Allgemeine Berichte | 20.03.2024

Im Ahrtal arbeitet sich die Tourismusbranche weiter voran.

Ahrtal: Hängebrücke steht ganz oben auf der Wunschliste

Könnte so eine Hängebrüke im Ahrtal aussehen?  Foto: ©PlanningPlus

Ahrtal.Im Ahrtal arbeitet sich die Tourismusbranche weiter voran. Zum Saisonstart 2024 macht Vieles den Tourismusakteuren Mut, aber es gibt auch noch zahlreiche Herausforderungen. „Insgesamt ist die Stimmung gut und hoffnungsvoll“, beschreibt Christian Lindner, der Vorsitzende des Ahrtal-Tourismus die derzeitige Lage. „Die Saison 2023 ist für die geöffneten Betriebe sehr erfreulich gelaufen. Unsere wichtigste Erkenntnis: Das Ahrtal ist nach wie vor attraktiv als Tourismusdestination. Es kommen sowohl Stammgäste als auch viele neue Gäste, die durch oder nach der Flut auf das Ahrtal aufmerksam geworden sind. Die Region punktet auch weiterhin mit ihren Kernkompetenzen Wandern, Wein, Gastfreundschaft und Kulinarik.“

-Übernachtungszahlen um 50 Prozent gestiegen

Dies belegen auch die aktuellen Statistiken. Lagen die Übernachtungszahlen 2022 noch bei 434.000, konnte das Ahrtal für das Jahr 2023 schon rund 624.00 Übernachtungen verbuchen: eine Steigerung um rund 40 Prozent. „Dies liegt zum einen daran, dass 2023 mehr Übernachtungsbetriebe wieder geöffnet hatten, zum anderen konnte das Ahrtal mehr Leute für einen Besuch gewinnen“, erläutert Meike Carll, Referentin Tourismus. Hier habe die aktuelle „We AHR open“-Kampagne des Ahrtal-Tourismus dazu beigetragen, den Gästen zu zeigen, dass das Ahrtal trotz der Folgen durch die Flut einen Besuch wert ist. Sie wird mit Unterstützung des Landes Rheinland-Pfalz auch in diesem Jahr weiter fortgeführt.

Doch die reinen Zahlen verraten noch mehr: Von den Übernachtungszahlen in Höhe von 1,4 Millionen im Jahr 2019 – vor Corona und der Flut – ist das Ahrtal noch weit entfernt. Laut Meike Carll fehlen vor allem noch Bettenkapazitäten. „Hier liegt das Ahrtal aktuell erst bei 5.600 von zuvor knapp 8.400 Betten, also bei rund 65 Prozent.“ Das führe dazu, dass für Gäste in der Hochsaison im Herbst häufig gar keine Übernachtungsmöglichkeiten mehr zur Verfügung stehen. „Diese Gäste fehlen aber dann natürlich auch in anderen Bereichen des Tourismus, beispielweise in der Gastronomie.“ Positiv sei, dass durch weitere Wiedereröffnungen, zum Beispiel durch das Steigenberger Hotel Bad Neuenahr, die Zahl in diesem Jahr auf über 6.000 Betten anwachsen werde. „Es geht voran, aber zu langsam“, beschreibt auch Christian Lindner die Situation. „Manche Häuser haben immer noch keine adäquate Internetverbindung“, so sein Beispiel, mit welchen Problemen die Gastgeber knapp drei Jahre nach der Flut noch teilweise konfrontiert sind.

Alle Vorraussetzungen vorhanden

Weitere Krux bei den Übernachtungen: Die meisten Gäste kommen fast ausschließlich für Kurz-Aufenthalte an den Wochenenden und maximal für vier bis fünf Übernachtungen ins Ahrtal. Wochenweise Buchungen gebe es laut Meike Carll fast gar nicht. Der neue Geschäftsführer Andreas Lambeck, der zum April im Ahrtal startet, sieht im Bereich Übernachtungen noch einiges Potential: „Das Ahrtal hat alle Voraussetzungen, um seine Ziele, DIE innovative und nachhaltige Weinregion in Deutschland zu werden, zu erreichen. Jetzt gilt es, auf der einen Seite das Ahrtal durch Leuchtturmprojekte aus dem Tourismus-Konzept noch attraktiver zu machen – insbesondere auch für längere Aufenthalte. Gleichzeitig ist es Aufgabe, Investoren auf das Ahrtal aufmerksam zu machen, sowohl im Bereich der Hotellerie als auch für einzelne Maßnahmen.“ Ende Februar wurde der Endbericht zum Nachhaltigen Tourismus-Konzept Ahrtal 2025 vorgestellt. Ganz oben auf der Wunschliste des Ahrtals stehen die Hängebrücke als Verbindung von Rotweinwanderweg und AhrSteig, ein Skywalk, ein Flutmuseum sowie eine Seilbahn. „Jetzt startet die eigentliche Arbeit: Machbarkeiten prüfen, Finanzierungsmöglichkeiten finden, Umsetzungen planen“, so Andreas Lambeck.

