Nocturno- eine Kulturnacht in der Marktkirche macht von sich reden
Abendlich - nächtliche Performance findet Gefallen bei den Gästen
Mehr als 6 Stunden Gesang und Musik, Tanz , Pantomime und Text-Darbietungen erfreuten ein begeistertes Publikum
Neuwied. Am Tag nach der sensationellen Kulturnacht in der Neuwieder Marktkirche konnten sich „Impressario“ Werner Zupp und die Mitglieder des gemeindlichen Kulturausschusses über begeisterte Facebook-Einträge von offenkundig sehr zufriedenen Gästen freuen, die diese Freitag-/Samstag-Nacht offenkundig in vollen Zügen genossen haben.
Vor rund zwei Jahren wurden erste Gespräche über entsprechende Ideen geführt, inwieweit eine unterhaltende Abend- und Nachtshow in der Kirche möglich wäre. Dabei waren sich die Organisatoren von vorneherein darüber einig, dass eine Kirchengemeinde mit ihrem religiösem Auftrag durchaus keine Skrupel haben muss, wenn sie die Durchführung einer fröhlich-künstlerischen Veranstaltung plant, um die Menschen zu erfreuen. Im Prinzip war zu Beginn des Jahres alles geklärt.
Doch dann brach Convid-19 wie eine Urgewalt über unsere Welt hinein und so mussten völlig neue Pläne erarbeitet werden. Vor allem mussten Hygiene- und Abstandsregelung detailliert geregelt und entsprechende Vorkehrungen getroffen werden. Als auch diese wichtigen Modalitäten erledigt waren, konnte man die Detailplanung in Angriff nehmen.
Obwohl die Kirche Platz genug für wesentlich mehr Besucher bietet, war die Zahl auf rund 100 Gäste aufgrund der Corona-Verordnungen beschränkt, die zudem in gebührendem Abstand voneinander Platz nehmen mussten. Und so nahm „Nocturno“ (evtl. zu übersetzen mit „Nachtmusik“) seinen weiteren Verlauf und konnte dann in Szene gesetzt werden.
Da die Namen aller Teilnehmer-innen erfasst werden mussten, konnten die Karten im Vorverkauf erworben werden. Andere ließen sich Karten reservieren und bezahlten diese am Veranstaltungsabend.
Dabei kamen einige potentielle Besucher dann doch nicht, sodass leider einige Plätze leer blieben.
Denn genügend Interessenten waren unbedingt vorhanden.
Wenn auch die ganz große Begeisterung an diesem Abend ausblieb, so war dies allerdings beileibe nicht die Attraktivität des Programms, die dies verhinderte, sondern doch eher die jeweilige Distanz zum Nachbarn. Doch bei den jeweils einkalkulierten Pausen, die der Lüftung des Kirchenraumes dienten, kam man sich im Kirchenhof bei Wasser, Wein und Brezeln in Kleingruppen doch ein wenig näher und hatte sich dabei viel zu erzählen und sich über die entsprechenden Eindrücke zu unterhalten.
Ein unterhaltsamer Abend
Es wurde zweifellos ein langer Abend, den Kantor Thomas Schmidt mit seinem Gospelchor „Sing On“ auf fröhlich-schwungvolle Weise eingeläutet hatte, wobei sich Schmidt im weiteren Verlauf um die Technik kümmerte, damit auch alle Künstler- innen den richtigen Sound in der Kirche finden konnten. Holger Mantey war ein exzellenter Klaviervirtuose, der spielerisch-leicht die Klangwelten von der Bach-Kantate bis zu Fernsehserien-Melodien mit dem Flügel und weiteren Instrumenten zum Erklingen brachte. KONFLOW – das ist die Tänzerin Suza Richter und der Gitarrist Stefan Löschner, der mit der Gitarre in äußerst variabler Form seine immer wieder in kreativen Bewegungsabläufen tanzende Partnerin begleitete und beide mit Ausdauer und Kunstfertigkeit ihr abwechslungsreiches Programm darboten.
Der Neuwieder Boris Weber ist den heimischen Kunstfreunden ob seiner virtuosen und ideenreichen Ausdrucksformen kein Unbekannter.
Diesmal hatte er sich die heiteren, meist tiefgründigen Aphorismen des Erzählers, Sängers und Kabarettisten Hans-Dieter Hüsch vorgenommen, die er kongenial dem aufmerksamen Publikum darbot. Bekannt und beliebt sind auch die ebenfalls in Neuwied beheimateten LÄSTERMIMEN mit Lester Corea, Jos Ansen und Joachim Fischer, die ihre pantomimischen Zauberstücke mit der notwendigen Gewand – und Ausdrucksfähigkeit zur Freude der Gäste vorführten und hierfür immer wieder den dankbaren Applaus des begeisterten Publikums einheimsen konnten. Ihr Tanz im „Fantasy Globe“ war für Terisa Martin ein Akt zwischen künstlerischer Darstellungskunst und einer farbenfrohen Lightshow mit bemerkenswerten Showeffekten. Einen großartigen Einblick in seine melancholische Sangeskunst ließ der irische Folksänger Ben Sands erkennen, dessen heiter-sanfte, erzählende Songs. das Publikum faszinierte und in seinen Bann zog.
Seine Lieder erzählten Geschichten vom Leben, von der Liebe und den Besonderheiten dieser Welt und dies tat er durchaus mit subtilem Humor. Der Beifall für ihn war grandios.
Der Musiker am Keyboard des Jazzquartett FORSONICS Carsten Stüwe begleitete den durch das Programm führenden Werner Zupp zu dessen Gedanken zum Gedicht von Matthias Claudius „Der Mond ist aufgegangen, die goldnen Sterne prangen am Himmel hell und klar, der Wald steht schwarz und schweigend und aus dem Nebel steiget der weiße Nebel – wunderbar !“
Die Forsonics bildeten mit ihren gefühlsmäßig ansprechenden Songs und den sentimentalen bis explosiven Arrangement genau den richtigen Schlussakkord, und konnten schließlich den letzten besonders herzlichen Applaus für sich verbuchen.
Jürgen Grab
Der Moderator des Abends Werner Zupp äußerte Gedanken um Mitternacht zum Lied von Mathias Claudius „Der Mond ist aufgegangen...“ und das Jazzquartett Forsonics war schließlich der letzte TopAct eines wunderbaren Abends.
