Künstlerhaus Schloss Balmoral in Bad Ems
14 Kunstschaffende mit Potenzial
Jury gibt die Preisträger der Balmoral- und Landesstipendien bekannt
Bad Ems. 13 Künstlerinnen und Künstler aus der ganzen Welt und eine Kuratorin werden im kommenden Jahr mit einem Balmoral- oder Landesstipendium gefördert. Aus über 155 Bewerbungen hat eine Fachjury die Künstlerinnen und Künstler unter besonderer Berücksichtigung der Entwicklungsfähigkeit ihrer künstlerischen Arbeit ausgewählt. Ein Teil der Stipendiaten erhält die Möglichkeit, direkt im Künstlerhaus in Bad Ems zu leben und zu arbeiten. Die anderen Künstler erhalten Projekt-, Auslands- und Austauschstipendien.
Seit 2013 werden die Stipendien für das Schloss Balmoral pro Jahrgang für eine künstlerische Gattung oder ein Thema ausgeschrieben. Dieses spezifische Angebotsprofil war auch ausschlaggebend für die jüngste Auszeichnung des Künstlerhauses auf artnet.com.
Künstlerhaus erhält bedeutende internationale Auszeichnung
Artnet.com ist eines der wichtigsten unabhängigen Online-Portale für Kunst weltweit. Dort ist das Künstlerhaus Schloss Balmoral vor einigen Wochen von einer internationalen Expertenriege zu einem der besten Künstlerhäuser ganz Europas gekürt worden. Kulturminister Konrad Wolf betont: „Ich freue mich, dass das Künstlerhaus der Stiftung Rheinland-Pfalz für Kultur in Bad Ems eine so bedeutende internationale Anerkennung erfahren hat. Balmoral braucht in der Liste der europäischen Künstlerresidenzen den internationalen Vergleich nicht zu scheuen. In Bad Ems treffen künstlerische Talente aus der ganzen Welt und ein weltgewandtes Rheinland-Pfalz aufeinander. Die Stipendiatinnen und Stipendiaten tragen ihre Erfahrungen weiter in ihre Heimatstädte und -länder. Dadurch wird der Bekanntheitsgrad des Künstlerhauses Schloss Balmoral sowohl in Deutschland als auch auf internationaler Ebene stets erweitert.“
Visionen für eine künftige Gesellschaft entwickeln
Die sieben Anwesenheitsstipendiaten werden ab Juni im Künstlerhaus Schloss Balmoral zum Thema „Gestaltung der Zukunft. Wie wollen wir leben, lieben und arbeiten?“ begrüßt. Das Künstlerhaus Schloss Balmoral fragt bildende Künstler nach ihren Visionen und Entwürfen für ein zukünftiges Zusammenleben. Was sind die individuellen und gesellschaftlichen Themenfelder der Zukunft? Welche Chancen eröffnen sich? Welche Kritik gibt es? Wovon bedürfen wir mehr? Was fehlt? Was ist überflüssig? Wovon können wir träumen? Worauf können wir uns freuen? Was ist (un-)möglich? Das Jahresthema 2018 zielt auf eine medien- und gattungsübergreifende Auseinandersetzung, bei der auch die Verknüpfung von bildender Kunst mit angrenzenden Disziplinen wie Architektur und Design sowie mit unterschiedlichen wissenschaftlichen Feldern erwünscht ist.
Vielfältige Formen der Kunst werden gefördert
Die dreimonatigen Aufenthaltsstipendien erhalten Florian Graf (1980 in Basel geboren) und Till Wyler von Ballmoos (1979 in Linden, Schweiz, geboren).
Florian Graf hat Architektur und bildende Kunst studiert. Seine Arbeiten beschäftigen sich mit der Beziehung zwischen Mensch und Architektur, wobei sein Interesse der psychologischen und emotionalen Wirkung von Räumen auf ihre Benutzer gilt. Er arbeitet mit verschiedenen Medien wie Skulptur, Modell, Fotocollage, Zeichnung und Film.
Till Wyler von Ballmoos ist Theaterregisseur, Musiker und Performer. Im Zentrum seiner Arbeit steht die Befragung von Wertesystemen sowie von Konzeptionen und Manipulationen von Wirklichkeiten. Insbesondere beschäftigt er sich mit den Möglichkeiten und Prozessen künstlerischer Zusammenarbeit und der Frage, wie sich Gemeinschaft bildet.
Vier neunmonatige Anwesenheitsstipendien im Schloss Balmoral werden an folgende Künstler verliehen: Nelmarie du Preez (1985 in Pretoria, Südafrika, geboren), Andrea Eva Györi (1985 in Budapest geboren), René Hüls (1973 in Lörrach geboren) und Bert Jacobs (1983 in Maarheeze, Niederlande geboren).
Nelmarie du Preez hat Bildende Kunst und Computational Art studiert. Sie arbeitet mit Performance, Fotografie, Video und Computerprogramming. Ihr Interesse gilt der Frage, wie unser Umgang mit (digitaler) Technik unsere Körper und Zukunft beeinflusst. In ihren interaktiven Performances setzt sich die Künstlerin mit dem Prinzip selbsterfüllender Prophezeiungen und den daran gekoppelten Erwartungshaltungen auseinander.
Andrea Eva Györi beschäftigt sich mit individuellen, zum Teil sehr intimen Lebensweisen und -geschichten fremder Personen, aber auch ihren persönlichen, und fragt, wie darüber ein vertrauensvoller Austausch entstehen kann. In ihren Videos, Fotografien, Zeichnungen und Performances untersucht sie verschiedene Beziehungen und Konstellationen, in denen ein solcher Austausch durch bestimmte Handlungen und Kommunikationsformen entsteht.
