Allgemeine Berichte | 09.09.2014

Welt in Schwarz und Weiß - Stiftung Sayner Hütte

Expressionismus als Gesamtkunstwerk

Musik im Schatten des Krieges - Kammerkonzert und Führungen am „Tag des offenen Denkmals“ in der Sayner Hütte

Vertreter von Freundeskreis und Stiftung Sayner Hütte bei der Besichtigung der Sanierungsmaßnahmen (v.r.): Bürgermeister Michael Syré, Rehlinde Glöckner, Kulturstaatssekretär Walter Schumacher, GDKE Generaldirektor Thomas Metz, Fürstin Gabriela Sayn-Wittgenstein-Sayn, Michael Doetsch, Prof. Andreas Bührig-Polacek, Vorsitzender des Stiftungsbeirates Prof. Dr. Meinrad Maria Grewenig, Prof. Wolfgang Lorch, Claudia Schwarz, Werner Prümm, Dr. Achim Schloemer, Werner Dietz, Werner Hennemann. T. Naethe

Bendorf-Sayn. Ein besonderer Tag verdient ein besonderes Programm. Und deshalb lädt zum „Tag des offenen Denkmals“ am Sonntag, 14. September, nicht nur der Freundeskreis Sayner Hütte zu seinem traditionellen Hüttenfest auf dem Denkmalareal Sayner Hütte ein, sondern im Rahmen des Kultursommer-Veranstaltungsprojekts „Welt in Schwarz und Weiß - Expressionismus als Gesamtkunstwerk“ findet am gleichen Tag in der Gießhalle, deren Restaurierung vor dem Abschluss steht, ein Kammerkonzert in Kooperation mit der Landesstiftung Villa Musica statt.

Ausstellungstafeln in der Krupp’schen Halle informieren über den Werdegang der Eisengießerei und der Denkmalanlage, dazu gibt es von 11 bis 15 Uhr jeweils zur vollen Stunde sachkundige Führungen. Stärkung bietet der Freundeskreis mit Kaffee und Kuchen, Getränken und Grillwürstchen.

Um 17 Uhr beginnt in der Gießhalle das Kammerkonzert. Im Zentrum des gezielt auf Werke, die am Vorabend bzw. bei Beginn des Ersten Weltkriegs komponiert wurden, konzentrierten Programms steht der „Pierrot lunaire“ von Max Kowalski. Der 1882 im ehemals russischen, heute polnischen Kowal als Sohn eines jüdischen Kantors geborene Kowalski, der sich bereits während seines Jurastudiums intensiv der Musik widmete, Gesangsunterricht nahm und als Rechtsanwalt Komposition studierte, schuf seinen 1913, ein Jahr vor dem Schönbergschen „Pierrot“ veröffentlichten Liedzyklus nach Gedichten des Belgiers Albert Giraud.

Aufgeführt werden acht der zwölf Lieder durch den 1948 in Neuwied geborenen Bernhard Wambach und die Mainzer Sopranistin Regine Pätzer, 2011 anlässlich einer szenischen Aufführung des Schönbergschen „Pierrot“ als „künstlerische Offenbarung“ von der Kritik gelobt. Wambach ist einer der bekanntesten deutschen Pianisten. Konzertreisen führten ihn in die Musikmetropolen Europas sowie nach Israel, Japan, Taiwan, Korea, China und Indien. Er war Gast bei großen Musikfestvals wie den Berliner Festwochen, der Biennale in Berlin und Venedig, den Wiener Festwochen, dem Festival d’automne Paris und den Donaueschinger Musiktagen. Regelmäßig arbeitete er mit renommierten Dirigenten zusammen, u.a. mit Michael Gielen, Hans Zender, Myung-Whun Chung, Peter Eötvös und Lothar Zagrosek.

Ein Schwerpunkt seiner künstlerischen Arbeit gilt der Aufführung wichtiger Werke unserer Zeit, die zur Zusammenarbeit mit Komponisten wie Stockhausen, Boulez, Nono, Xenakis, Kagel, Rihm, Lachenmann und Hosokava führte. Neben zahlreichen CD-Aufnahmen wurden viele Konzerte für den Rundfunk und das Fernsehen aufgezeichnet. Bernhard Wambach gab Klavierkurse bei den Internationalen Ferienkursen für Neue Musik in Darmstadt, beim Centre Acanthes Avignon, beim Akiyoshidai Music Festival in Japan, in Korea, Italien, China und Taiwan. Bis 2013 unterrichtete er als Professor für Klavier an der Folkwang Universität der Künste Essen.

Das Duo Pätzer und Wambach interpretiert auch den zweiten, nahezu zeitgleich entstandenen Liedzyklus, die „Sechs Gesänge nach Texten von Maurice Maeterlinck, op. 13“ von Alexander Zemlinsky, 1910 und 1913 komponiert.

Drei zeitgenössische Kammermusikwerke, bei denen Wambach mit dem Geiger Tim Vogler, Primarius des als eines der besten Streichquartette der Gegenwart geltenden Vogler Quartetts, und dem jungen Cellisten Young Jin musiziert, bilden den Rahmen der Liedzyklen. Den Anfang macht Claude Debussys „Sonate pour violoncelle et piano“, die erste einer Reihe von sechs bewusst mit der deutschen kammermusikalischen Tradition brechenden Sonaten, die Debussy, krank und verbittert, 1915 zu komponieren begann. Gleichfalls im Schatten des Ersten Weltkriegs entstanden 1914 Leos Janáceks Sonate für Violine und Klavier´ („Ich konnte in meinem Kopf das Geräusch von splitterndem Stahl hören!“) und Maurice Ravels berühmtes Klaviertrio a-Moll, in den ersten Tagen nach Kriegsausbruch geschaffen, als sich Ravel mit der „Sicherheit und Hellsichtigkeit eines Verrückten“ in die Arbeit stürzte.

Karten für das Konzert gibt es unter www.ticket-regional.de, bei der Tourist-Information Bendorf unter Tel. (0 26 22) 9 02 91 32 oder touristinfo.sayn@bendorf.de und an der Abendkasse, mehr Informationen unter www.freundeskreis-saynerhuette.de.

Vertreter von Freundeskreis und Stiftung Sayner Hütte bei der Besichtigung der Sanierungsmaßnahmen (v.r.): Bürgermeister Michael Syré, Rehlinde Glöckner, Kulturstaatssekretär Walter Schumacher, GDKE Generaldirektor Thomas Metz, Fürstin Gabriela Sayn-Wittgenstein-Sayn, Michael Doetsch, Prof. Andreas Bührig-Polacek, Vorsitzender des Stiftungsbeirates Prof. Dr. Meinrad Maria Grewenig, Prof. Wolfgang Lorch, Claudia Schwarz, Werner Prümm, Dr. Achim Schloemer, Werner Dietz, Werner Hennemann. Foto: T. Naethe

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