Allgemeine Berichte | 09.10.2017

Ferdi Meyer als „Ehemaliger“ hielt eine beeindruckende Ansprache

30 Jahre Erinnerungskapelle „Schwarze Madonna“ - Ein Symbol des Friedens

Rund 50 ehemalige deutsche Lagerinsassen aus der „Goldenen Meile“ trafen sich zum 30. Jahrestag der Erinnerungskapelle

Erinnerungsveranstaltung „30 Jahre Kapelle der Schwarzen Madonna“. -AB-

Remagen. „Wir kamen hierher, vom Kriege geschunden, blutend das Herz, die Glieder verbunden, vom Hunger gezeichnet, vom Elend geplagt, wir wurden wie Vieh zusammen gejagt. Mit 17 Jahren kriegsgefangen, aus mit dem Sieg, nur hoffen und bangen. Ergraute Krieger, hilflos, verhöhnt, man war noch verfeindet, nicht versöhnt. Wir lagen in Löchern, nur Hunger und Leid, in Lumpen gehüllt, kein festes Kleid, kein Dach über´m Kopf, Oede und Ferne, über uns Wolken und Sterne, um uns herum nur Stacheldraht, und oben ein Posten, Gewehr parat“ zitierte am Samstag der ehemalige Kriegsgefangene aus dem damaligen Lager zwischen Remagen und Sinzig, der Goldenen Meile, der fast 90-jährige Ferdi Meyer aus Köln. Mit seinem Gedicht „Überlebt“ traf er nicht nur seine rund 50 ehemaligen Kameraden aus dem Kriegsgefangenenlager mitten ins Herz. Ebenso wie mit seinem Gedicht „Damals hier!“. In diesen Gedichten hat Ferdi Meyer seine Qualen verarbeitet, die er im Kriegsgefangenenlager Remagen erlebt hat, als 17-jähriger Junge, der viel zu früh und zu grausam erwachsen werden musste. „Bis zur endgültigen Entlassung aus der Kriegsgefangenschaft, damals in Wickrathberg, blieben wir ehrlose, abgemagerte Gestalten. Wir hatten die Hölle so grade noch überlebt“, erzählt Ferdi Meyer dem Publikum im Foyer der Rheinhalle. Ferdi Meyer gehörte zu den 250 000 deutschen Soldaten, die zwischen Frühjahr und Sommer 1945 im Kriegsgefangenenlager in der „Goldenen Meile“ zwischen Remagen und Sinzig festgehalten wurde.

Ferdi Meyer kam am Samstag, wie seine rund 50 ehemaligen Kameraden, auf Einladung des Vereins „Friedensmuseum – Brücke von Remagen“ und der Stadt Remagen zur Erinnerungsveranstaltung „30 Jahre Kapelle der Schwarzen Madonna“ erneut nach Remagen. Auch über die aus Lehm geformte Madonna hielt er eine Ansprache. Die Madonna, die beim Kripper Pfarrer gefunden worden war, hatte den damaligen Remagener Bürgermeister Hans Peter Kürten, der schon das Friedensmuseum in den ehemaligen Brückentürmen der Ludendorffbrücke realisiert hatte, inspiriert, neben dem Holzkreuz, das an die schrecklichen Geschehen im Lager erinnern sollte, eine Erinnerungskapelle an just der Stelle zu bauen. Das war vor genau 30 Jahren. Kürten war es gelungen, 320 000 Mark an Spenden zu bekommen und im Oktober 1987 konnte die Erinnerungskapelle „Schwarze Madonna“, in der die aus Lehm, im Lager von Adolf Wamper geformte Madonna einen Ehrenplatz hat, offiziell eingeweiht werden.

Das Treffen am Samstag war das 15. Treffen der Ehemaligen und wie Hans Peter Kürten in seiner Ansprache durchblicken ließ, wohl auch das letzte. „Die Zeitzeugen sterben aus“, betonte Kürten, der noch zu erzählen wusste, dass bei der Einweihung der Kapelle noch 1200 Besucher nach Remagen gekommen waren. Kürten ließ die Entstehung der Erinnerungskapelle kurz Revue passieren.

Bürgermeister Herbert Georgi war voll des Lobes für das „Naturereignis“, den 88-jährigen ehemaligen Bürgermeister von Remagen, Hans Peter Kürten. Besonders, dass er widerstanden habe, aus dem Friedensmuseum ein Kriegsmuseum zu machen, rechnete er ihm hoch an. Georgi mahnte aber auch, dass der Frieden heute viel zu selbstverständlich genommen werde. „Viele Leute gehen mit wenig respektvoll miteinander um. Es sitzen heute Menschen an Positionen, da wird mir angst und bange“, so Georgi. Er betonte, dass man mit Respekt und Wertschätzung miteinander umgehen und auch in der Diskussion sich ohne Säbelrasseln begegnen müsse.

