Deutscher Kinderschutzbund Kreisverband Ahrweiler zum Thema Kindertagespflege
-Professionell und familiär - Ein Tag bei der Tagesmutter
Ständige Weiterbildung ist Voraussetzung für die Erteilung der Pflegeerlaubnis
Bad Neuenahr-Ahrweiler. Es ist sieben Uhr, als es am Montagmorgen das erste Mal an der Haustüre klingelt. Tagesmutter Andrea Jahnen aus Grafschaft-Vettelhoven öffnet ihrem ersten Tageskind die Tür. Der einjährige Paul (Namen der Kinder geändert) kommt erst seit kurzer Zeit zur Tagesbetreuung, ihm fällt der Abschied noch ein bisschen schwer. So geht Andrea Jahnen mit ihm ans Küchenfenster, wo er seiner Mama noch einmal ausgiebig winken kann. Danach wendet er sich zufrieden den Spielsachen im Wohnzimmer zu. Ganz anders Lisa, zwei Jahre alt. Sie kommt schon seit einem Jahr in die Tagespflege und kann es morgens kaum erwarten, ins Wohnzimmer zu stürmen. Der Abschied vom Papa fällt entsprechend kurz aus, schon saust sie los. Bis acht Uhr sind alle anderen Tageskinder auch eingetroffen und der Tag kann beginnen. Wenn die kleine Gruppe (maximal fünf Kinder) vollzählig ist, erleben die Kinder den gemeinsamen Einstieg in den Tag: Alle setzten sich im Kreis auf den Boden, jedes Kind wird namentlich begrüßt und gemeinsam werden ein paar Lieblingslieder gesungen. Anschließend sucht sich jedes Kind aus dem vielfältigen Spielmaterial etwas aus. Neben klassischen Spielsachen wie Duplosteinen, kleinen Autos, Steckspielen, Bällen, Puzzles und Puppen bietet Andrea Jahnen den Kindern auch zahlreiche Dinge des täglichen Gebrauchs an: Schüssel aus unterschiedlichem Material, Ketten, Gardinenringe, Lockenwickler, Schneebesen, Deckel von Babygläschen, buntes Papier, leere Plastikflaschen und vieles mehr stehen zur Verfügung und können von den Kindern selbst ausgewählt werden. Bei allen Kindern sehr beliebt ist das Bilderbücherregal. So liest Andrea Jahnen immer wieder mit viel Geduld alle Lieblingsbücher vor, wobei jeder mal auf dem Schoß sitzen darf. Mehrmals die Woche bietet die Tagesmutter den Kindern gezielte Aktionen an. Da wird ein Kletterparcours oder das Bällehaus aufgebaut, die Knetwerkstatt oder die Fingerfarben werden zur Verfügung gestellt, erste Versuche mit der Kinderschere unternommen und geschnippelt und geklebt. Im Vordergrund steht bei den unter dreijährigen Kindern jedoch das freie Spiel. Hier können die Kinder ganz ihren Fähigkeiten und ihrem Entwicklungsstand entsprechend eigene Erfahrungen machen, Dinge selbst ausprobieren und kreativ sein. „Für ein Kind gibt es nichts Wichtigeres, als ganz alleine etwas zu schaffen, ohne Hilfe von den Großen.“, ist sich Andrea Jahnen sicher. Die Selbstständigkeit der Kinder zu fördern, ist daher für sie ein wichtiges Ziel. Um den Kindern möglichst viel Orientierung und Sicherheit zu geben, ist der Tagesablauf gut strukturiert. Gemeinsames Frühstück, ein täglicher Spaziergang oder Spielen im Garten, Mittagessen, Zähneputzen und Mittagsschlaf sind dabei feste Größen. Die Kinder lernen den Rhythmus und die häusliche Umgebung schnell kennen, sodass sie sich innerhalb kurzer Zeit sicher und geborgen fühlen. In der übersichtlichen Kleingruppe knüpfen sie ihre ersten sozialen Kontakte und machen rasch Fortschritte in ihrer individuellen Entwicklung. Andrea Jahnen kann behutsam auf die Bedürfnisse der Kinder eingehen und fördert jedes Kind seinen Fähigkeiten entsprechend. Die Rückmeldungen der Eltern sind positiv. „Meiner Tochter und mir hätte nichts Besseres passieren können. Ich sehe jeden Tag, wie wohl sie sich in der kleinen Gruppe fühlt“, so Frau H., die die Kindertagespflege ursprünglich als „Notlösung“ wegen eines fehlenden Kitaplatzes gewählt hatte. „Individuelle Rundumbetreuung, kleine Gruppen mit geringem Altersunterschied, flexible Betreuungszeiten und die Integration in einen familiären Haushalt“ waren für Frau T. die Hauptbewegründe, sich für die Betreuung bei einer Tagesmutter zu entscheiden. Sie betont: „Familiensituationen sind heutzutage ja sehr unterschiedlich. Ein Tagespflegeplatz ist für unser Kind und für uns als Eltern genau das Richtige.“ „Die Tätigkeit als Tagesmutter macht sehr viel Spaß, kann aber auch mal anstrengend werden und ist mit der Übernahme einer großen Verantwortung verbunden. Tagesmutter kann man nur mit einer gewissen Leidenschaft und großer Freude am Umgang mit Kindern sein.“, ist Andrea Jahnen überzeugt.
Ausbildung zur Tagesmutter
Tagespflegepersonen werden auf ihre anspruchsvolle Tätigkeit gut vorbereitet. Unter anderem sind eine umfangreiche Qualifizierung von insgesamt 160 Stunden und ständige Weiterbildung Voraussetzung für die Erteilung der Pflegeerlaubnis durch das Jugendamt. In Kooperation mit dem Kreisjugendamt bietet der Deutsche Kinderschutzbund Kreisverband Ahrweiler Fortbildungen zu verschiedenen Themen, Spielgruppen für Tagesmütter mit ihren Tageskindern und Arbeitskreise zum Erfahrungsaustausch an. Aktuell nehmen 15 Frauen aus dem Kreisgebiet an der Qualifizierung zur Kindertagespflegeperson teil, die Anfang Januar startete. Interessierte, die sich über die Ausbildung zur Tagemutter bzw. zum Tagesvater informieren möchten, sowie Eltern, die mehr über diese individuelle Betreuungsmöglichkeit erfahren möchten, erhalten Auskunft bei Elisabeth Jenny-Quirnbach, Leiterin der Tagespflegebörse des Kinderschutzbundes unter Tel.: (0 26 33) 4 75 29 51 oder per E-Mail an tagespflegeboerse@kinderschutzbund-ahrweiler.de. Gerne beantwortet Elisabeth Jenny-Quirnbach auch alle Fragen in einem persönlichen Gespräch und vermittelt Eltern eine zertifizierte Tagespflegeperson.
Pressemitteilung
Deutscher Kinderschutzbund Kreisverband Ahrweiler