René Hüls ist Bildhauer. Ein wichtiger Ausgangspunkt seiner künstlerischen Praxis ist seine langjährige Tätigkeit als Musiker und DJ sowie seine Auseinandersetzung mit Detroit-Techno. Während des Stipendiums möchte er eine Arbeit entwickeln, die sich mit Industrie 4.0 und der Immaterialität von Arbeit beschäftigt.
Bert Jacobs schafft raumgreifende Installationen, die zumeist aus Anhäufungen unterschiedlicher Objekte und Materialien bestehen und auf kollaborativen Entstehungsprozessen basieren. Schöpfung und Dekonstruktion liegen in seinen ephemeren Arbeiten nahe beieinander. Die räumlichen Arrangements changieren zwischen Bühne, Atelier und privatem Zuhause. In Bad Ems möchte Bert Jacobs ein Projekt entwickeln, das in Zusammenarbeit mit Nachbarn, Freunden, Kollegen und Fremden umgesetzt werden soll.
Die Stipendien für rheinland-pfälzische Künstler sind hinsichtlich des Mediums offen: Max Ruf (1982 in Schweinfurt geboren), der das sechsmonatige Stipendium für New York erhält, arbeitet mit Malerei, Zeichnung, Skulptur, Videos und Installation. Während des Aufenthalts in New York möchte er an frühere Arbeiten anknüpfen und ausgehend von der Auseinandersetzung mit seiner städtischen und architektonischen Umgebung neue Werke entwickeln.
Stipendien für Aufenthalte in Paris und Südkorea
Lisa Marie Schmitt (1991 in Trier geboren) wird ein halbes Jahr in Paris verbringen. In ihren Videos arbeitet sie mit dem Verhältnis von gesprochenem Text und Bild. Persönliche Erinnerungen und Erfahrungen verknüpft sie dabei mit unterschiedlichen wissenschaftlichen und medizinischen Phänomenen.
Das zweite Stipendium für Paris wurde Konstantin Voit (1964 in Mannheim geboren) verliehen. Seit über zwanzig Jahren setzt er sich mit den malerischen Möglichkeiten von Schablonen auseinander. Ausgehend von seiner umfangreichen Schablonensammlung hat er verschiedene Bildserien entwickelt, die sich mit den spezifischen Aspekten und Themen der jeweiligen Schablone beschäftigen. Das Stipendium möchte er für die malerische Umsetzung weiterer Werkblöcke nutzen.
Ruth Hutter (1965 in Ludwigshafen geboren) wird drei Monate in Südkorea verbringen. Die Künstlerin arbeitet mit Video, Fotografie und Installationen. Während des Stipendiums möchte sie an ihre jüngsten Arbeiten anknüpfen und diese weiterentwickeln. Sie plant ein Projekt, bei dem sie Video mit Materialien wie Stoff und Holz kombiniert und das Verhältnis von Statik und Bewegung untersucht.
Rieke Köster (1988 in Oldenburg geboren) erhält das Stipendium für das brandenburgische Künstlerhaus Schloss Wiepersdorf. Ihre künstlerische Praxis umfasst Grafik, Zeichnung und Installationen. Ausgehend von spezifischen Materialien und Räumen entwickelt sie Wand- und Bodenarbeiten und Tapeten sowie Installationen mit selbst geschaffenen und gefundenen Objekten.
Die beiden sechsmonatigen Projektstipendien wurden an Laura Eckert (1983 in Trier geboren) und Björn Kühn (1987 in Ludwigshafen geboren) vergeben.
Laura Eckert ist Bildhauerin. Im Zentrum ihrer Arbeiten steht der menschliche Körper und dessen Wandelbarkeit und Formbarkeit. Mithilfe unterschiedlicher Materialien wie Holz, Stein, aber auch Kunststoff, Aluminium und Beton entwickelt sie im Rahmen des Stipendiums ein Projekt, das sich mit unterschiedlichen Körperdarstellungen auseinandersetzt.
Björn Kuhn arbeitet an der Schnittstelle von Skulptur und Performance. Seine Skulpturen sind eigenständige Objekte, werden durch soziale Interaktionen aber aktiviert und Teil von Performances. Während des Stipendiums möchte er ein Buchprojekt entwickeln, das sich mit dem Verhältnis von Mensch und Maschine beschäftigt.
Werke der Stipendiaten werden in der Innenstadt gezeigt
Baharak Omidfard (1976 in Teheran geboren) erhält das neunmonatige Kuratorenstipendium im Künstlerhaus Schloss Balmoral. Sie studierte Kunstgeschichte und Islamwissenschaft an der Albert-Ludwigs-Universität in Freiburg sowie freie Kunst und Grafik an der Kunstuniversität in Teheran. Im Rahmen der „Regionale 13“ und „Regionale 14“ im Dreiländereck Freiburg, Basel und Straßburg kuratierte sie verschiedene Ausstellungen. Während des Stipendienaufenthalts wird sie die Ausstellungen im Ausstellungsraum „Made in Balmoral“ mit den Anwesenheitsstipendiaten des Jahrgangs 2018 in der Innenstadt von Bad Ems realisieren.
Die Entscheidung über die Vergabe der Stipendien wird von einer unabhängigen Fachjury getroffen, bestehend aus Kunstexperten, die verschiedene künstlerische Berufsgruppen vertreten. Besonders zahlreich haben sich wieder Künstler für die internationalen Anwesenheitsstipendien im Schloss Balmoral beworben.
Die Ausschreibung der Balmoral- und Landesstipendien für 2019 erfolgt Anfang Mai 2018.
Pressemitteilung der
Stiftung Rheinland-Pfalz für Kultur
