geschwistern wesentlich besser schmeckte als das gewohnte. Nach und nach kamen die Rezepte an die Reihe, es bedurfte dabei allerdings einiger Aufmerksamkeit, denn beispielsweise Gradzahlen, Garzeiten, Ober- und Unterhitze sind nicht angegeben; man muss schon selbst ein wachsames Auge auf die Gerichte haben und öfters einmal nachsehen, wie weit die Dinge gediehen sind. Dafür ist aber auch alles handgemacht, keine chemischen Zusatzstoffe, keine Fertigprodukte, kein „schnell aus der Tüte“, wie es heute üblich ist. Die Rezeptsammlung beinhaltet Süßspeisen, Suppen, Fisch- und Fleischspeisen, Soßen, Kartoffel-, Mehl- und Eierspeisen, Gefrorenes, Eingemachtes und Vieles mehr.
Kochbücher gibt es wie Sand am Meer. Aber Leni‘s Kochbuch ist kein gewöhnliches Kochbuch, es ist eher ein Zeitdokument, interessant für die ältere Generation, die sich noch an die wohlschmeckenden Gerichte ihrer Eltern und Großeltern erinnert, interessant für die jüngere, die wissen möchte, wie es in den Küchen ihrer Vorfahren zuging.
Leni‘s Kochbuch gibt es im Rheinischen Eisenkunstguss-Museum in Bendorf-Sayn oder bei Paul-Heinz Kappel unter Tel. (0 26 01) 27 98 und auf dem Bendorfer Weihnachtsmarkt vom 5. bis 7. Dezember am Stand der Stadt Bendorf (Touristeninfo Förderkreis Eisenkunstguss-Museum) auf dem Kirchplatz. Der Verkaufserlös soll nach Abzug der Kosten dem Förderkreis Bendorfer Eisenkunstguss-Museum zugute kommen.