Kreisbeigeordneter Horst Gies, der ebenso wie die anderen Redner die ehemaligen Lagerinsassen und deren Angehörige, die Pfarrer Johannes Steffens und Michael Schankweiler, die einen Gedenkgottesdienst gehalten hatten, Ferdi Meyer, Prof. Dr. Andreas Plöger und natürlich Hans Peter Kürten als Vorsitzenden des Friedensmuseums begrüßte, grüßte auch im Namen des Landrates Dr. Jürgen Pföhler. Remagen sei ein ganz besonderer Erinnerungs- und Geschichtsort. Der Name der Stadt werde stets mit der Einnahme der Rheinbrücke am 7. März 1945 durch die Amerikaner und dem riesigen Kriegsgefangenenlager in der Goldenen Meile verbunden bleiben. „Solche Geschehnisse müssen in uns wach gehalten werden. Sie sollen erinnern und ermahnen. An uns allen liegt es, diese geschichtsträchtigen Orte, die Kriegsereignisse lebendig zu halten, um zu verstehen und lernen zu können. Seit dieser Zeit wurden viele Zeichen der Versöhnung und Völkerverständigung gesetzt. Das Friedensmuseum Brücke von Remagen ist seit 37 Jahren ein solches und auch die Kapelle der Schwarzen Madonna, die vor 30 Jahren erbaut wurde, vor allem aus Spenden der ehemaligen Kriegsgefangenen. Sie ist ein Symbol der Erinnerung an das Leid in den Gefangenenlagern mit bis zu 300 000 Menschen“, so Gies. Die Kapelle der Schwarzen Madonna sei ein Symbol des Friedens. Umso schlimmer sei es, dass sich Rechtsextreme dieser Erinnerungsstätte bedienen und sie für ihre Ideologien missbrauchen würden. In diesen Zeiten von aufkeimenden Rechts- aber auch Linksextremismus sei eine offensive Aufklärung und Erinnerungsarbeit zur NS-Geschichte ein ganz wichtiges Thema und dem Kreis Ahrweiler ein besonderes Anliegen. Der ganz besondere Dank von Gies galt Hans Peter Kürten, dem Initiator für die Errichtung der Friedenskapelle und dem Initiator für das Treffen der ehemaligen Kriegsgefangenen. Darüber hinaus sei es dem nachhaltigen Einsatz von Kürten zu verdanken, dass das Friedensmuseum in den Brückentürmen seine Pforten öffnen konnte. „Der ehemalige Kriegsschauplatz in Remagen ist auch dank Ihnen zu einem Ort der Versöhnung, zu einem Ort für Friedensarbeit geworden. Für dieses beispielhafte Engagement gebührt ihnen unser aller Dank“, richtete Gies seine Worte an Hans Peter Kürten. Als Zeichen der Anerkennung überreichte Gies Kürten eine finanzielle Ehrengabe des Landrats für die wichtige Aufklärungs- und Erinnerungsarbeit des Vereins Friedensmuseum Brücke von Remagen.

„Was können wir für den Frieden tun?“

„Was können wir für den Frieden tun?“ Dieser Frage ging Prof. Dr. Andreas Plöger nach. Er war als jugendlicher Soldat einst selbst Gefangener im Lager der Goldenen Meile. Etwas für den Frieden zu tun sei nicht nur eine globale, sondern auch eine ganz persönliche Sache. Frieden sei nicht nur eine Sache der großen Völker, sondern auch zwischen Menschen in allen Konstellationen. Es gelte Toleranz und Akzeptanz zu fördern, den Frieden, Krieg oder Nicht-Krieg sei eine Sache, die bei einem Einzelnen beginne bis hin zu einem ganzen Volk. Frieden müsse als ständige Aufgabe gesehen werden. Nur so sei eine Stabilität möglich, wie sie in Europa seit 72 Jahren zu erleben sei.

„Viele von uns sie kehrten nicht heim, ruhn hier in der Erde, sie sind der Keim, die Saat des Friedens für Frieden weltweit. Schluss mit den Kriegen für alle Zeit. Wir – die hier fasst das Leben verloren – haben gemeinsam uns geschworen: Nie wieder Krieg, Schluss mit dem Morden, nur der Frieden verdient einen Orden“, hatte Ferdi Meyer seine Ansprache beendet.

Im Anschluss an den offiziellen Teil der Veranstaltung gab es ein gemeinsames Mittagessen, bevor eine Busfahrt die vielen Gäste an die zur Kapelle „Schwarze Madonna“ und danach zum Ehrenfriedhof in Bad Bodendorf führte. An beiden Orten wurden zum Gedenken an die Verstorbenen Kränze niedergelegt. Bei einem gemeinsamen Kaffeetrinken und vielen erinnernden Gesprächen klang die Erinnerungsveranstaltung allmählich im Foyer der Rheinhalle aus. Für die vielen ehemaligen Kriegsgefangenen war der Tag sicher nicht nur aufgrund des hohen Alters ein sehr anstrengender Tag. AB

Ferdi Meyerund Hans Peter Kürten.

Ferdi Meyerund Hans Peter Kürten.

Erinnerungsveranstaltung „30 Jahre Kapelle der Schwarzen Madonna“. Fotos: -AB-

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