Allgemeine Berichte | 12.08.2014

Staatssekretär Schumacher: Herausragende Kulturstätte in der Region

Sanierungsarbeiten sind in vollem Gange

Die historische Gießhalle wird zurzeit an der berühmten Westfassade saniert. Thomas Naethe

Bendorf-Sayn. Die Landesregierung Rheinland-Pfalz setzt sich seit Jahren für die Aufnahme der Sayner Hütte auf die UNESCO-Welterbeliste ein. In diesem Vorhaben wird sie aktiv unterstützt durch den Freundeskreis Sayner Hütte e.V. und die STIFTUNG SAYNER HÜTTE.

Im Jahre 2012 wurde eine entsprechende Bewerbung bei der Kultusministerkonferenz zur Aufnahme des wichtigen Industrieerbes in Sayn in die deutsche Vorschlagsliste (Tentativliste) eingereicht. Jetzt mussten die Akteure zur Kenntnis nehmen, dass die Kultusministerkonferenz am 12. Juni entschieden hat, diesem Antrag nicht stattzugeben. Die Kultusministerkonferenz ist bei ihrer Entscheidung der Empfehlung eines Fachbeirates gefolgt. Dieser international besetzte Fachbeirat hatte die Aufgabe, die 31 eingereichten nationalen Anträge hinsichtlich ihrer Erfolgsaussichten zu bewerten. Denn die Kultusministerkonferenz hatte sich zum Ziel gesetzt, nur solche Anträge auf die neue deutsche Tentativliste aufzunehmen, die später auch eine realistische Chance auf Aufnahme in die UNESCO-Welterbeliste besitzen. Nach dieser Begutachtung haben es nur neun von den 31 eingereichten Bewerbungen auf die neue deutsche Tentativliste geschafft. Leider war die Sayner Hütte nicht dabei.

In seiner Begründung erkennt der Fachbeirat die Sayner Hütte als einen der frühen industriellen Verhüttungsstandorte in Deutschland an. Auch die Besonderheit einer Verbindung von sakralen Gestaltungselementen mit der damals im internationalen Rahmen relativ neuen Technik des Eisenskelettbaus fand die Würdigung des Fachbeirates.

Allerdings merkte der Fachbeirat an, dass insbesondere Vergleiche mit frühen Eisenskelettkonstruktionen und Hüttenanlagen aus der Zeit vor und nach 1800 in England, Polen und anderen Ländern fehlten. Relikte der Produktion seien durchaus erhalten, dem Einzeldenkmal fehle die Einbettung in die ursprüngliche industrielle Umgebung. Zudem seien Bereiche der zentralen Halle (Gießhalle) rekonstruiert. „Wir werden uns wieder bewerben“, so Kulturstaatssekretär Walter Schumacher im Rahmen der jüngsten Sitzung von Vorstand und Beirat der STIFTUNG SAYNER HÜTTE. Die Anmerkungen des Fachbeirates geben allen Beteiligten die Vorgabe für die weitere Behandlung und Bewertung der Thematik. Die Grundlage, gezielt auf die Kritikpunkte des Fachbeirates einzugehen, werden Land und STIFTUNG zu nutzen wissen. Schumacher sieht hier ein Symposium renommierter Wissenschaftler, bei dem die weitere und intensive Erforschung der architektonischen Gegebenheiten und industriellen Zusammenhänge im Mittelpunkt stehen sollte. Der Kulturstaatssekretär, der zugleich Vorsitzender der STIFTUNG SAYNER HÜTTE ist, hält es vordergründig für wichtig, dass sich die Sayner Hütte als herausragende Kulturstätte der Region etabliert. Als Mittelpunkt der Kulturlandschaft von Sayn sieht Rehlinde Glöckner, Vorsitzende des Freundeskreises Sayner Hütte e.V. das Denkmalgelände. Seit dem 12. Jahrhundert ist zwischen Brexbach und Saynbach mit Burg, Abtei, Schloss, Schlosspark, Mühle und Sayner Hütte ein Ebenbild einer europäischen Kulturlandschaft gewachsen. Die Sayner Hütte ist daher nicht nur - wie von dem Fachbeirat angemahnt - in eine industrielle Umgebung einzubetten, sie ist vielmehr in dem Kontext „Kulturlandschaft“ zu begreifen.

Für die Zukunft sieht Rehlinde Glöckner - ebenso wie Staatssekretär Schumacher - eine gute Chance, einen Platz auf der Welterbeliste zu erhalten. „Jetzt haben wir die Zeit, die wir benötigen, um die entsprechenden Vorbereitungen zu treffen. Inzwischen gehen die Sanierungsarbeiten an der Gießhalle weiter. Das gilt auch für die Planungen des Besucherzentrums in der Krupp’schen Halle.“ Die STIFTUNG (Land, Kreis und Stadt), die Stadt Bendorf als Eigentümerin des Denkmalareals und der Freundeskreis arbeiten gemeinsam mit der Generaldirektion kulturelles Erbe und potenziellen Förderern an der Sanierung, an Nutzungskonzeption und Marketingstrategie.

Die historische Gießhalle wird zurzeit an der berühmten Westfassade saniert. Foto: Thomas Naethe

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