Ehemaliger Funktionär der CDU Bendorf, Hermann Rosenau, in Darmstadt verstorben
Trauer um einen wichtigen Zeugen der Kriegs- und Nachkriegszeit
Bendorf. Hermann Rosenau, der kürzlich in Darmstadt verstarb, ist vielen Bendorfern in guter Erinnerung, obwohl er nur wenige Jahre, von 1940 bis 1947, hier lebte. Mit seiner Familie kam er nach Sayn, weil sein Vater Dr. Wilhelm Rosenau die Leitung der Israelitischen Heil- und Pflegeanstalt (Jacoby’sche Anstalt) übernahm. Als Jude wäre Dr. Rosenau - wie die anderen 573 Patienten und Angestellten 1942 deportiert worden, wenn nicht seine Frau „Arierin“ gewesen wäre. Der „arische“ Verwalter Paul Kochanek half, ihn vor dem Abtransport zu bewahren, indem er ihn und zwei weitere medizinische Mitglieder des Personals bei den Behörden als Hilfe anforderte, um auftragsgemäß die Anstalt als Reservekrankenhaus wegen der vielen Luftangriffe auf Koblenz zu erhalten. Hermann Rosenau durfte als Sohn eines Juden nicht das Gymnasium besuchen, wohl aber eine Lehre als Elektriker absolvieren. Im Reichsberufswettkampf 1944 wurde er Reichssieger in seinem Beruf. Das gefiel einigen der Nazigrößen nicht. Die Ehrung wurde aberkannt. Vater und Sohn wurden sechs Wochen lang immer wieder verhört. Die Familie befürchtete das Schlimmste. Erst, als Bomben auf Gestapohauptquartier in Koblenz fielen, hörte die Verfolgung auf. Nach Kriegsende stand es für Hermann Rosenau und seine Familie fest, dass sie sich für ein besseres Deutschland einsetzen müssten. Als Arbeiter der Concordiahütte wurde Hermann sofort nach der Zulassung freier Gewerkschaften deren Mitglied. Gleichzeitig bereitete er sich als Externer auf das Abitur vor. Am Tage, als er das Reifezeugnis erhielt, nahm er an der Gründungsversammlung der Jungen Union Bendorf teil, wurde bald deren Vorsitzender und Mitglied des Landesvorstandes, in dem er neben Helmut Kohl und anderen späteren Landespolitikern mitwirkte. Sein Ingenieurstudium führte ihn nach Darmstadt, wo er heiratete und mit seiner Familie bis zu seinem Tode lebte, unterbrochen nur durch einen längeren Aufenthalt in Persien, wo er für einen großen deutschen Elektrokonzern arbeitete. Er studierte die persische Sprache und Literatur und hatte ein profundes Wissen - neben dem naturwissenschaftlich-technischen Gebiet - auch in mehreren anderen Sprachen, in Geschichte und Politik. Zahlreiche Kontakte zu Kollegen in Bendorf, Sayn, Stromberg und Engers blieben erhalten. Gerne erzählte er, dass er in Stromberg öfters bei Veranstaltungen Musik machte und als Lohn etwas zu essen für sich und seine Familie bekam. Der Kontakt zu Bendorf wurde wieder stärker, als Familie Rosenau 1992 gebeten wurde, bei der Vorbereitung einer Ausstellung zur Geschichte der Juden in Bendorf zu helfen. Hermann R. hielt 1996 die Festrede zum 50. Jahrestag der CDU Bendorf und fand Dank und Bewunderung für Inhalt und Art seines Vortrags. Fesselnd waren auch seine Vorträge bei den Sayner Heimatfreunden, besonders „Meine Sayner Jahre 1940-1947. Krieg und erste Nachkriegszeit im Schatten der Jacoby’schen Anstalt“. Das 2002 vor den Gebäuden der ehemaligen Anstalt errichtete Mahnmal verdankt sein Entstehen wesentlich dem unermüdlichen Einsatz Hermann Rosenaus. In einem Vortrag 2006 sagte er: „Bendorf ist für mich immer der Ort meiner wichtigsten Jugendjahre geblieben, weil ich dort die Befreiung vom Terror der Nazizeit erlebt, ein Handwerk gelernt und mit Freunden den Aufbruch in eine bessere Zukunft begonnen habe.“ Darüber hat er außer in Vorträgen auch in Aufsätzen berichtet, die er von Zeit zu Zeit für seinen Freundeskreis schrieb und die vor allem von Bendorfer Persönlichkeiten handeln, die ihm in schlimmer Zeit beigestanden und ihn ermutigt haben, nach Kriegsende für den Aufbau eines humaneren Deutschlands zu wirken.