Gewerbeverein Swisttal
30 Interessierte folgten der Einladung
Rheinbach. Mehr als 30 Interessierte folgten der Einladung des Gewerbevereins Swisttal zu einem Vortrag von Dr. Reimar Molitor, dem Geschäftsführer der Region Köln/Bonn, einem regionalen Zusammenschluss, dem die Städte Köln, Bonn und Leverkusen sowie die Landkreise Rhein-Erft-Kreis, Rhein-Sieg-Kreis, Rheinisch-Bergischer Kreis, Rhein-Kreis Neuss und Oberbergischer Kreis angehören. Der Verein mit 25 Mitarbeitern und einem Etat von 2,5 Millionen existiert seit 25 Jahren und berät seine Mitglieder zu Fragen der optimalen regionalen Entwicklung.
Thema des Vortrags war die Gewerbeflächenentwicklung in Swisttal. Seit etwa acht Jahren, so Molitor, boome die Rheinschiene wirtschaftlich. Gewerbeflächen würden rar, so verlege sich privater Wohnungsbau wie auch Gewerbe in die zweite, dritte und vierte Reihe, sogar bis nach Nettersheim oder Kall. Vorteil seien hier die gute logistische Anbindung sowie geringere Kaufpreise. Entgegen der Prognosen vor zehn Jahren gäbe es so gut wie keinen Leerstand in der Region, im Gegenteil, immer mehr Gewerbetreibende aus Köln und Bonn suchten in der zweieinhalbten Reihe (Swisttal) eine neue Heimat. Aber auch hier sind, das sei nichts Neues, kaum noch Gewerbeflächen in größerem Stil zu erwerben.
Wichtig für jeden Ort sei, so Molitor, das eigene Profil zu finden und zu bewerten. Ein Negativbeispiel für eine gute und nachhaltige Ortsentwicklung sei beispielsweise die Ville, in der in den vergangenen 30 Jahren so viel verbaut worden sei, dass heute ein Ort in den anderen überginge und Orte in ihrer Identität nicht mehr auszumachen seien.
Swisttal mit seinen 80 Prozent Auspendlern müsse sich auf seine Stärken konzentrieren, zum Beispiel die Stärkung des Wohnortfaktors. Swisttal sei ein attraktiver Wohnort in einer ausgezeichneten Lage - gute Logistik, gute Versorgung und Naherholung. Es müsse sich also gut überlegt werden, vor allem im Hinblick auf den anstehenden Regionalentwicklungsplan, der in etwa zwei Jahren die dann kommenden 15 Jahre definiere, gut überlegen, welcher Stempel seinem Ort aufgesetzt werden solle und wem noch verfügbare Gewerbeflächen veräußert werden sollen.
Kleinteilige Parzellierung an Kleingewerbe oder an den passenden, großen gewerbesteuerzahlenden Zuzügler von außerhalb? Eine kluge und wertige Weiterentwicklung sei in jedem Fall wichtig, auch um eigenes Gewerbe nicht an die Nachbarkommunen, unter anderem Euskirchen, zu verlieren und gleichzeitig weiterhin vor Ort attraktiv zu bleiben. Die Flächenplanung in der Region sei bekanntermaßen eingeschränkt, nicht zuletzt durch den Obstbau (drittgrößter in Deutschland) und die Landwirtschaft (insgesamt 44,3 Prozent) sowie Wald (28 Prozent) und den privaten Wohnungsbau. Interkommunale und interregionale Strategien seien bei den Überlegungen sehr wichtig und böten Chancen in der Gesamtbetrachtung eines Regionalentwicklungsplans.
Chancen werden erhöht
Zu Wort am Podium kamen auch Prof. Dr. Stephan Wimmers, Geschäftsführer der IHK Bonn/ Rhein-Sieg, der sich für die umsichtige Ausweisung weiterer Gewerbe- und Industrieflächen aussprach. Für ihn ist die Zusammenarbeit unter den Kommunen wichtig und erhöhe die Chancen, bei der Zuweisung von Gewerbeflächen im Regionalplan berücksichtigt zu werden. Bürgermeisterin Petra Kalkbrenner, die die Situation in Swisttal im Einzelnen skizzierte, stellte in Aussicht, dass die von der Gemeinde Swisttal erkämpfte vorzeitige Änderung des bestehenden Regionalentwicklungsplans wahrscheinlich schneller umgesetzt werden könne als zunächst gedacht (innerhalb von zwei Jahren), angesichts der guten Argumente wie die ausgezeichnete Lage Swisttals sowie der entsprechende Bedarfsnachweis. Winfried Hündgen, einer der größten Arbeitgeber in Swisttal, weist darauf hin, dass Swisttal zukunftsfähig bleiben müsse und deshalb schnellstmöglich, vor allem in Heimerzheim, neue Gewerbeflächen benötige.
Größte Aufmerksamkeit
Der Vorsitzende des Gewerbevereins, Stefan Lütke, der die Veranstaltung moderierte, wies auf die Bedeutung des Gewerbevereins für die Diskussion um die Entwicklung Swisttals hin. Abschließend forderte er: „Wir benötigen ausreichend Gewerbeflächen für die gemeindeansässigen Betriebe und müssen größte Aufmerksamkeit darauf legen, deren Abwanderung zu verhindern. Auch sind die gewerblichen Standorte von Geschäften und Betrieben in den Dörfern zu stärken, um Lebensqualität und wohnortnahe Ausbildungs- und Arbeitsplätze zu erhalten beziehungsweise zusätzlich zu schaffen. Gern begleiten wir die Bürgermeisterin und die Gemeinde Swisttal bei dem Dialog mit dem Gewerbe und neuen Überlegungen zur Zusammenarbeit mit den benachbarten Kommunen, auch im Kreis Euskirchen.“
