Zukunft der Sportstätten in den Flutgebieten
Ahrbrück: Neuer Sportplatz wird nicht an alter Stelle entstehen
Vom Land wird nur ein Rasenplatz bezahlt - doch der passt nicht auf das Gelände, wo sich sonst der Ascheplatz befand
Ahrbrück. Wer im Internet nach dem ABK Ahrbrück sucht, stößt sofort auf einen prägnanten Satz: „Blut und Schweiß seit 1954“ heißt es auf der Homepage. Schnell werden zwei Fakten glasklar: Bei der „Sportvereinigung Ahrbrück, Brück, Kesseling 1954 e. V.“ wie der Verein mit vollem Namen heißt, ist Leidenschaft im Spiel. Und im übernächsten Jahr steht ein runder Geburtstag an. Dann feiert der Verein sein 70. Jubiläum. Sicher hätten die Vereinsmitglieder diesen Ehrentag gerne im Vereinsheim am Sportplatz in der Kesselinger Straße begangen. Aber leider ist beides nicht mehr da, weder Heim noch Platz. Zunächst nahm der Sportplatz wegen dem überlaufenden Kesselinger Bach, der gleich neben dem einstigen Tennenplatz vorbeifließt, Schaden. Gleiches gilt für das Vereinsheim. Eine Sanierung des Bauwerks hätte sich nicht mehr gelohnt und das Vereinsheim wurde schließlich abgerissen. Dann wurde ein Containerdorf auf dem Platz errichtet, in dem Handwerker, die beim Wiederaufbau mitanpackten, eine temporäre Bleibe fanden. Dazu wurde auch ein Abfluss gelegt. Mittlerweile sind Handwerker und Container wieder fort, aber der Abfluss blieb – und die Drainaige war hinüber. und der Platz wurde unbenutzbar. „Als die Idee aufkam, auf dem Sportplatz ein Handwerkercamp zu errichten, war natürlich klar, dass wir da zustimmen würden“, sagt heute Christian Keuler, der Geschäftsführer des ABK. Schließlich ginge der Wiederaufbau vor.
Zur Zeit ist nur noch das Kleinspielfeld bespielbar, das auch von den Kindern der Denntalschule, der Ahrbrücker Grundschule gleich in der Nachbarschaft des ABK-Geländes, benutzt wird. Für die Schülerinnen und Schüler soll die Anlage um eine Tartanbahn und eine Sprunggrube ergänzt werden.
Heimspiele in Kalenborn
Für die ABK-Mitglieder bietet sich für die Vereinsmitglieder neben diesem Kleinspielfeld keine Möglichkeit zur sportlichen Betätigung. Natürlich soll sich dies so schnell wie möglich ändern. Im Moment ist die Situation aber eher schwierig, wie Keuler beschreibt. In der Fußballabteilung gäbe es nur in den Junioren-Abteilungen nennenswerten Nachwuchs, während es in der Herrenmannschaft dünn aussieht.
Zur Zeit haben die Ahrbrücker Kicker mit den Mitgliedern des ESV Kreuzberg eine Spielgemeinschaft aufgestellt, die SG Kreuzberg / Ahrbrück. Die beiden Orte teilen sich ein Problem: Einen Fußballplatz gibt es seit der Flut weder in Kreuzberg noch in Ahrbrück. In Kreuzberg lag der Sportplatz gleich in Ahrnähe und die Zerstörung war allumfassend. Deshalb trägt die Spielgemeinschaft ihre Heimspiele in Kalenborn aus und teilt sich die Stellung als Gastgeber mit der Eintracht Esch – eine Kombination, auf die vor der Flut wohl niemand gekommen wäre.
Aschenplätze sind nicht mehr zeitgemäß
Da diese Situation nur eine Übergangslösung darstellen soll, gibt es in Ahrbrück Ideen für einen neuen Platz. An alter Stelle darf der Platz allerdings nicht mehr entstehen, obwohl die Landesregierung signalisiert habe, den Wiederaufbau zu finanzieren. Doch der Teufel liegt im Detail. Die Mittel des Wiederaufbaufonds von Bund und Ländern dürfen nur für einen wirklichen Wiederaufbau verwendet werden. Das bedeute, dass der ABK seinen Tennenplatz finanziert bekäme. Allerdings baue das Land nur auf dem „aktuellen Stand der Technik“ wieder auf. Ein Tennenplatz, also der klassische rotbraune Aschenplatz, entspräche diesem Stand nicht mehr und die Platzform gelte als überholt. Ein Wiederaufbau auf heutigem Stand bedeute also einen Rasenplatz. Diese Information hörte sich auch für die Mitglieder des ABK nach einer guten Botschaft an – zumindest zunächst. Aber ein Rasenplatz brauche technisch bedingt mehr Fläche als ein Tennenplatz. Und gerade diese Fläche sei in Ahrbrück zwischen Kesselinger Bach und Kesselinger Straße einfach nicht da. Also könne am alten Platz gar kein neuer Sportplatz mehr entstehen. „Deshalb mussten wir uns nach einer neuen Lösung umsuchen“, sagt Keuler. Tatsächlich wurde man mit Unterstützung der Nachbargemeinde Kesseling fündig. Auf dem Weg zwischen beiden Dörfern hat man noch ein Plätzchen für eine neuen Sportstätte gefunden. Dass der künftige Sportplatz des ABKs eigentlich nicht mehr in Ahrbrück liegt, sondern in der Gemarkung Kesseling, stört auch Christian Keuler nicht. Es sei längst nicht mehr zeitgemäß, dass wirklich jeder noch so kleine Ort einen eigenen, modernen Fußballplatz habe, meint der ABK-Geschäftsführer. Denn schon lange werden die Plätze nicht mehr voll ausgelastet. Eine interkommunale Lösung, von der mehrere Sportvereine profitieren, sei dabei viel sinnvoller – eine Lösung, wie sie gerade in Ahrbrück erarbeitet wird.
ROB
Der Sportplatz vor der Flutkatastrophe... Foto: ROB