Derzeit steigt die Nachfrage vor allem im Bereich Tagestourismus. Ersichtlich ist dies anhand der stetig steigenden Buchungen von Gästeführungen in Bad Neuenahr-Ahrweiler. Zu den Angeboten des Ahrtal-Tourismus zählen die seit Ostern 2022 neu entwickelten Wiederaufbau-Führungen, die Weinführung „In Vino Veritas“, die Nachtwächter-Führungen und klassische Stadtführungen. So lagen 2023 sowohl die Anzahl der Termine als auch die Besucherzahlen fast wieder auf Vor-Corona-Niveau. „Ein großer Erfolg, der sicher auch dank der besonders nachgefragten Wiederaufbau-Führungen und unserer kompetenten Gästeführer erreicht werden konnte“, sagt Meike Carll. „Bei den Gruppenbuchungen stellen wir fest, dass die Nachfrage im Vergleich zu den Vorjahren weiter steigt. Ein Zeichen dafür, dass die Scheu, das Ahrtal auch wieder als Gruppe zu besuchen, nachlässt und die Region wieder als attraktives Ausflugsziel für Gruppen wahrgenommen wird.“ Um die zunehmenden Anfragen auch bedienen zu können, bildet der Ahrtal-Tourismus gerade weitere Gästeführer aus.

Wichtiger Zubringer

Im gesamten Ahrtal sind die Veranstaltungen und Events ein wichtiger Zugbringer im Tourismus. Die Saison 2023, in der beliebte Formate wie beispielweise der Weinmarkt der Ahr oder das Ahrtaler Gipfelfest erstmals seit vier Jahren wieder stattfinden konnten, hat laut Carll Hunderttausende Besucher angezogen. „Und die Tendenz steigt weiter“, sagt Carll und nennt Beispiele: Der Tag der offenen Weinkeller war zum ersten Mal bereits Wochen vor Termin ausverkauft, die Jubiläums-Show der Klangwelle läuft als Dauerbrenner im Vorverkauf und in den Tourist-Informationen werden schon seit Jahresbeginn Zimmer für die Wochenenden mit den Top-Events am meisten nachgefragt. Neben den Großveranstaltungen sind laut der Tourismusexpertin auch die Angebote von kleineren Weinevents, Wanderangeboten und Kulinarik-Veranstaltungen deutlich gestiegen.

Doch trotz all dieser positiven Entwicklungen gibt es laut dem Ahrtal-Tourismus nach wie vor noch viele Einschränkungen für die Besucher, vor allem im Bereich Infrastruktur. „Zwischen Walporzheim und Ahrbrück fehlen derzeit noch die Bahnstrecke und der zu einem großen Teil parallel verlaufende Ahr-Radweg. Beides enorm wichtige Verbindungen, um die Mittelahr zu erkunden“, so Carll, die hofft, dass beides zum Frühjahr 2026 wieder zur Verfügung steht. Immerhin seien die Teilstücke des Ahr-Radweges zwischen Blankenheim und Ahrbrück sowie zwischen Walporzheim und Sinzig wieder befahrbar, wenn auch teilweise über Umleitungen. Weiteres Dauerproblem: Ausreichende Parkmöglichkeiten, da nach wie vor einige Parkplätze und Tiefgaragen noch nicht wieder zur Verfügung stehen. „Hier arbeiten die Kommunen mit Hochdruck am Wiederaufbau und an Alternativen.“

Christian Lindner, selbst Hotelier, sagt abschließend: „Es gibt im Ahrtal viele gleichzeitige Herausforderungen. Zum einen muss der Wiederaufbau der Betriebe und der Infrastruktur vorangetrieben werden. Zum anderen müssen neue Projekte auf den Weg gebracht und Investoren fürs Ahrtal begeistert werden. Hieran arbeitet das Ahrtal weiter gemeinsam und hofft auf Unterstützung sowohl der Politik als auch von anderen möglichen Geldgebern, um die Region nachhaltig für die Zukunft zu rüsten.“

BA

Könnte so eine Hängebrüke im Ahrtal aussehen? Foto: ©PlanningPlus

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